Freiwilliger
Zölibat - befreite Seelsorge/r
Ein
brisantes Thema bei der Vollversammlung der Initiativgruppe
Zölibat
und Seelsorge standen im
Mittelpunkt des
Podiumsgespräches, welches im Rahmen der heurigen Vollversammlung
unserer Initiativgruppe stattfand, die
am 24. Mai dieses Jahres im Bozner Pfarrsaal tagte. Unter den geladenen Gästen
befanden sich auch
die evangelischen Pfarrer unserer Diözese, Hans Reimer und
Sebastian Zebe, sowie Frau Gotlind Hammerer als Vertreterin der österreichischen
Plattform, die vorweg den Werdegang des Herdenbriefes: „Zölibat – so
nicht!“ in ihrer Heimat erläuterte (zahlreiche ausschließlich positive
Reaktionen und das Übliche: die Kirchenleitung schweigt). Betroffene im
wahrsten Sinne des Wortes kamen nun zu Wort.
Auf
bewegende Weise schilderte Alfons Messner seine Berufungsgeschichte und sein
Ringen, bis er der Stimme seines Herzens folgte und nun glücklich eine Familie
sein eigen nennen kann. Er betonte auch seine Bereitschaft, eine Pfarrei zu übernehmen,
denn ein Priester bleibe Priester, und er habe sich auch nicht laisieren lassen.
Frau Emma Stecher aus Prad drückte ihre Solidarität mit den heimlichen
Priesterfrauen aus und ihr Mitgefühl mit den Priesterkindern. Sie unterstrich,
dass verdrängte Sexualität häufig in Perversion umschlage und so auch
Priester zu Opfern werden könnten. Da sei eine Geliebte viel besser. Viel Unglück
bereite der Zölibat auch den Frauen, die ihre große „Priesterliebe“
aufgeben würden und jemand anderen heirateten.
Als
nächste sprach Frau Annelies Messner, Bäuerin aus Brixen, die auf eine rege
Zusammenarbeit mit vielen Priestern zurückblicken kann. Vom Begräbnis des
ermordeten Missionars Luis Lintner bewegt, besonders von der Schlichtheit der
Grabrede der Mitarbeiterin Pina, hob sie den Gegensatz zwischen einer Sprache
der Macht und der Sprache der
Pina hervor. Priester sollten befreite Seelsorger sein, und als befreiten
Seelsorger habe sie besonders den evangelischen Pfarrer Zebe erlebt. Heute hätten
die Priester im allgemeinen mehr Kontakt zu Frauen, und es herrsche zudem ein
anderes Priesterbild.
Pfarrer
Zebe hinterfragte nun charmant und locker, was es mit dem
Charisma „Zölibat“ auf sich habe. Für ihn sei das Charisma
eines „guten Vaters“ weitaus größer, das des Zölibates unverständlich.
„Wir sind alle Priester, nur ohne Amt“ so eine Aussage von ihm. Vorrangig
sei in jedem Falle die Authentizität. Pfarrer Hans Reimer stellte die Ehe als
normal und gottgewollt dar; die Präsenz der Frau entspräche der
gesellschaftlichen Norm. Nun kam Herr Karl Waibl, ein verheirateter Priester, zu
Wort und berichtete von den verschiedenen Reaktionen auf seine Laisierung. Die
kirchliche Obrigkeit sei ihm sachlich begegnet, seine eigene Familie habe ihm
viel Verständnis entgegengebracht. Er habe dann seinen Herkunftsort verlassen
und praktisch 10 Jahre lang „unerkannt“
in der neuen Pfarrgemeinde gelebt. Inzwischen sei er selbst Mitglied des
Pfarrgemeinderates, und dass die Zeiten sich einfach ändern, sei auch daran zu
erkennen, dass seiner
Ansicht nach eine Aufhebung des Pflichtzölibates in den Pfarreien keine
Probleme aufwerfen würde.
Pater
Albuin Baumgartner betonte,
dass der Weg mit Jesus in die Freiheit führe. Warum also auf Repressalien zurückgreifen?
Sein Aufruf war: „Macht euch frei von der Kirche, da, wo sie Macht ausübt!“
In
der nun anschließenden freien Diskussion, die ebenso wie das vorhergehende
Podiumsgespräch von einer freundschaftlichen, ja, geradezu herzlichen Atmosphäre
geprägt war, kamen noch einige andere Aspekte des Problems „Pflichtzölibat“
zur Sprache, die auch in den Erfahrungsberichten des Herdenbriefes immer wieder
durchbrechen: die Gewissenskonflikte der Betroffenen aufgrund der erzwungenen
Heuchelei; der Schmerz, das christliche Ideal der Wahrhaftigkeit nicht nach
besten Kräften leben zu können, die ständige Heimlichtuerei; die mangelnde
Solidarisierung der Betroffenen untereinander, die sich nicht wehren, möglicherweise
nicht einmal voneinander wissen, nicht miteinander kommunizieren; der mangelnde
Priesternachwuchs stark bedingt aufgrund der Zölibatspflicht; die Frage nach
der Menschenwürde... Um effizient beistehen zu können, wurde die Einrichtung
eines Hilfsfonds vorgeschlagen. Der Pflichtzölibat hat ebenso wie die
Nichtzulassung der Frauen zu Weiheämtern
einen wesentlichen Teil der Liebe Gottes einfach weggeschnitten,
amputiert. Hoffen wir, dass bald grundlegende Schritte zu einer Änderung
stattfinden! Vor allem, reden wir miteinander!
Annegret Steck