“Ein Papst wird sich dafür entschuldigen müssen”

Klara Rieder, Tertiarschwester in Bozen in zwei Zeitungsinterviews

Kath. Sonntagsblatt: Ist die Frau nach Ihrer Meinung in der Kirche benachteiligt? Klara Rieder, Tertiarschwester: Ja. In den letzten Jahren hat sich zwar manches etwas gebessert, z. B. bemühen sich manche um eine frauengerechte Sprache in der Kirche, obwohl es auch da mehr Nachdruck und Konsequenz bräuchte. Was mich aber ärgert und wundert: Der Frau wird immer noch das Recht auf die sakramentale Weihe verweigert, obwohl natürlich alle zugeben müssen, dass Frauen gleichwertige Menschen sind. Eben weil es sich da um ein Menschenrecht handelt, wird man sich kaum länger auf die Tradition berufen können.
Kath. Sonntagsblatt: Warum setzen Sie sich als Ordensfrau dafür ein? Klara Rieder, Tertiarschwester: Ich selbst wollte zwar nicht Priesterin werden, ich kenne aber viele Frauen, die sich danach sehnen. Es ist - meines Erachtens - Aufgabe von Ordensmitgliedern, aktuelle Fragen in der Kirche aufzugreifen; vor allem sie müssen sensibel sein für die Probleme der Gegenwart und diese ins Gespräch bringen; wer denn sonst? Zugegeben, Frauen die sakramentale Weihe zuzugestehen, wäre ein mutiger Schritt, aber es würde sich zum Wohle der Kirche und auch der Seelsorge auszahlen, diesen Schritt zu wagen. Zwar handelt es sich um eine Angelegenheit der Gesamtkirche, aber es ist wichtig, jetzt schon Bewusstseinsbildung zu machen und darüber zu reden.
Klara Rieder betont noch, dass es ihr um die Zukunft der Seelsorge gehe, um die Entlastung der Priester und darum, die Zeichen der Zeit zu erkennen und das vorhandene Potential an Berufungen zu nutzen.

Kath. Sonntagsblatt, 10.11.2002, S. 4.

 

Tageszeitung: Sr. Klara, hat der Vatikan im Fall der sieben Priesterinnen richtig entschieden? Klara Rieder: Das möchte ich gar nicht beurteilen. Mir kommt es nämlich sowieso komisch vor, dass heutzutage noch exkommuniziert wird. In der Bibel steht eigentlich: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid“ und „Gott freut sich mehr über einen Sünder als über 100 Gerechte“. Deshalb scheint mir diese Vorgangsweise eine absolut veraltete Methode zu sein. Ich wundere mich auch, dass sich Leute anmaßen, andere Menschen aus der Kirche auszuschließen.
Tageszeitung: Was hätte man stattdessen tun können? Klara Rieder: Sie anerkennen oder selber vielleicht einmal nachdenken, warum diese Frauen solch einen drastischen Schritt getan haben. Dann wäre man vielleicht auf die Idee gekommen, dass es längst überfällig wäre, die Frauen als gleichberechtigte Menschen zur Priesterweihe zuzulassen. Oder zumindest, sie nicht zu exkommunizieren. Ich bin sicher, dass sich in ein paar Jahrhunderten irgendein Papst für diesen Schritt bei den Frauen wird entschuldigen müssen.

Tageszeitung, 7.8.2002, S. 2

 

Internationale Theologenkommission lehnt Frauendiakonat ab

Der Generalsekretär der Internationalen Theologischen Kommission, P. Georges Cottier OP, wies zwar darauf hin, dass sich die Kommission nicht lehramtlich verbindlich äußern könne, doch tendiere man dazu, die Möglichkeit des Frauendiakonats auszuschließen. Die Diakonissen der Urkirche können nicht mit dem heutigen Diakonat gleichgesetzt werden, weil sowohl der Einsetzungsritus als auch der Aufgabenbereich differieren.

o.k. offene Kirche, 11 / November 2002

Sie verlieren den Kampf gegen die Frauen

Publik-Forum: Glauben Sie, Herr Küng, dass es in absehbarer Zeit Frauen in katholischen Weiheämtern geben wird?

Hans Küng: Ich sage: "Lasst uns hoffen gegen alle Hoffnung! Kirche lebt von unten. "Die da oben" werden den Kampf gegen die Gleichberechtigung der Frau ebenso verlieren wie gegen die "Hexen", die Demokratie und die Menschenrechte. Dafür sorgen die Frauen schon selbst.

Wir sind Priesterinnen
Buch zur Weihe der Frauen 2002

In diesem Buch stellen die Frauen ihre persönliche Berufungsgeschichte und die Beweggründe für ihr Handeln dar. Die weihenden Bischöfe erläutern ihre Motivation. Ferner kommen kirchliche Basisbewegungen (u.a. auch die Initiativgruppe) und theologische Stimmen zu Wort.

Ertel Werner, Forster Gisela (Hg.), "Wir sind Priesterinnen" aus aktuellem Anlass, Die Weihe von Frauen 2002, Patmos, 2002

 

Frage der Menschenwürde

Und Gott erschuf den Menschen, ... der Mensch erkannte sich als Mann und Frau. ... Die Frage, ob in der katholischen Kirche, der ich mich freue anzugehören, Frauen die Priesterweihe empfangen sollten, ist für mich eine Frage, die wesentlich mit der Anerkennung von Menschenwürde und Menschenrecht zu tun hat. Man kann nicht als Vatikan in der UNO-Vollversammlung für diese Inhalte eintreten, ohne sie im eigenen Zuständigkeitsbereich konsequent umzusetzen. Diese Inhalte sind zu zentral, als dass sie der Spitzfindigkeit kirchenrechtlicher Interpretationen ausgeliefert werden können. Frau und Mann bilden zusammen den Menschen. Beide sind nach meinem Verständnis von Kirche gleichermaßen zur Verkündigung der Liebesbotschaft Jesu aufgerufen und berechtigt. Persönlich wünsche ich mir in nicht ferner Zukunft eine Päpstin. Abgesehen davon, dass Wiedergutmachung für das absurde Unrecht ansteht, das unsere Männerkirche den Christinnen (und nicht nur diesen) im Laufe der Geschichte angetan hat, liegt es im Interesse der Kirche und der Männer, wenn mehr lebensorientierte (typischer für Frauen) und weniger macht- und erfolgsorientierte (typischer für Männer) Wertvorstellungen die Zukunft mitgestalten.

Diesen engagierten Katholikinnen, die sich weihen ließen, danke ich für ihren Einsatz.

Karl Trojer, Terlan