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Talare

Wenn Religionsfreiheit herrscht, dann kann man religiöse Symbole nicht verbieten. Ein Verbot ist lediglich Ausdruck von Angst und Zeichen der Unfähigkeit, mit anderen Religionen umzugehen. Freilich, die Muslime sind mit ihrer Religiosität für uns eine Provokation. … Wir besinnen uns unserer christlichen Wurzeln nur aus politischer Propaganda, wenn die Gottlosen Gott in die europäische Verfassung packen wollen oder wenn es darum geht, die islamische Gefahr heraufzubeschwören. Klar, der Islam hat den Kampf schon gewonnen.

Freilich bin ich mir durchaus der Gefahren bewusst, ich weiß, dass Frauen unterdrückt werden. Es ist richtig andere Religionen zu respektieren, was aber diese Menschen nicht der Einhaltung unserer Gesetze entbindet. Man muss akzeptierte Regeln finden, sonst bilden sich gefährliche Ghettos. Wenn die Menschen unter uns leben, werden sie sich auch mit unserer Kultur auseinandersetzen und sich anpassen. 90 Prozent der jungen Musliminnen tragen in Bozen keinen Schleier, die Buben trinken Alkohol und rauchen, sie kämpfen in ihren Familien für ihre Individualfreiheiten, vor allem die Frauen.

Arnold Tribus, Tageszeitung, 9./10.10.2004, S. 2.


Priestermangel

Das Geschäft mit dem Priestermangel macht das DIUK. Je weniger Pfarrer, desto weniger brauchen sie zu zahlen und können das Geld für anderes verwenden.

Bei der Revision des Konkordates (abgeschlossen mit Mussolini, revidiert mit Craxi) wurde der Steuerfreibetrag von 0,8 Prozent eingeführt und gleichzeitig wurden die Pfründengüter eingezogen (gestohlen sage ich, weil es ein Rechtsbruch war) mit der Begründung, das sei notwendig für die Bezahlung der Priester. Davon wird aber nur ein Bruchteil für den Unterhalt des Klerus (die Bezeichnung ist bezeichnend) aufgewendet.

Wenn immer weniger Priester für die Seelsorge tätig sind, würde es umso mehr Hilfen brauchen. Pastoralassistent/inn/en könnten vieles tun. Aber die sollten nach dem Willen der Hierarchie zum Großteil von den Pfarreien bezahlt werden. Überall, wo ein Priester in der Seelsorge ausfällt, müsste ein Pastoralassistent eingesetzt und vom DIUK entlohnt werden. Das Geld aus den genannten Quellen ist ja vorhanden.

Wenn den Pfarrgemeinden an der Seelsorge etwas liegt, müssten die Pfarrgemeinderäte und andere kirchliche Gremien das vehement fordern. Und die jungen Theologen, die bereit sind, als Pastoralassistenten zu arbeiten, müssten sich dafür einsetzen. In der Kirche braucht es auch die Bereitschaft zum Kampf; vom guten Klima und von der guten Luft allein kann niemand leben.

Johann Oberhammer, Pfarrer in Taisten, Tageszeitung, 30./31.11.2004, S. 5.


Situation der Pfarrgemeinderäte

Wie sehen Sie die gegenwärtige Situation der Pfarrgemeinderäte?

Peter Schwienbacher: Das wird sehr unterschiedlich sein: Es gibt sehr lebendige Pfarrgemeinderäte, andere haben vielleicht noch Nachholbedarf. Grundsätzlich ist zu sagen, dass das Glaubensleben etwas lauer geworden ist, das wirkt sich auch auf die Pfarrgemeinden aus. Ich ziehe zwar nicht gern Vergleiche mit früher, trotzdem wird dieser Punkt schon zu berücksichtigen sein. Eine weitere Schwierigkeit ist, dass die Mitarbeit der Laien oft nicht in dem Maße anerkannt wird, wie sie es verdienen würde. Der Einsatz der Laien wird manchmal leider zu sehr als Folgeerscheinung des Priestermangels gesehen und dadurch abgewertet. Wenn wir weiter Mitarbeiter gewinnen wollen, müssen wir die Mitarbeit der Laien als eine Chance sehen, für die Laien selbst und für die Kirche.

Peter Schwienbacher, der neue Referent für die Pfarrgemeinden am
Bischöfl. Ordinariat, Kath. Sonntagsblatt, 10.10.2004, S. 11.


Zölibat freistellen

Toni Fiung: "Ich bin der Meinung, niemand soll gezwungen werden zu heiraten. Wir diskutieren die Freistellung des Pflichtzölibates. Dann muss jeder Mensch den eigenen Lebensweg oder die eigene Berufung spüren. Die Ehelosigkeit, als Berufung gelebt, wird bestimmt glücken. Wenn sie ein Zwang ist, wird sie missglücken. So ist es wohl auch in der Ehe.

Ich wünsche mir in der Diskussion um den Zölibat auch eine Diskussion rund um das Priesterbild. Es ist noch nicht so lange her, dass man sich irgendwie verabschiedet hat vom Hochwürden.

Es gibt keine Liebe zu den Menschen ohne Liebe zu Gott und umgekehrt. Ich denke, die Liebe zu Gott drückt sich letztlich in der Liebe zu den Menschen aus. Man darf absolut nicht das eine gegen das andere ausspielen.

Unsere Zeit braucht spirituelle Begleiter. Wie kann ich als Priester und da zähle ich mich auch dazu, so sein, dass ich Menschen begleite und dass sich die Menschen auch begleitet wissen und spüren.

Familienseelsorger Toni Fiung im Hörfunk der RAI
Sender Bozen vom 29.9.2004


Amtsenthebung endgültig

Der emeritierte Dogmatikprofessor aus Saarbrücken Gotthold Hasenhüttl ist am 4.12.2004 mit Dekret der Glaubenskongregation endgültig von seinem Amt als Priester suspendiert worden. Er hatte im Umfeld des l. Ökumenischen Kirchentages von 2003 in Berlin auch evangelische Christinnen und Christen zur Teilnahme an der Eucharistie eingeladen. „Ich kann im Sinn der biblischen Botschaft nicht begreifen, dass es eine ‚Straftat’ sein soll, evangelische Christen zum Herrenmahl einzuladen und dass dies einen ‚schwerwiegenden Missbrauch’ meines Amtes darstellt, den ich bereuen müsste“ erklärte Hasenhüttl. Damit würden evangelische Christinnen und Christen zu Gläubigen zweiter Klasse deklassiert und die Eucharistie als Abgrenzungsmittel gegen Nichtkatholiken festgeschrieben. Weitere Infos unter http:/www.hasenhuettl.de.vu.


Orden warnen vor anonymer Pastoral

Die Initiative „Forum der Orden“ hat Kritik daran geübt, dass viele Bistumsleitungen angesichts des Priestermangels und leerer Kassen immer größere und damit anonyme „Seelsorgeeinheiten“ planten, statt den Berufungen in den Gemeinden Beachtung zu schenken. In einem in Ludwigshafen veröffentlichten Brief des Forums an die Bischöfe heißt es, die weit verbreitete Entfremdung von der Kirche sei häufig eine Folge der anonymen Pastoral.

In vielen Gemeinden könnten Laien oder auch Ordenschristen als Seelsorger tätig sein. Wenn sie offiziell vom Bischof ernannt werden, werden sie mehr als nur „An-sprechpartner“, auch wenn sie den Priester nicht ersetzen könnten. Nach Auffassung des Forums hören die Bischöfe „die Schreie der Gemeinden wohl“, doch hätten die Ordensleute den Eindruck, dass die Bischöfe die Last eher wieder den Gemeinden aufbürden.

Der Brief fragt, ob es nicht an der Zeit sei, die Zulassungsbedingungen zum Priestertum oder das Kirchenrecht den Bedürfnissen der Zeit anzupassen.

St. Antoniusblatt, Nr. 11, 2004, S. 18 - 19.


Kapuziner-Disko: Jugend begeistert

Rockmusik statt Kirchenorgel: Eine Disko besonderer Art führen Kapuziner im süditalienischen Cosenza. Entsetzt über die große Zahl von Autounfällen am Samstag Nacht bieten sie auf dem Klostergelände eine saubere Alternative an: Alkohol, Drogen und Zigaretten sind in der „Franziskanischen Oase“ nicht erlaubt. In der Kloster-Disko finden 200 Jugendliche Platz. Wegen der großen Nachfrage muss in Kürze erweitert werden.

St. Antoniusblatt, Nr. 11 November 2004, S. 18.


Gegenseitige Anerkennung der Taufe

Die evangelische und die orthodoxe Kirche in Deutschland erkennen ab nun die jeweils in der anderen Kirche gespendete Taufe als gültig an. Obwohl zwischen beiden Kirchen noch keine Kirchengemeinschaft besteht, „betrachten wir unsere Gemeindemitglieder gegenseitig als getauft und lehnen es ab, im Fall eines Konfessionswechsels eine neue Taufe vorzunehmen.“

o.k. offene Kirche, November 2004, S. 7.


Kirche ist für Deutsche „unverzichtbar“

Die meisten Deutschen halten die Kirche in vielen Lebensbereichen weiterhin für unverzichtbar. So sehen 79 Prozent der Bundesbürger die Kirchen in der Seelsorge gefordert; 78 Prozent möchten nach eine Umfrage des Instituts polis, dass sich Christen weiterhin als Träger von sozialen Einrichtungen … engagieren. Befragt wurden 1000 Menschen über 14 Jahren. Auch beim Religionsunterricht sind die Kirchen weiterhin gefragt, meinen 67 Prozent der Befragten. 59 Prozent sehen die Kirchen bei der Vermittlung von Werten in der Pflicht. Beinahe jeder Zweite (49 Prozent) wünscht darüber hinaus, dass sich die Religionsgemeinschaften für soziale Gerechtigkeit einsetzen. … Vor allem ältere Bundesbürger fordern ein Engagement in vielen gesellschaftlichen Bereichen.

Dolomiten, 13./14.11.2004


Homosexualität keine Sünde

Der Bischof von Ivrea, Arrigo Miglio sprach sich in Antwort auf die Äußerungen des designierten und inzwischen zurückgetretenen Europakommissars Buttiglione deutlich dagegen aus, homosexuelle Tendenzen als Sünde zu bezeichnen. Es gehe vielmehr darum, sich für eine Kultur der Sexualität einzusetzen, die dem Projekt Gottes mit den Menschen entspreche. Es gebe keine unterschiedliche Ethik für Hetero- und Homosexuelle, schreibt der Bischof in der diözesanen Kirchenzeitung „Il risveglio popolare“ vom 19. November 2004.

Adista, 4.12.2004