Zukunft
Nachhaltigkeit hat viele Gesichter
Nachhaltigkeit ist ein zu wichtiges Thema, als dass man es isoliert betrachten könnte. Das haben elf verschiedene Südtiroler Organisationen (u.a. der Dachverband für Natur- und Umweltschutz, der Heimatpflegeverband, der deutsche und italienische Alpenverein, die Verbraucherzentrale, die Schützen, der KVW und auch die Initiativgruppe für eine lebendigere Kirche) eindrucksvoll bewiesen, als sie gemeinsam mehr Nachhaltigkeit forderten. Der Begriff Nachhaltigkeit stammt aus der Forstwirtschaft und bedeutet, ein Waldgebiet so zu nutzen, dass seine Erneuerung und sein Fortbestand gewährleistet sind. Diese Grundidee ist auch auf alle anderen Lebensbereiche anwendbar. Die Zugänge der einzelnen Verbände zu mehr Nachhaltigkeit sind so unterschiedlich wie die Verbände selbst: maßvoll konsumieren, Energie sparen, Frieden fördern, Heimat schützen oder pflegen, solidarisch sein - das sind verschiedene Wege, die aber alle ein Ziel haben, nämlich zu mehr Nachhaltigkeit zu gelangen.
Als nächster Schritt soll nun der Dialog mit Verwaltung, Politik und Wirtschaft gesucht werden. Denn Nachhaltigkeit können wir nur erreichen, wenn alle zusammenarbeiten - zum gemeinsamen Nutzen aller Beteiligten. Dazu wurde die Forderung nach einem Rat für Nachhaltigkeit laut.
Den Anstoß zur Nachhaltigkeits-Diskussion gab ein ausführliches Dokument von Konrad Stockner, das auch im Internet unter www.umwelt.bz.it verfügbar ist.
Naturschutzblatt, 2 und 3/2004, S. 16
Zivilisation der Nachhaltigkeit
Der österreichische Ex-Vizekanzler Riegler hat sich für einen Umstieg von der Politik des Raubbaues hin zur Zivilisation der Nachhaltigkeit ausgesprochen. Die Politik solle global agieren und klare Spielregeln für die Wirtschaft erarbeiten. Ein globaler Marshall-Plan für ökosoziale Marktwirtschaft soll initiiert werden, der Sicherheit, Frieden und Wohlstand für alle Welt schafft. Weltweit werden nur rund 60 Milliarden Dollar für Entwicklungshilfe aufgebracht, doch allein die Zinsenzahlungen der Entwicklungsländer an die reichen Industriestaaten betragen 160 Milliarden. Für Rüstung werden weltweit 950 Milliarden ausgegeben, allein die USA investieren 400 Milliarden dafür.
o.k. offene Kirche, November 2004, S. 1.
Pastoraltheologe Alois Gurndin spricht sich für einen offenen Umgang mit Thema Missbrauch durch Geistliche aus.
In Österreich gibt es in acht Diözesen Ombudsstellen (Kirchenvolksanwaltschaften A.d.R.) für Opfer und Zeugen von sexuellem Missbrauch durch kirchliche Mitarbeiter. Alois Gurndin, Professor an der Hochschule in Brixen, spricht sich für ein Beratungszentrum auch in Südtirol aus: „Auf alle Fälle würde ich eine solche Einrichtung begrüßen. Die Leitung sollte jedoch nicht der Kirche direkt unterstellt sein, damit die Unabhängigkeit gewährleistet bleibt und nicht der Verdacht entsteht, dass etwas vertuscht wird, wie dies in der Vergangenheit oft der Fall war.“ Derzeit stehe ein Priester unter Verdacht des sexuellen Missbrauchs, so Gurndin.
Der Vorsitzende der „Kom-mission gegen die Ausübung von Missbrauch und Gewalt durch kirchliche Verantwortliche“ in Innsbruck, Hans Tauscher, sieht die Hauptaufgabe in der „Klärung der Anschuldigungen“. Teilweise melden die Angehörigen den Missbrauch, meist aber die Betroffenen selbst - häufig erst nach Jahrzehnten. Dadurch werde die Aufklärung und Verhinderung weiterer Missbrauchsfälle erschwert.
mb, Südtirol 24h, 9.9.2004