Kostprobe aus dem Vortrag, den Bischof Francis Hadisumarta, Bischof von Manokwar-Sorong (Indonesien, Irian-Jaya) während der Asiensynode im Mai 1998 gehalten hat:
"Die Rolle der Bischofskonferenzen für die Führung der Erneuerungsbewegung und der Mission ist seit dem II. VK grundlegend. Die Bischofskonferenzen haben die Übersetzung und Adaption der Liturgie beaufsichtigt. Heute muss diese lebenswichtige Arbeit erst nach Rom, um dort von Menschen begutachtet zu werden, die unsere Sprache nicht verstehen! So erfahren die Übersetzungen für die Eucharistiefeier Verzögerungen von mehreren Jahren. Wir erwarten eine Ermutigung, um die Adaption in Angriff zu nehmen und die Inkulturation, und um neue indigene (eingeborene) Riten zu schaffen.
Eine Ortskirche wird wirklich zu einer Ortskirche, wenn ihre Gesetze nicht nur mit dem Geist des Evangeliums übereinstimmen, und mit den kirchlichen Normen, sondern auch mit dem Ethos und den Traditionen der gesellschaftlichen Regeln der Menschen vor Ort. In vielen neuralgischen Bereichen der Pastoral ist es notwendig, die Kirchengesetze zu adaptieren, z.B. in Bezug auf die Ehe. Für viele unserer Völker ist die Ehe eine Wanderung des Glaubens und der Liebe. Wir wünschen es, diese Lebensreise zu begleiten, um sie zu sakramentalisieren, nicht um die Eheleute zu verurteilen und ihre Familien! Es sind unter der Leitung der Bischofskonferenz viele Untersuchungen durchgeführt worden über die lokalen Gebräuche und Gesetze bezüglich der Ehe und die Ergebnisse wurden in unseren Zeitschriften veröffentlicht. Wir brauchen die Autorität, die Kirchengesetze gemäß unserem kulturellen Ethos zu interpretieren, um sie verändern, und wo nötig ersetzen zu können.
Es gibt viele Bereiche, in denen die Autorität der Ortskirche gewährt werden sollte, d.h. der Bischofskonferenz. Zum Beispiel die Auswahl und die Ernennung der Bischöfe und die Ausbildung und Disziplin des Klerus. Seit 30 Jahren fordert die Indonesische Kirche systematisch die Ordination von viri probati. Eine große Anzahl der Seminaristen bereiten sich auf das zölibatäre Priesteramt vor, aber viele Fast-Pfarreien gehen das Risiko ein, keinen Priester zu bekommen. Die Mehrheit der Katholiken in vielen Diözesen, darunter meine von Manokwar-Sorong im Irian-Jaya, leben mehr vom Wort, als vom Wort und den Sakramenten. Wir werden zu "Protestanten" aus Mangel! Können diese Pastoralprobleme nicht in den örtlichen Bischofskonferenzen analysiert und gelöst werden? Das erste Wort Jesu in der Osternacht an seine Apostel war:
"Friede mit Euch! Fürchtet Euch nicht!" Wir brauchen eine österliche Botschaft der Hoffnung zu Beginn des neuen Jahrtausends! Niemand in Indonesien will die totale Autonomie! Unsere Kirche ist katholisch, d.h. auf offene Weise apostolisch, auf reine Weise pastoral und universal in ihrem Glauben. Die Theologie, die Spiritualität, die Gesetze und die Liturgie müssen so vielfältig sein, wie es unsere Kulturen sind. Die Teilkirchen der gleichen Region (z.B. innerhalb der FABC : Föderation der Asiatischen Bischofskonferenzen) finden einen Ausdruck für ihre Kollegialität, indem sie sich gegenseitig über wichtige pastorale Entscheidungen informieren, sowie wir auch das betreffende Dikasterium in Rom informieren. In Zukunft muß dies zu einer Veränderung der Beziehungen zwischen der Bischofskonferenz und den verschiedenen Dikasterien in Rom führen. Die römische Kurie würde dann ein Zentrum für die Sichtung von Information werden, für die Ermutigung und Unterstützung, statt ein universales Entcheidungsinstrument. Wie der Apostel Paulus müßte die Kurie ermutigen, ermahnen, und bitten, statt zu kommandieren. Die Beziehung zwischen der Bischofskonferenz und dem Nuntius müßte demzufolge auch sich ändern. Viele der Kompetenzen des Nuntius müßten dem Sekretariat der Bischofskonferenz zurückgegeben werden,.
Das Magisterium und das sensus fidelium - die Bischöfe mit den ihnen anvertrauten Getauften und Gläubigen - sind unter dem Wort Gottes, dem Wort, das Fleisch geworden ist, dem menschgewordenen Wort. Wie Jesus, so werden auch wir Fleisch, und wir inkarnieren erneut, wenn wir uns auseinandersetzen mit der immer sich wandelnden asiatischen Wirklichkeit ..."