Zukunft der Kirche

Motivationsrede für das Kath. Forum

Diese Rede wurde gehalten vom scheidenden Präsidenten Georg Oberrauch bei der Vollversammlung des Katholischen Forums am 4. Juni 2002. Da sie über das Verbandsgeschehen hinaus bedeutend ist, sie sie hier wiedergegeben.

“Seit über 40 Jahren bin ich nun in den verschiedenen kirchlichen Bereichen tätig und habe vom kirchlichen Häuslraggler bis hin zum Diener des höchsten Stuhls so ziemlich alle Varietés unserer Kirchengemeinschaft durchwandert. Ich durfte die Höhen und Tiefen, das Würzige und das Geschmackslose der kirchlichen Laienarbeit erleben und erfahren. Vom aufmüpfigen Rotzbua bis zum diplomatischen Vermittler, vom Bewahrer von Traditionen bis zum ausbrechenden Kirchenvolksbegehrer. Vom Schlichtenden und Vermittelnden, bis zum für eine innerkirchliche Wende Kämpfenden; kurzum ich habe die Weiten und Engen unserer römisch katholischen Kirche durchschritten und habe immer noch Begeisterung in mir. Ich habe wie so viele von euch das Spannungsfeld durchlebt, zwischen dem Zaun, welcher die Gläubigen einengt, aber auch Sicherheit gibt und der Sehnsucht, die Weite des göttlichen Kräftefeldes zu verstehen, aber dadurch auch die Risiken von Unsicherheiten in Kauf zu nehmen.

Aufbauend auf diese Erfahrungen möchte ich den Katholischen Verbänden und Laien unserer Diözese am Ende meiner Amtszeit als Präsident des katholischen Forums folgende Gedanken übermitteln:

Ich möchte einem Gedanken nachspüren, der für viele befremdend sein mag, der mir als Vision aber als einzig erkennbare Spur zur Lösung der großen Probleme und kommenden Herausforderungen in unserer immer enger zusammenrückenden Weltengemeinschaft scheint:

Alle, die die Geschichte unserer Kirche mit Hexenverbrennungen, Kreuzzügen und unzähligen Entgleisungen bis herauf zu den heutigen Problemen kritisch beurteilen, müssen feststellen, dass die ursprüngliche Botschaft Jesu stark die Farbe einzelner Menschen angenommen hat und wir auch heute in vielen Bereichen diese Einfärbung durch Menschen feststellen können. Grundsätzlich müssen wir feststellen, dass unsere Kirche nicht sagen kann, dass sie auf jeden Fall die absolut richtige Lehre hat. Das gleiche gilt meines Erachtens auch für alle anderen Religionen. Wenn wir aber bei allen Religionen zu den Ursprüngen zurückkehren, dorthin wo der Kontakt mit dem Absoluten beginnt, dann rücken die vielen Religionen sehr eng zueinander. Es drängt sich die Frage auf, ob wir nicht den Mut haben sollen, diesen Weg zurück zu den Ursprüngen der Religio zu gehen und den Versuch zu wagen, dadurch neue Wege zu finden.

Ohne auf unser Glaubensbekenntnis und auf die Vielfalt der verschiedenen Religionsgemeinschaften zu verzichten, könnte von diesem Ursprung aus eine gemeinsame Plattform der Suche gefunden werden. Eine Plattform, von der aus das Verständnis für die verschiedenen Wege und Kulturkreise spürbar ist, aber genauso auch das Verbindende nach der Suche einer Religio die im Kern und im Absoluten die Menschen verbindet.

Der Klausner Künstler Heiner Gschwendt hat schon vor mehr als 20 Jahren den Ausspruch geprägt: "Entweder die Welt wird religiös, oder sie driftet auf einen Abgrund zu." Es gibt viele Anzeichen dass sich diese Aussage bewahrheiten kann. Aus oben beschriebener Vision lässt sich aber die Chance für die Menschheit erahnen, durch das Wachsen einer im Kern alle verbindenden Religio eine neue friedvollere Welt aufzubauen, in der die Lösungen der großen Probleme der Menschheit realisierbar erscheinen.

Um diesen Weg gehen zu können braucht es Veränderung, eine große Offenheit und Toleranz. Wie können wir diese Offenheit und Toleranz in unserer Kirche erreichen?

Ich bin trotz aller Kritik überzeugt, dass unsere Kirche die Kraft in unserer Gesellschaft sein muss, die das viele Menschenverachtende, die Brutalität, Gewalt, Hass, Neid, Macht, Egoismus, Terror, Krieg, Intoleranz abbaut und dass unsere Kirche die Kraft hat durch ihre den Menschen, das Leben bejahende, reinigende und froh machende Botschaft dem "Guten" in der Welt zum Durchbruch verhelfen.

Als Mensch der Kirche kenne ich viele gute Seiten der Kirche und baue mit großer Dankbarkeit auf viele positive Erfahrungen. Ich glaube an die Zukunft der Kirche ! Ich sehe das Ziel und glaube mit grenzenlosem Optimismus daran, dass wir konsequent den mühsamen Weg der kleinen Schritte gehen können, ohne zu verzagen und stehen zu bleiben.

Hier einige Schritte die ich als Impulse weitergeben möchte:

Ich bedanke mich für die positiven Erfahrungen, die ich durch Menschen im Forum geschenkt bekommen habe. Sie überwiegen das Schmerzvolle in der kirchlichen Arbeit.

Ein herzliches Vergelt´s Gott.”

Georg Oberrauch