Laien als Kundschafterinnen und Kundschafter

Diözesanforum in Bozen am 17. Mai 1998

Eröffnungsreferat von Richard Picker,
Psychotherapeut und Theologe, Wien.

"Liebe Schwestern und Brüder, sehr geehrte Damen und Herren Delegierte!

Sie haben mich von Wien zu Ihnen geladen. Ich bringe Ihnen als Gruß eine Geschichte mit, die der Wiener Kardinal Schönborn erfunden hat. Er meinte, es könne ja mit den Hirten und Herden einmal so sein, daß plötzlich die Herde eine bessere Weide findet, als der Hirte anzubieten hatte. Dann laufen sie ihm voraus und der Hirte wird klugerweise nachkommen und sehen, was seine Herde für einen Weideboden gefunden hatte. Er meinte auch, daß vielleicht diese Situation jetzt eine solche sei.

Sie brechen heute nach einer langen Vorbereitung mitsammen auf. Einige von Ihnen haben eine neue Weide gefunden, andere sind sich noch unsicher. Auf jeden Fall haben Sie wichtige Themen formuliert, die aus Ihnen kamen. Nicht von Experten oder von oben. Sie haben das zukünftige Land ausgekundschaftet. Ein kleiner Schimmer davon ist schon zu sehen. Ein Fuß vorne, einer hinten, und so beginnt der Aufbruchschritt. Und den Sitz muß man verlassen, um in Bewegung zu kommen. Riskieren Sie den Aufbruch. Tun Sie's für uns alle. Es freut mich also wirklich, das zu sehen und lassen Sie mich also noch ein paar Worte dazu sagen. Es fängt damit an, daß Katholiken, um das beladene Wort auszusprechen - "römisch katholische" Christen - sich durchschnittlicherweise genieren! Vielleicht weiß ich nicht, wie es in Südtirol ist. Ansonsten aber kann man ein Buddhist sein, das ist ehrenwert! Man kann ein Agnostiker sein. Das ist ehrlich! Man kann ein Atheist sein. Das ist bewundernswert tapfer! Dann geht's herunter: Und dann kann man ein Christ sein. Am besten nobel freikirchlich oder so irgendwas Ungreifbares. Dann schon weniger gut "lutheranisch", aber ganzschlimm ist "römisch-katholisch". Orthodox weiß man nicht so ganz genau. (Die Popen singen schön und das beeindruckt ja Österreich immer.) Aber in Wahrheit ist die unterste Ebene eigentlich die römisch-katholische. Und das ist irr! Das entspricht weder der Geschichte, noch der Bedeutung dieser Weltreligion. Ich möchte Sie also ersuchen, wenn's möglich ist, die Vernunft zu gebrauchen, die Fakten sprechen zu lassen und doch zu sehen, was vorhanden ist in der katholischen Kirche, der wir alle, der Sie angehören.

Nun sind die allermeisten von uns in Familien hineinge-tauft worden in die römisch-katholische Kirche. (Ich nicht, ich habe eine Nazierziehung gehabt und daher den Vorteil, mit vierzehn Jahren mich freiwillig entscheiden zu können. Es hat jeder Nachteile und Vorteile, wie man sieht.) Es war und ist keine schlechte Wahl. Sie beweist sich nicht! Man kann den Glauben nicht wissenschaftlich beweisen. Aber was kann man wissenschaftlich beweisen? Bitte: Glück - Unglück, alle diese Dinge, wie sich "jemand fühlt", was so wichtig ist im Leben, warum man sich verliebt hat oder nicht, können Sie alles wissenschaftlich nicht beweisen! Läuft alles daneben! Warum sich ein Kind freut? Gar nichts davon! Also, man kann es aber auch nicht widerlegen. Es ist nicht möglich, so zu sagen: Ja wer gläubig ist, ist sowieso "meschugge" und gehört in die Nähe der Psychiatrie. Das ist völlig daneben. Die katholische Kirche hat große Mängel. Sie hat unsere Mängel natürlich, weil wir die Mitglieder sind. Die Mitglieder rücken in die höheren Ränge und wie sie in die höheren Ränge rücken, dann passiert die Gruppendynamik der höheren Ränge! Und dann kommen die eigenen Schattenseiten in die Organisation und die Organisation verstärkt das. Das ist klar, das ist bedauerlich, das gehört natürlich berichtigt. Aber aus der Distanz betrachtet, gehören wir alle zu einer Gemeinschaft, die von den Lebzeiten Jesu bis heute ununterbrochen in einer vielleicht sogar sturen Weitergabe des Glaubens ihre Identität gefunden hat. Es ist schon richtig, daß sie verkarstet und stur ist. Und es ist wirklich viel zu tun. Als dann bitte: Begeben wir uns in sie hinein.

Denkt an den Kardinal von Wien. Suchen Sie eine anständige Weide, wo viel wächst und schreiben Sie den Bischöfen einen Brief. "Wir sind jetzt auf der Weide und warten jetzt auf euch. Es ist hier ganz wunderbar". (Klatschen) Diese Vorgangsweise ist urchristlich. Sie ist überhaupt nicht neu. Wenn Sie Historiker fragen, wie sich in unseren Gegenden das Christentum in den ersten drei Jahrhunderten ausgebreitet hat, sagen diese, nicht durch den Klerus, sondern durch die Handlungsreisenden, die Matrosen und die Geschäftsleute, die so von Hafen zu Hafen gefahren sind. (Man weiß das ja gut aus der Briefliteratur.) Es ist wichtig, das zu begreifen! Es war also nicht so, wie wir das gewohnt sind: Irgend jemand aus einem Missionsorden verbreitet den Glauben. Das ist ein Modell des siebzehnten, achtzehnten, neunzehnten Jahrhunderts. Das war ursprünglich nicht so. Wer getauft war, war ein Missionar! Es ist ja sowieso ganz selbstverständlich.

Ich ersuche Sie, wenn es Ihnen möglich ist, sich nicht zu genieren, römisch-katholisch zu sein. Es ist auch überhaupt keine Schande, den Glauben zu verbreiten. Haben Sie irgendwas Gescheiteres anzubieten? Schauen Sie doch. Ein Wischiwaschi von "Wir werden die Welt in zwei Minuten in Ordnung gebracht haben." Das ist nicht schwer, so ein Feuerwerk zu entzünden. Aber wenn Sie einmal sechzig, siebzig Jahre gelebt haben und einiges an auf und ab und hin und her und menschlichen wahnhaften Gesamtzuständen wie den Nationalsozialismus oder jetzt z.B. die Atombombe in Indien und vielleicht in Pakistan anschauen, oder Ruanda oder Jugoslawien: Wir sind von Verrücktheit bedroht. Haben Sie etwas Gescheiteres als das milde Licht Jesu und der Offenbarung? Sie sind ein Land, das dem Hexenwahn im Mittelalter durch einen Bischof erfolgreich eineinhalb Jahre widerstanden hat. Es ist das das einzige, von dem bekannt ist, daß ein Bischof absolut auf der Bremse gestanden ist und nicht die Hexendekrete w ergegeben hat. Sie sind ein Land mit einer Widerstandstradition. Bitte betrachten Sie doch, wie Ihr großer Nikolaus Cusanus, ein großer Bischof und großer Philosoph, großgeworden ist. Einfach durch Gebrauch der Vernunft. Durch ganz klares Nachdenken und durch eine klare Sicht der Dinge.

So, wohin wollen Sie aufbrechen? Wohin sollen wir aufbrechen? Was paßt uns nicht an dem, was hinter uns liegt? Was ist denn zu machen? Werden alle Leute in die Kirche gehen? Wäre dann sowieso alles besser? Stimmt das? .... Man muß auf die Umstände achten. Die Umstände haben sich in den letzten hundert Jahren, wie Sie alle wissen, so rapid geändert, aber so rapid, daß wir eigentlich nicht einmal unseren Enkelkindern wirklich Auskunft geben können. Die lernen in der Schule Dinge, die die Großeltern nicht mehr können. Absolut nicht. Wer ein paar Nachhilfestunden zahlen muß, der merkt das am eigenen Leib, wie schnell das geht. Und so geht es in der Wirtschaft. Sie müssen nur denken, unsere Kinder setzen sich an den Computer und es läuft.

Und wir tun hin und her, ob man nicht doch am besten mit der Hand schreibt und am schönsten mit der Gänsefeder. Wir haben Mühe, die Raschheit anzunehmen. Wir können es vielleicht auch nicht. Aber eins ist klar. Wir sind in einer Situation, die es vorher niemals gab. Und deshalb auch paßt uns folgendes nicht:

Erstens: Wir sind drauf und dran, die Schöpfung gründlich zu ruinieren. Es könnte jetzt gelingen. Wir haben alle technischen Möglichkeiten dazu. Wer heute fromm sein will und nur einen Schimmer von der Bibel in sich hat und von der Botschaft Jesu und seiner Erleuchtung, der muß schauen, daß diese wunderbare Welt erhalten bleibt. Nicht nur weil wir sonst nichts zu essen haben, sondern auch weil sie schön ist! Es stimmt ja nicht, daß das alles zum Verwerfen da ist. Das ist eine glatte ideologische Lüge.

Zweiter Punkt: Wir gehören nach Europa. Wir sind nicht in Thailand oder Indonesien inkarniert. Wir sind hier zur Welt gekommen. Und Europa ist ein Land, das eine Erblast an Problemen hat, der wir uns stellen müssen. Das kann kein Papst und kein Bischof allein. Wir müssen mit den Frauen Frieden schließen! Warum Europa immer mit den Frauen ein Problem hatte und eine gewaltige Ablehnung daraus machte, das war, weil Europa von den Griechen die Ansicht bezogen hat, daß die Frauen zu "materiell" sind. Angeblich sieht man das auch an ihrem Äußeren. Sie sind so kurvig und was so kurvig ist, ist eben "materiell". Was nicht kurvig ist, ist ein männlicher Körper. Das sehen Sie an mir. Der ist schön, weil er rechteckig ist. Das können Sie lesen beim antiken Arzt Galen. Und diese ganze Tradition steckt in uns. Und das hat natürlich Folgen. Frauen kriegen Kinder. Man muß nur ein bißchen schmusen, schon sind Kinder da. Was ist die Folge von Kindern? Die Folge von Kindern ist, daß es noch mehr materielle Sachen gibt. Erstens brauchen sie mehr zu essen und zweitens müssen sie sterben. Im Altertum sind, damit fünf Kinder leben konnten, ungefähr fünfzehn zu gebären gewesen. Das muß man sich ausrechnen. Die meisten Begräbnisse waren Kinderbegräbnisse. Man kann verstehen: Wenn man gegen den Tod etwas hat, darf man keine Kinder kriegen! Wenn nichts geboren wird, dann wird auch nichts sterben! Das Altertum war fasziniert von der himmlischen Jungfräulichkeit! Endlich konnten die Frauen in die Klöster gehen oder Kirchenjungfrau werden und haben Frieden gehabt von der ewigen Gebärerei. Endlich mußten die Männer nicht ununterbrochen für die Kinder arbeiten - man konnte sie ja nicht einfach verhungern lassen - und wurden Mönche. Aber der Hintergrund dieser Idee ist einfach falsch. Denn: Was ist gegen Materie einzuwenden? Wenn dagegen jemand etwas hat, daß die ganze Welt existiert, dann müßte man Gott vor das Gericht ziehen. Und Europa hat etwas gegen die Materie. Die Strafe dafür ist, wir materialistisch geworden sind. Wir müssen dieses alte Land, diese üble Tradition verlassen. Wir haben sonst alles mitzunehmen, was nur so irgendwie geht. Und wir sind überreich. Ich nenne einmal ganz schnell vier Dinge: Das erste ist eine reichhaltige Wissenstradition. Wenn Sie das alles ernstnehmen würden, was allein Sie wissen, der Sie hier sitzen, dann könnte man schon zehn Bücher schreiben! Und wenn man das dann täte, dann käme eine unglaubliche Sache heraus. Aber es sind nicht nur Sie da. Es sind Bibliotheken da. Es sind Computer da. Es sind Netzwerke da. Es ist mühelos alles zu finden, daß man handeln kann. Aber Europa sitzt und denkt nach. Es macht eine Konferenz, eine andere Konferenz. (So auch in der Psychotherapie, das ist zu sehen. Da ist schon alles im Eimer, dann sagt der Vater: "Ich überlege mir das noch eine Zeitlang. Es ist eh eine so aufgeregte Zeit in der Firma!" Da sagt die Mutti: "Ich weiß nicht, wenn ich jetzt irgend etwas Konsequentes tue, vielleicht ist die Großmutter böse auf mich oder so irgend etwas.") Europa ist ein zögerlicher Kontinent und ganze Populationen von Europa glauben, daß Handeln schlechter ist als Nachdenken. Aber das, was wir Nachdenken nennen, ist eigentlich Vor- Sich-Hingrübeln und das ist überhaupt gar nichts. Wer grübelt, der weiß, daß er nicht weiterkommt. Wer wirklich nachdenkt, der kommt einmal weiter. Das ist also dieser eine Punkt.

Der nächste Punkt ist: Wenn Sie aufbrechen wollen, dann dürfen Sie sich nicht eine Erlaubnis holen von irgendwo. Das kann ihnen niemand erlauben. Wer soll erlauben, daß Sie aufbrechen? Sollen das die Politiker tun oder sollen das die Bischöfe oder die Pfarrer tun? Eigentlich sind die heilfroh, daß Sie aufbrechen, wenn Sie klug sind. Sie werden sich natürlich schrecken. Es ist ja auch klar: Wo Aufbruch, dort ein Durcheinander. Das sieht jeder Mensch, der eine Wanderung gemacht hat. Aber bitte, das ist ein Preis, der zu bezahlen ist. Bitte warten sie nicht auf irgendwelche Generalerlaubnisse! Es bedarf dieser nicht. Wer getauft ist und gefirmt ist, der hat das Wesentliche, was er braucht. Das wichtigste ist nicht das Priestertum in der katholischen Kirche, wenn sie die Glaubenslehre studieren. Das wichtigste ist die Taufe und die Firmung. Das ist die absolute Basis. Die Priester sind für Sie da, damit Sie bessere Christen sind, nicht Sie für die Priester, damit sie mehr Erfolg haben. Das ist die verkehrte Welt (Klatschen)

Dann der nächste Punkt ist: Bitte haben Sie keine Angst vor Vielfalt. Allein diese fünfzehn Fahnen der Verbände sind ein Vergnügen zu sehen. Und vielleicht gibt's in Wirklichkeit dreißig, wenn man alle zusammenzählt. Schauen Sie auf die Schmetterlinge oder was weiß ich, was Sie alles betrachten können. Irgend jemand, vielleicht Gott, liebt die Vielfalt. Und zwar so vielfältig, daß man sich überhaupt nicht fassen kann, wie vielfältig die Schöpfung ist. Da wollen Sie, da wollen wir marschieren, wie seinerzeit die SA oder SS Millionen in derselben Uniform? Das soll was Göttliches sein? Das kann nicht göttlich sein. Es muß vielfältig sein. Und was wir noch brauchen, ist, daß die Herzen zusammengehen, die sogenannte Konkordanz. Nicht daß alle immer dasselbe denken. Wissenschaftler, die die Kirchengeschichte untersucht haben, sagen uns, daß die Kirche so fruchtbar war in der Vergangenheit, das war, weil sie dauernd gestritten hat und so vielfältig war. Dadurch ist ununterbrochen was herausgekommen. Das finden sie schon im Neuen Testament. Da fuhr Paulus und stritt mit Petrus, nachdem er erst einmal vierzehn Jahre überhaupt nicht hingefahren ist zu Petrus, da hat Paulus mit Markus gestritten, weil er feig war und sich gedacht hat, lieber ein bißchen feig als sofort tot. Und so ähnlich und so ähnlich und so ähnlich. Das geht bis herauf. Das ist alles eine Komödie auf der einen Seite und eine Tragödie auf der anderen. Aber wenn Sie es mit den Augen Jesu anschauen, dann ist es ein berührender spiritueller Prozeß. Bitte brechen Sie auf. Wer schläft, sündigt nicht. Das ist vollkommen falsch. Wer schläft, sündigt sicher, wenn er zu lange schläft, weil er nämlich nichts tut, was er tun müßte - er oder sie.

Der dritte und der letzte wichtige Punkt ist folgender: Wenn Sie aufbrechen, so ist es nicht um ein Spektakel zu machen. Schauen Sie sich die Themen an, die Sie gesucht haben. Es ist doch schön, daß nicht irgendein Oberexperte diese Themen kurzerhand erfunden hat, sondern hier die fünfzehn Vereine in einem dreivierteljähriger Prozeß versucht haben, sie herauszufinden. Das hat doch eine Logik: Sollen wir uns Gott vorstellen und wie? Bringt denn das überhaupt noch etwas, wie unsere Ururgroßeltern dachten, ein beleidigter Donnerer, der jenen, die einmal fluchen seine Blitze nachschleudert und dann die Leute in der Hölle ewig quält? Das kann nicht stimmen. Und es stimmt auch nicht. Wir wissen, daß die Höllenphantasien zu 99,9% periodisch psychotherapeutisch relevante Projektionsvorgänge sind und das, was man so böse phantasiert, politisch wirksam wird. Manche Höllenphantasien von Heiligen oder Sehern die schauen genauso aus, wie die Beschreibungen von Auschwitz z.B., aber exakt. Auch die Hl. Birgit von Schweden z.B.. Gut, daß es nicht alle Leute wissen. Es sind eigentlich Krankheitsgeschichten. Es lassen sich die Protokolle der Kinder von Fatima nicht rechtfertigen. Das ist ein Krankheitsgeschehen. Hoffentlich haben sie es nicht genau gelesen. Der Vatikan war sehr klug. Der hat am Anfang Fatima verbieten wollen und hat interveniert, daß ja keine Eisenbahn dorthin gebaut wird. Und wie das nicht funktioniert hat, haben sie ein Dominikanernoviziat hingesetzt, damit es irgendwie auf gleich kommt. Großkirchen sind auch klug. Gefährlicher sind die kleinen Gruppen. Großkirchen balancieren die Fehler leichter aus und die Sackgassen. Kleinkirchen oder Basisgruppen neigen zum Fanatismus und dann bremst sie niemand mehr, weil die kleine Gruppe oft nicht mehr die Selbstregulation hat. Man träumt immer so: "Die kleine Gruppe, die bringt's." Aber sie ist um nichts besser als die große. Ich glaube sogar, daß die große irgendwie heilsamer ist. Das ist wiederum ein weiterer Grund sich nicht zu genieren, einer Großkirche anzugehören.

Der abschließende Punkt, der mir wichtig ist: Benützen Sie die Ergebnisse der modernen Humanwissenschaften. Es ist auch gleich, ob jemand ein Atheist ist oder was er immer ist, der das entwickelt hat: Psychotherapie, Soziologie usw. Die Humanwissenschaft ist im wesentlichen alles, was Beratung und Psychotherapie auch hat. Das ist ein wirklicher Reichtum und ich will sagen: Die Praxis ist wie ein moderner Exorzismus. Was in der Bibel Teufelsaustreibung heißt, das heißt heute unverfänglicher, aber mindestens so in derselben Wirkung, eine solide Psychotherapie oder eine solide Beratung oder natürlich auch eine solide seelsorgliche Beratung. Man kann als Christ in der heutigen Zeit schlecht leben und standhalten, wenn man nicht durch das Feuer dieser Reinigung durchgegangen ist. Das haben auch die alten Mönche und die Osterfahrung gewußt: Reinigung, Erleuchtung, Einigung heißen die drei Stufen des spirituellen Aufstiegsweges. Das kann in vielen Formen geschehen. Vielleicht sind nicht alle ideal und manche etwas schräg. Aber die 50 Prozent, die Sie oder die jeder von uns selbst einsetzt, die kommn zurück. Und bitte setzen Sie sich mit dem modernen postmodernen Agnostizismus auseinander. Volkstümlich: einfach übersetzt für uns, wenn es also heißt: ""Ich weiß nicht, was ich denken soll: alles ist möglich und alles ist unmöglich, in Wirklichkeit gehe ich am besten jetzt baden." Diese Einstellung ist wissenschaftlich natürlich viel klüger formuliert, als ich das jetzt sage, aber in der Substanz auch nicht anders. Bitte lassen sie sich nicht verleiten. Man soll auf jeden Fall baden gehen. Aber die vorausgehenden Sätze sind schlecht.

Und jetzt noch zu den Charismen: Christlich interpretiert ist das eine Versammlung von getauften Menschen mit Begabungen, die man anerkennen muß, weil sie von Gott stammen. Sie alle sind unterwegs zur Leibwerdung der Gesellschaft unter einem Namen: der geheimnisvolle Leib Christi, geheimnisvoll, weil ihn nicht jeder sieht. Die Evangelienstelle am Plakat, die Emmausjünger geben den Grund dafür bekannt: weil die Augen gehalten sind, weil wir nicht sehen oder zu wenig sehen. Lassen Sie sich doch vielleicht von dem milden Licht ihrer Inspiration leiten, die eine Inspiration des Himmels ist, wenn sie zu Liebe anregt, wenn sie nicht fanatisiert, wenn sie leicht überhörbar ist - das ist ein wichtiges Kriterium - wenn sie in den Ohren herumdonnert, ist meistens nicht allzuviel - das Leisere ist es normalerweise. Unterschätzen Sie das nicht. Werfen Sie es nicht weg! Horchen Sie darauf und schätzen wir das aneinander. Egal, wo Ihre Charismen sind, wenn Sie sie dort ernstnehmen - (Das sieht man wieder an den Fahnen so schön) - dann kommen Sie ins Zentrum. Da kann überhaupt nichts schiefgehen.

Und wenn dann die Kirche, und wenn wir alle von unseren Charismen Gebrauch machen und jeder das machen kann, wozu ihn Gott begabt hat, dann kann's nicht sein, daß diese wunderbare Welt einfach destruiert wird. Das kann nicht sein. Ich möchte ihnen also sagen, ich glaube an Glaube, Hoffnung, Liebe. Von diesen wichtigen Grundeinstellungen des Christen ist die Hoffnung im Augenblick das Wesentlichste. Ich wünsche ihnen alles Gute und Gottes Segen. Dankeschön." (Anhaltendes Klatschen)