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Dekan Albert Schönthaler

“Ich glaube, es sollte jedem Priester freigestellt sein, ob er im Zölibat sich vollständig Gott hingeben oder ob er eine Familie haben möchte.

Wenn wir die Eucharistiefeier, die Beichte, die Gottesdienste usw. aufrechterhalten möchten, sollten wir dafür sorgen, dass dafür genügend Priester da sind.

Ich glaube, dass in der heutigen Zeit die Familie auch für die Männer immer wichtiger wird, und es ist auch verständlich, dass sich junge Männer schwer tun, sich für ein Leben im Zölibat zu entscheiden.

Ich glaube aber, dass der Grund für den Priestermangel eher die heutige Spaßgesellschaft und der Materialismus und die Gottesfrage bzw. die Glaubenskrise sind.”

Burgg. Allg. Zeitschrift, 14.9.02, S.6.

Die brasilianischen Bischöfe

erhielten beim Ad-limina -Besuch in Rom heftige Kritik. Es mangle ihnen an Respekt vor der kirchlichen Hierarchie und an der Unterscheidung zwischen Priestern und Laien. Die Laien - Predigt sowie das gemeinsame Sprechen des eucharistischen Hochgebets mit der Gemeinde seien nur zwei Punkte von Missbräuchen, die auf theologische Irrtümern über das Wesen der Liturgie und die Natur des Priestertums beruhen. Außerdem werde nicht beachtet, dass Laien und ehemalige Geistliche nach dem Kirchenrecht kein Stimmrecht in den Priesterräten haben und die Pastoralräte lediglich eine beratende Funktion ausüben sollen, was ebenfalls häufig ignoriert werde. Eine klare Absage erteilte der Papst auch einer Ausweitung der Dienste der ständige Diakone. Deren Funktion sei umgrenzt und werde es auch in Zukunft bleiben.

o.k. offene Kirche, 10 - Oktober 2002

Nicht wie beim Papst

Hans Rubner, Präsident der Sparkasse, befragt nach seinen Gründen für den Rücktritt:

FF: Gegen wen, gegen was treten Sie zurück?

Hans Rubner: Es ist ja so, dass ich für den Verwaltungsrat der Bank im Statut der Stiftung festlegen ließ, dass mit 70 Schluss ist. Für die Stiftung, also für mich, gibt es keinen Artikel, der das Gleiche sagt. Aber wenn ich ein bisschen konsequent bin, kann ich nicht dem Ander Amonn vorschreiben, dass er mit 70 zu gehen hat, und selber bleibe ich. Das wäre dann wie zwischen Papst und Kardinälen: Er bleibt und sie müssen gehen.

ff, Nr. 47, 21. November 2002

Kardinal Walter Kasper,

Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, fordert „mehr Pluralität in der Kirche“. „In einer zunehmend pluralistischeren Gesellschaft muss die Kirche Dialogfähigkeit und Wahrheitsanspruch gleichzeitig aufrechterhalten“, sagte Kasper im Hamburger Überseeclub. Die Kirche müsse mit der Vielfalt in ihren eigenen Reihen leben lernen und dürfe nicht versuchen, Glaubenspluralität und Frömmigkeitsstile durch „letztlich hilflose disziplinäre Maßnahmen zu unterdrücken“.

Publik-Forum, Nr. 12, 28.6.2002

Zukunft der Kirche

Ökumenisch, feministisch und mystisch wird die Kirche der Zukunft sein, so Dorothee Sölle beim Kirchentag in Bregenz. Ökumenisch, da die Trennung der Kirchen angesichts der heutigen Probleme sowieso nicht mehr verständlich sind. Feministisch bedeutet für Sölle nicht, einfach nur mehr für Frauen herauszuschlagen, sondern: „Wir wollen nicht die Hälfte des Kuchens, sondern andere Kuchen backen. Wir wollen diesen neoliberalen Kuchen nicht“.

Mystisch bedeutet herauszukommen aus dem Gefängnis der reichen westlichen Welt und gegen die drei Wächter zu kämpfen: Das Ich, den Besitz und die Gewalt.

o.k., Offene Kirche, 9 – September 2002

Kirche und Sexualität

Die Psychotherapeutin Rotraut Perner rät in der katholischen Kirche zu einem offeneren Umgang mit der Sexualität. Ende Juli erschien im Münchner Kösel Verlag ihr neues Buch über sexuelle Übergriffe in der Seelsorge. Angesichts der Pädophilie-Fälle müsse das Thema in der Priesterausbildung ausführlicher behandelt werden. Viele pädophile Geistliche kommen aus Familien, in denen dieses Thema tabu sei. Sie hätten nie gelernt, mit sexuellen Gefühlen umzugehen. Viele junge Weihekandidaten kämen mit hohen Idealen in die Ausbildung, eine Ideologie des Gehorsams und eine Vorstellung von ausschließlich auf Fortpflanzung ausgerichtete Sexualität führten dann bei einigen zu Leibfeindlichkeit, Reinheitsneurose und zur Abwertung von Frauen. Perner kritisiert, dass die Medien Hysterie schüren, wenn ein Pädophiliefall bekannt werde. Diese Fälle gehörten vor Gericht und nicht in die Presse. Die Kirche solle die Öffentlichkeit besser informieren, wie sie intern mit Missbrauchsfällen umgeht, es fehle ein Krisenmanagement, das den Bischöfen sagt, wie sie .vorgehen sollen.

o.k., Offene Kirche, 9 – September 2002

Es ist erfreulich,

... dass 23 italienische Bischöfe sowie zahlreiche Politiker, Intellektuelle und Geistliche einen Appell gegen einen Angriff auf den Irak unterzeichnet haben. Die Regierung in Rom solle sich dafür engagieren, dass Krieg nicht als Mittel für die Lösung internationaler Konflikte eingesetzt werde, heißt es im Appell. Die katholischen Bischöfe der USA haben Präsident George W. Bush den Verzicht auf einen Krieg gegen den Irak nahe gelegt.

... dass Diözesanbischof Wilhelm Egger die Errichtung eines Gedenksteins am jüdischen Friedhof in Bozen unterstützt. Die Aktion wird getragen von der jüdischen Kultusgemeinde mit Unterstützung der Tageszeitungen „Dolomiten“ und „Alto Adige“. Laut Bischof Egger sollen sich die Gläubigen an die jüdischen Wurzeln der Kirche erinnern, ebenso dass die kath. Kirche Mitschuld am Holocaust trägt.

... dass Rechtsanwalt Hans Lunger auch in zweiter Instanz den Prozess gegen Elisabeth Staffler, Brixen wegen angeblicher Rufschädigung in einem Leserbrief verloren hat. Ebenso verlor H. Lunger in zweiter Instanz den Prozess gegen den Südtiroler Jugendring in Bezug auf die geforderte Einstellung des Kindertelefons „kids line“. Damit wird deutlich, dass die Einschüchterung mit Prozessen gegen unliebsame Personen oder Verbände nicht gelungen ist.

... dass der Osservatore Romano den Rechtspopulisten Umberto Bossi wegen dessen ausländerfeindlicher Haltung scharf kritisiert hat. Er spreche von Einwanderern, „als handle es sich nicht um menschliche Personen und versuche, vitale Probleme der Menschheit mit Aussagen zu lösen, die bar jeden Respekts und jeglicher Würde seien.“

Es ist bedauerlich,

... dass sich das Katholische Forum (Zusammenschluss der kath. Verbände) nicht dazu durchringen konnte, den verheirateten Priester Alfons Messner zum geistlichen Assistenten zu wählen. Trotz Überlastung der Priester und trotz Anerkennung der Fähigkeiten von A. Messner konnten sich vor allem die geistlichen Amtsbrüder nicht zu diesem mutigen Zeichen entschließen.

... dass die Gemeindeverwaltung von Unser Liebe Frau im Walde keine befriedigende Lösung für die Unterbringung der Sinti bei der jährlichen Wallfahrt gefunden hat. Es bleibt die Hoffnung und die Zuversicht des Seelsorgers Bruno Carli, dass es im kommenden Jahr klappt.