Signal gegen ein erstarrtes Amtsverständnis

Initiativgruppe für eine lebendigere Kirche solidarisiert sich mit Anliegen der Priesterinnen in Österreich

Der Vorstand der Initiativgruppe für eine lebendigere Kirche sieht in der am Wochenende erfolgten Weihe von katholischen Priesterinnen in Österreich ein deutliches Zeichen gegen ein erstarrtes Amtsverständnis und solidarisiert sich mit den Anliegen der sieben Frauen aus Österreich, Deutschland und den USA. „Dadurch nimmt das Recht der Frauen, ihre Berufung zum priesterlichen Dienst einzubringen, Gestalt an.“ stellt die stellvertretende Vorsitzende Annegret Steck fest. „Durch Priesterinnen wird die sakramentale Seelsorge um die weibliche Komponente erweitert. So wurde mit der Weihe der Frauen ein neues Kapitel in der Kath. Kirche aufgeschlagen. Die Frauen sind und werden zunehmend eine große Bereicherung für die Seelsorge darstellen.“ ist Annegret Steck überzeugt.

Der Vorstand ist sich bewusst, dass die Weihe dieser Frauen zu Priesterinnen einen Akt des Ungehorsams gegen das Kirchenrecht darstellt. „Leider bot sich anscheinend kein anderer Weg an, da die Kirchenleitung sich beharrlich weigert, die Berufungen, Fähigkeiten und Kompetenzen von Frauen endlich für den priesterlichen Dienst anzuerkennen“ betont der Vorsitzende der Initiativgruppe Robert Hochgruber. „Bisher wurden die Frauen mit Scheinargumenten aus der Bibel und der Tradition vertröstet. Diese sind aber, wie selbst die Päpstliche Bibelkommission selber in Bezug auf die Heilige Schrift bereits 1976 festgestellt hat, nicht haltbar.“

Der Zugang von Frauen zum Priesteramt war eine der wesentlichen Forderungen des Kirchenvolksbegehrens von 1995, das mehr als 18.000 Südtirolerinnen und Südtiroler unterstützt haben, weltweit waren es 2,5 Millionen Menschen. Laut Umfragen würde sich eine große Mehrheit der Gläubigen Priesterinnen wünschen.

Obwohl die gleiche Würde von Mann und Frau in den Evangelien nie in Frage gestellt wird, hat unsere Kirche im Laufe der Geschichte immer wieder Unrecht an Frauen begangen und schließt sie bis heute von Weiheämtern und Entscheidungspositionen aus. Deshalb fordert Annegret Steck ein radikales Umdenken und fügt hinzu: „Wiedergutmachung ist höchst an der Zeit. Dies umso mehr, als der Vatikan als Staat in der UN Stimme hat und dort beharrlich Menschenrechte einmahnt.“

Gemeinsam mit der deutschen, österreichischen und italienischen Bewegung des Kirchenvolksbegehrens fordert die Initiativgruppe für eine lebendigere Kirche die Diskussion über die Erneuerung des priesterlichen Amtes und seine Öffnung für Frauen auf allen kirchlichen Ebenen qualifiziert weiter zu führen und noch zu intensivieren. Zudem besteht die Hoffnung, dass sich durch Priesterinnen in der kath. Kirche ein neues Priesterverständnis entwickelt, das dem Evangelium und seiner Verkündigung näher kommt als die derzeit allein auf den Mann beschränkte Form.