Im Vertrauen - In confidenza - Cunfidenzielmënter

In diesem Buch haben über 300 Südtirolerinnen und Südtiroler ihre liebste Bibelstelle ausgewählt und einen persönlichen Kommentar dazu geschrieben. Es geht ihnen darum, die Bilder und Texte der Heiligen Schrift in die heutige Zeit, in den Alltag zu übertragen und zum Weiterdenken anzuregen.

Das Buch ist so unterschiedlich wie die Menschen, die sie verfasst haben. Die Beiträge geben Einblick in das Innere der Menschen. Sie stellen einen Vertrauensbeweis an die Leserinnen und Leser dar. Die Bibel vermag somit auch heute Fragen zu beantworten, Orientierung, Halt und Impulse zu geben. Die Auswahl der Autorinnen und Autoren ist breit gefächert: einfache unbekannte Menschen, wie auch verschiedene aus der Medienwelt, der Politik und der Wirtschaft, der Kunst und der Literatur. Natürlich fehlen Priester und Ordensleute nicht. Wer fehlt sind die Religionslehrerinnen und Religionslehrer (Laien). Hoffentlich ist dies nicht ein Zeichen für deren Stellenwert in der Diözese.

Robert Hochgruber


Der Herr ist barmherzig und gnädig, langmütig und reich an Güte. (Ps 103,8)

Viele Bibelstellen sind Ausdruck eines überaus großzügigen Verständnisses für die Sünden des Menschen. Da ist zum Beispiel der Vater, der dem verlorenen Sohn sämtliche Verfehlungen nachsieht und ihn mit Freuden wieder aufnimmt. Oder Jesus, der die Begegnung mit der stadtbekannten Sünderin Magdalena nicht ausschlägt.

Hier erfahren wir keinen rächenden Gott, sondern einen, der niemandem Trost, Gnade und Vergebung verwehrt. Weit strenger ist da die weltliche Institution, die Kirche, und zwar insbesondere mit einer Kategorie von Sündern, den Getrennten oder Geschiedenen. Dass eine Institution ohne rigorose Regeln nicht auskommt, liegt auf der Hand. Aber warum muss eine so große und ständig wachsende Zahl von Betroffenen (auch wenn man dies nicht wahrhaben will) wenn nicht ausgegrenzt, so doch mit dem Gefühl bestraft werden, nicht mehr zur Gemeinschaft zu gehören, indem man ihnen die Kommunion untersagt? Damit werden Menschen in der Öffentlichkeit gebrandmarkt - im Namen Gottes oder im Namen der Kirche?

Alle anderen noch so schweren Sünden können (abseits der Öffentlichkeit) im Beichtstuhl abgehandelt werden. Viele Getrennte oder Geschiedene (und folglich wahrscheinlich auch deren Kinder) leben hingegen in dem Bewusstsein, in der christl. Kirche nicht voll angenommen zu sein. Häufig beklagt die Kirche die leeren Bänke. Trägt sie nicht mitunter selber auch dazu bei?

Marlis Steinkasserer, Journalistin RAI Sender Bozen


… weil in der Herberge kein Platz für sie war. (Lk 2,7)

Und es begab sich, dass auch gestern wieder Tausende Afrikaner aufbrachen, um ein Schlepperschiff zu erreichen, das sie ins gelobte Schengenland bringen sollte. So wie der bescheidene und Gott ergebene Tischler Josef, der mit seinem ihm angetrauten Weib aufbrach, um sich aufschreiben zu lassen. Er folgte einem Befehl des Kaisers Augustus und machte sich auf den Weg, obwohl Maria, seine Frau, hochschwanger war, und das gar nicht von ihm, sondern wohl vom Heiligen Geist. Und als die Zeit der Niederkunft kam, wurden sie im Hotel abgewiesen. Wer nimmt denn schon ein so komisches Paar auf.

Auch unsere Passagiere aus Afrika kommen an, völlig erschöpft und ausgehungert, einige als reglose Gestalten. Tot. Abertausende warten noch auf die Reise in die Freiheit und ins Glück. Sie wollen dem Bürgerkrieg entfliehen, der Hungersnot, dem Elend, den Chaosmächten, die in ihren Staaten herrschen. Sie werden unterwegs ausgeraubt, erschlagen, viele verdursten in der großen Wüste. Aber das schreckt diese Menschen nicht ab. Sie haben nichts zu verlieren, die Verdammten dieser Erde, denn jenseits des Meeres liegt eine bessere Welt. Jedes Elend ist besser als Hunger und Hoffnungslosigkeit. Vom Schicksal, das zahllosen Flüchtlingen widerfährt, ahnen sie nichts. Einmal angekommen, müssen viele die bittere Erfahrung machen, dass die Türen verschlossen bleiben ...weil in der Herberge kein Platz für sie ist.

Arnold Tribus, Herausgeber Neue Südt. Tageszeitung