Der Vorstand der Initiativgruppe für eine lebendigere Kirche bedauert die Äußerungen von Papst Johannes Paul II. vom vergangenen Sonntag. Der Papst hatte dabei die kürzlich von der Glaubenskongregation veröffentlichte Erklärung "Dominus Jesus" verteidigt. Allerdings war er auch bemüht, die Wogen der Kritik zu glätten. In der besagten Erklärung werden die anderen christlichen Kirchen als unvollkommen hingestellt.
"Dies wurde als Abwertung empfunden. Die Erklärung scheint uns" betont der Vorsitzende Robert Hochgruber, "einen falschen Weg zu weisen, um zu einer Einheit unter den christlichen Kirchen zu kommen. Der Papst hat die Erklärung leider nicht zurückgenommen. Sie aber neuerlich zu betonen und gleichzeitig den Respekt vor den anderen christlichen Konfessionen und Religionen auszudrücken, läßt einen guten Umgangsstil vermissen. Die Erklärung hat der Ökumene vermutlich einen großen Schaden zugefügt."
Die römisch - katholische Kirche sollte es nicht notwendig haben, andere christliche Glaubensgemeinschaften abzuwerten, um das eigene Selbstbewußtsein zu stärken, meint der Vorstand der Initiativgruppe. Denn jede Konfession versucht mit bestem Einsatz und aus besten Absichten heraus ihren Glaubensweg zu gehen und ihren Beitrag für die Welt zu leisten. Alle christlichen Kirchen haben teil an der Wahrheit, ebenso wie alle Religionen verschiedene Seiten Gottes verstanden haben. Und keine kann von sich behaupten, allein die gesamte Wahrheit erkannt zu haben, glaubt der Vorstand der Initiativgruppe.
Er vermutet auch, dass der Großteil der Katholikinnen und Katholiken den Absolutheitsanspruch der römisch - katholischen Kirchenleitung gegenüber den anderen christlichen Konfessionen ablehnt und auf eine baldige Einheit hofft. Alle christlichen Kirchen bereichern nämlich einander und würden durch die Einheit ihren Auftrag besser erfüllen.