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Ein
Brief, nicht nur für Robert |
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Lieber Robert, |
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eine
erfreuliche Nachricht! Die Medien haben kaum darüber berichtet, aber es
ist wirklich etwas Besonderes geschehen und es bringt uns unserem Anliegen
doch ein schönes Stück näher: am 14. August ist das Landesgesetz zum
„Satzungsreferendum“ in Kraft getreten, und damit haben wir, hat die
Bevölkerung Südtirols, nun ein kleines Steuerungsinstrument in der Hand:
wir haben die Möglichkeit, ein eventuelles Landesgesetz zur direkten
Demokratie in einer Volksabstimmung, sogar ohne Quorum, abzulehnen. Es
ist noch offen, ob der Landtag überhaupt im Sinn hat, ein Gesetz zu den
Instrumenten direkter Demokratie, wie im reformierten Autonomiestatut
vorgesehen, zu beschließen; also in erster Linie zu den Regelungen zu
„Referendum“ und „Initiative“: die Bevölkerung kann über die
Einführung neuer Landesgesetze abstimmen bzw. die Bevölkerung kann
selbst in Form einer Initiative Gesetzesentwürfe einbringen und darüber
in einer Volksabstimmung entscheiden. Unschwer sich vorzustellen, was
solche Instrumente für Organisationen wie den Heimatpflegeverband, die
Gewerkschaften, die Umweltverbände und viele andere bedeuten! Jedenfalls,
sollte dieses Gesetz der Bevölkerung missfallen, weil die darin
definierten Regelungen zur Anwendung der Direkten Demokratie nicht so
aussehen, wie sie es sich wünscht, dann können die Bürgerinnen und Bürger
innerhalb von 3 Monaten etwa 7.500 Unterschriften sammeln und dann in
einer Volksabstimmung darüber entscheiden, ob das Gesetz in Kraft treten
soll oder nicht. Manchmal,
wenn ich in meiner Begeisterung im Bekanntenkreis von dieser Neuerung erzähle,
wirft man ein wenig erstaunt ein: Aber warum um alles in der Welt sollte
die Bevölkerung Südtirols eine Regelung, welche diese langersehnten Möglichkeiten
einführt, in einer Volksabstimmung ablehnen? Sollte man sich nicht eher
freuen über diesen Fortschritt? – Aber es geht eben nicht nur grundsätzlich
um die Einführung der direkten Demokratie, sondern darum, wie sie
aussieht, ob sie fair und überhaupt anwendbar ist oder ob es bloß hübsche
Worte auf einem Blatt Papier bleiben. Ich
persönlich finde den Gesetzentwurf der Initiative für mehr Demokratie
diesbezüglich sehr ausgefeilt und wohlüberlegt, und es ist ihm
anzusehen, dass er in mehrjähriger Arbeit und unter Zuhilfenahme von
in- und ausländischen Ratgebern zustande gekommen ist. Hast Du ihn Dir
einmal im Internet angesehen, unter...? Aber ich vermute, Du liest
anstelle des „trockenen Gesetzestextes“ lieber vorher seine
inhaltliche Beschreibung in der ersten Ausgabe von „Demokratie Direkt“
(an dieser Stelle übrigens nochmals herzlichen Dank für Deinen
freundlichen Textbeitrag). Wir arbeiten bereits an der zweiten Ausgabe der
Zeitung und hoffen, noch recht viel Zuspruch und finanzielle Unterstützung
(durch Abos und Spenden) zu erhalten, damit unsere Informationstätigkeit
weitergeführt werden kann. Es
ist von großer Bedeutung, dass die Feinheiten wie die Garantieklauseln
gut erläutert werden, – darum auch meine dringende Bitte an Dich, die
Zeitung an recht viele Menschen weiterzugeben - denn wenn wir tatsächlich
eines Tages dank Satzungsreferendum in einer Volksabstimmung vor der Frage
stehen: Soll der Entwurf des Landtags zur Direkten Demokratie in
Kraft treten oder nicht?, dann müssen wir – ich meine wir Bürgerinnen
und Bürger – sehr wohl Bescheid darüber wissen, um was es geht, und
nach welchen Kriterien wir überhaupt urteilen können, ob der
Gesetzentwurf gut oder nicht gut ist. |
Bevor
man einem vorgeschlagenen Menü im Restaurant zustimmt, ist es wohl auch
nur vernünftig, genau zu lesen, was da angeboten wird, und zu überlegen,
ob die Speisen, je nach Zutaten und Zubereitungsart, einem wohl munden
werden, oder ob sie womöglich die Verdauung überanstrengen oder gar,
Schreck lass nach, eine allergische Reaktion hervorrufen könnten... In
diesem Fall ist es nur natürlich, eine Abänderung des vorgeschlagenen
Menüs zu fordern, nicht wahr? Also zuerst: nein danke zu diesem Menü,
und zweitens: einen eigenen Vorschlag vorbringen. Was
unsere Demokratie betrifft ist es tatsächlich nicht um gar so Vieles
schwieriger als im Restaurant: mit dem neuen Satzungsreferendum „nein“
sagen; obwohl es natürlich durchaus auch sein kann, dass es dazu gar
nicht kommt, weil der Landtag ganz einfach kein Gesetz dazu verabschiedet.
Und um selbst das, was man für das Beste hält, vorzuschlagen, gibt es glücklicherweise
das Instrument des Volksbegehrens, mit dem wir Bürgerinnen und Bürger
dem Landtag unseren eigenen Gesetzentwurf vorlegen wollen. Ich
kann Dir sagen, dass ich mich schon jetzt sehr auf diese Zeit freue, vor
allem auf die dadurch entfachte Diskussion in der Gesellschaft: wenn nämlich
die Menschen - nicht mehr nur politikverdrossen im Hinterstübl beim Bier
– sich über die Regelungen der Demokratie unterhalten, wenn Meinungen
und Gegenmeinungen wachsen und sich gegenseitig befruchten, wenn also
Demokratie zum öffentlichen Thema wird. Anders als es jetzt noch ist, wo
man doch schon beim bloßen Hören des Wortes die Augen verdreht. Es ist
traurig, dass das Wort Demokratie kaum einen Wert hat, ja eigentlich bloß
in den Mund genommen wird um die Un-Demokratie Südtirols zu beklagen.
Dabei ist Demokratie ein geradezu biologisches menschliches Bedürfnis,
das Bedürfnis nach Mitgestaltung, nach verbindlicher Mitsprache,
nach Gemeinsamkeit, nach Lösungsfindung durch Nichtgewalt...! Bis
dahin dauert es noch ein Weile, das Volksbegehren soll ja erst im Frühling
2003 starten. Allerdings muss die Information jetzt schon stattfinden, die
Menschen sollen erfahren, dass eine Chance für die Neugestaltung der
Demokratie in Südtirol jetzt vorhanden ist, wenn alle es wollen, und sie
sollen eingeladen werden zum Mitdenken, Mitreden, Mitmachen! Darum, lieber
Robert, wenn Du jemanden kennst, der sich für dieses Thema begeistern
kann, dann gib ihm doch die Adresse der Initiative für mehr Demokratie:
Bozen, Silbergasse 15, Tel. 0471-324987. Dort kann jeder Interessierte die
Zeitung und anderes Informationsmaterial erhalten und natürlich auch ganz
konkret mitmachen. In
der Zwischenzeit grüße ich Dich ganz herzlich und wünsche Dir eine
feine Zeit. Sybille Sybille
Kramer Tezzele aus Montan |