Das Gottesbild von Hosea

"Mehr als Vater ist Gott Mutter"

Johannes Paul I

Als Israel jung war, gewann ich ihn lieb, aus Ägypten rief ich meinen Sohn. Doch wie ich sie rief, so liefen sie von mir weg, den Baalen opferten sie, und den Bildern räucherten sie. Dabei war ich es doch, der Efraim gestillt hat, indem ich ihn auf meine Arme nahm. Sie jedoch begriffen nicht, daß ich sie pflegte. Mit menschlichen Seilen zog ich sie, mit Stricken der Liebe. Und ich war für sie wie solche, die einen Säugling an ihren Busen heben, und ich neigte mich zu ihm, um ihm zu essen zu geben. Zurück muß er nach Ägypterland, und Assur wird sein König sein, weil sie sich weigerten umzukehren. Und das Schwert wird in seinen Städten wüten und seine Schätzer vertilgen, und sie werden aufessen müssen, was sie sich eingebrockt haben. Aber mein Volk hält fest am Abfall von mir: Zum Baal ruft man, aber der zieht sie nie und nimmer groß! Wie soll ich dich preisgeben, Efraim? Ich dich aufgeben, Israel? Wie kann ich dich preisgeben wie Adam? Dich behandeln wie Zeboim? Es kehrt sich gegen mich mein Herz, ganz und gar ist entbrannt mein Mutterschoß. Nicht kann ich meinen glühenden Zorn vollstrecken, nicht kann ich (mein Inneres) nochmals umdrehen, um Efraim zu verderben! DENN GOTT BIN ICH UND NICHT MANN IN DEINER MITTE HEILIG UND NICHT KOMME ICH, UM DICH ZU ZERSTÖREN.

Ich habe gottlob in diesen Monaten und Jahren die einmalige Chance, zu Hause zu sein und mich viel meinen zwei Buben Benedikt (3 Jahre) und Samuel (5 Monate) widmen zu können, auf intensive Weise Mutter zu sein.

In dieser Zeit ist mir diese eine Textstelle bei Hosea sehr ans Herz gewachsen.

Hosea wirkte als einer der bedeutendsten alttestamentlichen Propheten im 8. Jahrhundert v. Christi im Nordreich Israel. Er wollte das Volk Israel, das zum Baalskult abgefallen war, zum Jahwe-Glauben zurück führen. Im 11. Kapitel des Hosea-Buches begegnen wir einer der intensivsten Selbstoffenbarungen Gottes. Der Schlüsselbegriff des Kapitels heißt "lieb gewinnen". Es zeigt sich darin die mütterliche und väterliche Liebe Jahwes zu Israel, das trotz der Flehrufe Jahwes, doch zu ihm zurückzukehren, Baal hinterherläuft.

Wenn es im Text heißt "Ich war es, der Efraim (=Israel) gehen lehrte (in einer anderen Übersetzung heißt es sogar: der Efraim gestillt hat) ich nahm ihn auf meine Arme...

Ich war da für sie wie die (Eltern), die den Säugling an ihre Wange heben (andere Übersetzung: ich war für sie wie solche, die einen Säugling an ihren Busen heben), ich neigte mich ihm zu und gab ihm zu essen.

Und später im Vers 8 sagt Jahwe: "Wie könnte ich dich preisgeben, Efraim, wie dich aufgeben, Israel?..." - so begegnet uns Gott als der unendlich Liebende, der Schützende, wie er uns auch bei Jesaja in dem Bild der Henne, die ihre Küken um sich schart, beschrieben wird.

Ist es doch dieses Gefühl der Geborgenheit, diese bergende Liebe an der Brust, die uns sagt: es ist alles gut, du kannst dich anlehnen, du bist geliebt von Anfang an, auch ohne Gegenleistung.

Gott sagt uns diese Liebe zu, die mütterliche Zärtlichkeit, die Nähe und das Wohlwollen, das in einem Kind das Urvertrauen in die Welt, in sich selbst und in Gott wachsen läßt.

So wie eine Mutter hat Gott Freude an seinen "Kindern", die wachsen und sich entwickeln, die ihren Weg suchen, die er in die Freiheit und Selbständigkeit entlassen und doch stets mit sorgenden und segnenden Augen begleiten wird.

Wenn schon euine Mutter versucht, für ihr Kind stets verfügbar und in Reichweite zu sein, um so mehr dürfen wir dies von Gott erwarten.

Durch das diözesane Jahresthema werden wir heuer vor allem an Gott als Vater erinnert, aber wir sollten dabei stets auch diese mütterliche Seite in Erinnerung behalten, an die vor 20 Jahren in seinem berühmt gewordenen Ausspruch Papst Joh. Paul I. erinnert hat: "Mehr als Vater ist Gott Mutter!"

Wäre dies nicht ein Grund mehr, daß auch wir uns mit Zärtlichkeit und Wohlwollen begegnen.

Maria Theresia Unterkircher Peintner

"Vater und Mutter unser im Himmel"

Das diözesane Jahresthema lautet "Miteinander auf dem Weg: Vater unser im Himmel ...". Es ist gut, Gott als Vater anzusprechen. In Ergänzung dazu ist es aber sinnvoll und notwendig, Gott auch als Mutter anzusprechen. Derzeit ist es noch nicht üblich, auf die weibliche Seite Gottes hinzuweisen. Die Bibel verwendet aber sehr wohl weibliche Bilder für Gott. Frauen und Männer kann es gut tun, weibliche Eigenschaften an Gott zu entdecken.

Aus diesen Gründen hat die Initiaitivgruppe für diese Ausgabe der Impulse von unten die andere Seite Gottes als Schwerpunktthema - und dazu noch mit einem Farbumschlag - gewählt und wird darauf in den weiteren Ausgaben zurückkommen. Es wird ersucht, auch von der mütterlichen Liebe Gottes zu erzählen, wenn das Jahresthema bei verschiedenen Veranstaltungen behandelt wird. Trotz dieser ganzheitlichen Sicht bleiben "Vater und Mutter" nur unzureichende Bilder für Gott. Er / sie geht natürlich weit darüber hinaus.