Jetzt
muss Rom doch diskutieren
Nachgefragt
bei dem Theologen Peter Eicher. Der aus der Schweiz stammende
verheiratete Theologe ist Professor für Katholische Theologie
an der Universität Paderborn.
| Publik-Forum: Rom reagiert scharf auf die Priesterinnenweihe. Die Glaubenskongregation forderte reumütige Umkehr bis 22. Juli. Sonst erfolge Exkommunikation, also Ausschluss aus der Kirchengemeinschaft. Gibt es denn auch etwas Gutes an der Vatikan-Reaktion? | Peter Eicher: Es scheint, dass in Rom Zweifel besteht, ob die Weihegewalt nicht doch den Frauen übertragen worden ist. Rom erscheint diese Weihe zwar »verboten«, aber »dennoch wirksam«. Und da kommt das römische Kirchenrecht ins Spiel: »Einen Entzug der Weihegewalt kann es nicht geben.« Das heißt, in Rom besteht keine volle Klarheit darüber, ob nicht doch Menschen geweiht werden sollen und nicht nur Männer. Sehr gut ist, dass Rom prinzipiell durch die Fristsetzung anerkannt hat, dass überhaupt diskutiert werden muss. Außerordentlich zu bedauern ist, dass diese Frist nicht zwei Jahre betrug, sondern im Grunde genommen nur zwei, drei Wochen. | ![]() |
| Publik-Forum: Für die reuige Abbitte? | Peter Eicher: Eine Frist soll eigentlich ermöglichen, dass alle theologischen Fakultäten der Welt und alle Synoden, so wie das in der katholischen Tradition vorgesehen ist, gründlich beraten, was eine Situation erfordert, in der hoch verantwortliche Frauen vor Gott und den Menschen ihre Berufung wahrnehmen. | |
| Publik-Forum: Was steht zur Debatte? | Peter Eicher: Die Festlegung des Papstes im Schreiben Mulieris Dignitatem »Über die Würde der Frau« und die Erklärung Inter insigniores der Kongregation für die Glaubenslehre, dass nur Männer Zugang zum Priesteramt haben. Das hierüber von Rom offiziell verhängte Diskussionsverbot hat Rom nun selber aufgehoben. Dies ist erfreulich! | |
| Publik Forum: Was ist schlecht an der Reaktionsweise Roms? | Peter Eicher: Rom verkennt, dass Exkommunikation heute Einschließung der Ausgeschlossenen in alle Medien, alle Köpfe, ja, ich glaube, in alle Herzen bedeutet. Exkommunikation heißt nämlich, dass jemand an einem bestimmten Ort nicht mehr tätig sein und sich dort nicht mehr aufhalten darf. Wird heute eine Exkommunikation ausgesprochen, dann sorgen die Medien dafür, dass der oder die davon Betroffene an jedem Ort, in jedem Kopf und Herzen gegenwärtig sind. So verhält es sich mit den sieben Frauen, die jüngst ordiniert wurden: Sie sind jetzt im Zentrum der Gemeinden. Dies macht Hoffnung. - Ironisch gesprochen: Roms Exkommunikation ist zu begrüßen, denn nun sind die Frauen - für Rom - satisfaktionsfähig. Vorher wurde ihr Anliegen in Rom nicht einmal wahrgenommen. | |
| Publik-Forum: Konflikte im Umfeld der Priesterinnenweihe zeigen, dass kirchenreformerische Bewegungen insbesondere in Österreich, aber auch in Deutschland und den USA, in Sachen Priesterinnen gespalten sind. Wie, meinen Sie, ist mit den neu geweihten Priesterinnen umzugehen? | Peter Eicher: Nun müssen Frauen sich nicht mehr rechtfertigen, wenn sie sich weihen lassen. Die Rechtfertigungspflicht kehrt sich um. Männer, die ein ausschließlich Männern reserviertes Priesteramt anstreben, geraten in Legitimationsnöte. - Wir brauchen Priesterinnen und Priester in den Gemeinden. Frauen sind oft sensibler, begabter für Liturgie und Seelsorge. Wir können nicht auf sie verzichten. Es haben sich diejenigen Männer vor Gott, der Welt und der katholischen Kirche zu rechtfertigen, die Frauen am Priestersein hindern - und nicht Frauen, die sich weihen lassen. Um so mehr, als Jesus von Nazaret ein sakrales Priestertum ohnehin überflüssig gemacht und es durch die priesterliche Würde aller Menschen aufgehoben hat. - Und da danke ich insbesondere der Neupriesterin Ida Raming, weil sie ihr ganzes Theologenleben der Frauenpriesterfrage gewidmet hat. | |
| Publik-Forum: Wer wird in der real existierenden katholischen Weltkirche Priesterinnen durchsetzen ? | Peter Eicher: Es gibt in den Kirchen der Dritten Welt de facto die Priesterinnen längst. In unzähligen Gemeinden leiten Frauen die Seelsorge und Gemeindearbeit. Die Frauen selbst werden - nach theologischen und traditionspolitischen Abwehrgefechten - das Priesterinnenamt durchsetzen. | |
Thomas
Seiterich-Kreuzkamp
Im
8. Jahrhundert hat Papst Zacharias den Genuss von Hasenfleisch verboten, weil es
sinnlich mache. Im 20. Jahrhundert hat unser jetziger Papst verboten, über die
Frauenweihe auch nur zu reden. Genützt haben beide Verbote nichts, im
Gegenteil: Hasenfleisch wird noch immer gegessen und über Priesterinnen trauen
sich sogar Bischöfe laut nachzudenken. Angeblich gibt es sogar mehrere, die
sich bereit erklärt haben, Frauen zu weihen! Ich glaube das nicht!
Denn
wenn ein Papst etwas verboten hat, dann muss es verboten bleiben und jede und
jeder wird (hoffentlich) exkommuniziert, wenn er es trotzdem tut. Im Falle von
Hasenfleisch-Essen ist es besonders schlimm, denn da gibt es in Österreich
Millionen, die schon exkommuniziert sind, ohne dass sie es wissen. Aber
vielleicht ist das doch nicht
so schlimm, sondern weise Voraussicht? Denn wenn es Millionen weniger
Katholiken gibt, brauchen wir auch nur wenige Priester.
Dann
genügt es, zwölf jüdische Männer zu berufen - Zwölf, jüdisch und männlich
- so ist es doch von der Bibel her festgelegt??
Frau
Strudel,
in: O.K., Offene Kirche St. Pölten, 3 / März 2002