Bischof Kothgasser zu Homosexualität

Seelsorge für homosexuelle Menschen

Bischof Dr. Alois Kothgasser hat in der Diözese Innsbruck ein Team von acht Frauen und Männern offiziell mit der Seelsorge für homosexuelle Menschen beauftragt. Wir bringen im folgenden den Wortlaut der Erklärung, die der Bischof dazu abgegeben hat.

"Im Jahre 1993 hat Bischof Dr. Reinhold Stecher ein "Diözesanforum" einberufen. Diese Versammlung von rund 90 Vertreterinnen und Vertretern von Pfarrgemeinden, katholischen Verbänden und Einrichtungen sprach sich für den Beginn eines Dialogs über Homosexualität aus. Dieser sollte über den Kreis der Betroffenen hinausgehen und die neuere humanwissenschaftliche Forschung und moraltheologische Diskussion berücksichtigen.

Neue Formen der Seelsorge sollten entwickelt werden, eine Seelsorge, die Betroffene ernst nimmt und den Lebensformen homosexuell lebender Menschen mit Achtung und Toleranz begegnet. So entstand unter anderem eine Gruppe von Eltern homosexueller Söhne und Töchter.

Ehrliches Bemühen

Mit der offiziellen Beauftragung eines Teams von Seelsorgerinnen und Seelsorgern will ich nun ein weiteres Zeichen setzen. Dieses Team von acht Frauen und Männern soll zeigen, daß sich die Diözese Innsbruck ehrlich um homosexuell lebende und liebende Menschen bemüht. Ich verbinde mit diesem Dialog auch eine Hoffnung, daß wir das Zusammenleben mit Anderslebenden, Andersfühlenden und Andersdenkenden neu lernen. Gerade homosexuell lebende Menschen können uns dabei helfen. Denn immer waren homosexuelle Menschen in ihrer Lebensform schwerer Verfolgung ausgesetzt - hierzulande zuletzt während der Zeit des Nationalsozialismus; auch heute begegnen sie vielfach Unverständnis und Ausgrenzung.

Es freut mich, daß in diesem Team auch eine evangelische Pfarrerin mitarbeitet. Damit können wir diese Anstrengungen um einen echten Dialog in ökumenischer Verantwortung gemeinsam mit der evangelischen Kirche unternehmen.

Abbau von Vorurteilen und Diskriminierung

Die Seelsorgerinnen und Seelsorger verstehen sich in erster Linie als Ansprechpartner für Betroffene und ihre Angehörigen. Gemeinsam mit ihnen wird sich ein Diözesaner Arbeitskreis für Homosexuellenpastoral um eine weitere Vertiefung des Dialogs bemühen. Mitarbeiter im Arbeitskreis sind neben den Seelsorgerinnen und Seelsorgern unter anderem eine Psychotherapeutin und Vertreter der Frauen- und Männerpastoral. Natürlich gehören zum Arbeitskreis auch homosexuelle Frauen und Männer. Denn es geht hier nicht um ein Reden über Menschen, sondern um ein Reden mit Menschen. Zu den Aufgaben des Arbeitskreises gehört auch die Organisation von Bildungsangeboten und Begegnungsmöglichkeiten, die den Abbau von Vorurteilen und Diskriminierung unterstützen sollen.

Bitte an die Gläubigen

Die Gläubigen der Diözese bitte ich, sich mit Beharrlichkeit und Einfühlungsvermögen auf einen Dialog einzulassen, wenn sie homosexuell lebenden Menschen begegnen. Alle, die Fragen haben oder auf Schwierigkeiten stoßen, können sich an den Arbeitskreis unter der Leitung von P. Josef Steinmetz SVD, 6020 Innsbruck, Anichstr. 19, wenden."

Dr. Alois Kothgasser,
Bischof von Innsbruck



Dieser Text gewinnt auf dem Hintergrund der Aussagen von Alleanza Nazionale Chef G. Fini in Bezug auf homosexuelle Lehrer besondere Bedeutung!