So
eine Herzlichkeit
Erfahrungen
im Asylbewerberheim in Nürnberg
Die
Vahrnerin Annemarie Volgger entschied sich nach ihrer Matura für einen einjährigen
Sozialeinsatz bei den „Jesuit european volunteers JEV“ in Deutschland. Während
dieser Zeit hat sie folgenden Bericht über ihre Tätigkeit und ihre Erfahrungen
geschrieben. Inzwischen ist sie wieder zurückgekommen.
Ich
bin wirklich froh, dass ich hier bin. Ich arbeite in einem Asylbewerberheim in Nürnberg,
wo ich vormittags in der Beratungsstelle der Caritas und nachmittags bei der
Hausaufgabenhilfe bin. Meine Aufgabe in der Beratungsstelle ist eben den
Menschen, die dorthin kommen, bei ihren Fragen und Problemen weiterzuhelfen. Es
war anfangs schon ziemlich schwer für mich, weil ja alles neu war und ich mich
mit dem Thema Asyl ja kaum ausgekannt habe. Mittlerweile klappt es aber ganz gut
mit den Anrufen beim Sozialamt, Arbeitsamt, Ausländeramt oder mit Briefe
schreiben an Behörden. Vor allem interessiert mich das Thema Asyl sehr, auch
wenn die Arbeit nicht immer so positiv ist. Das Negative überwiegt eigentlich
schon bei weitem, weil die Asylbewerber vielfach ja nicht so tolle Perspektiven
hier in Deutschland haben und die wenigsten von ihnen einen gesicherten
Aufenthaltsstatus bekommen (z.B. unbefristete Aufenthaltserlaubnis). Die meisten
haben nur die Duldung. Aber trotz allem: Ich habe so eine Herzlichkeit bei
Menschen noch nie zuvor gesehen (trotz ihrer schwierigen Lage). Aber ich werde
halt schon oft mit so großen Ungerechtigkeiten konfrontiert, die mir immer
ziemlich zu denken geben.
Nachmittags
dann – in der Kinderbetreuung – betreue ich mit einer Sozialpädagogin ca.
10 bis 15 Kinder, die zu uns kommen, wenn sie Schwierigkeiten bei den
Hausaufgaben haben oder einfach nur in Ruhe etwas lesen wollen, weil sie „zu
Hause“ ja nicht die Ruhe haben, die sie vielleicht bräuchten. Kein Wunder,
wenn z.B. eine 6-köpfige Familie in einer Zweizimmerwohnung lebt. Es kommen vor
allem Kinder aus Eritrea, dem Kosovo, der russischen Föderation, Äthiopien ...
Nicht immer leicht diese Aufgabe, teilweise sind einige verhaltensauffällig,
aber doch so schön. Jedes der „Kinder“ (von 7 – 17 Jahren) ist jemand
besonderes auf seine Weise und ich bekomme da von ihnen wirklich so viel zurück.
Einmal
die Woche gehe ich dann noch zu einer Familie aus Sri Lanka, die außerhalb der
Unterkunft wohnt, um den beiden Kindern bei ihren Hausaufgaben zu helfen und
ebenfalls einmal die Woche besuche ich eine Frau aus Eritrea. Ich helfe ihr
sich auf die Führerscheinprüfung vorzubereiten. Ab und zu bin ich dann
noch in der ZAE Zirndorf (Erstaufnahmestelle für ausländische Flüchtlinge),
wo sie ihren Asylantrag stellen und helfe dort im Kindergarten mit. Das
Schwierige dort ist, dass die Kinder weder deutsch noch englisch können. Aber
irgendwie klappt die Verständigung dann eigentlich doch immer.
Also,
meine Arbeit ist wirklich abwechslungsreich und vor allem bin ich so begeistert
von ihr. Ich hätte wirklich nichts Besseres finden können. Und ich denke auch,
dass es wirklich eine Alternative zu einem Auslandseinsatz ist, denn außer mit
meinen Arbeitskollegen habe ich in der Arbeit sonst mit keinem Deutschen etwas
zu tun.
Ich
wohne in einer internationalen Wohngemeinschaft mit vier anderen Leuten: aus
Deutschland, Russland und der Slowakei. Zwar sind wir alle ziemlich verschieden,
aber wir haben es doch irgendwie geschafft (wenn auch nach etwas längerer
Zeit), „zueinander zu finden“. Sicherlich auch deshalb, weil wir alle
„dasselbe“ machen und uns für „dasselbe“ einsetzen.
Annemarie
Volgger, Vahrn