Ich
bin Priester und homosexuell:
Ein
spanischer Priester outet sich und nimmt die Suspendierung in Kauf
“Ich
danke Gott dafür, dass ich homosexuell bin, weil dies meine Fähigkeit zu
lieben gesteigert hat”. So spricht, ohne sich ein Blatt vor den Mund zu
nehmen, der 39jährige spanische Priester José Mantero, der erste in seinem
Land, der sich „outet“, wie man im englischsprachigen Raum zu sagen pflegt,
d.h. der an die Öffentlichkeit geht und seine sexuelle Ausrichtung bekannt
gibt. Als Kooperator und Stellvertreter des Pfarrer in einem andalusischen Dorf
mit 12.000 Seelen (Valverde del Camino, Huelva) hat José seine Erklärungen der
Monatszeitschrift „gay Zero“ (2/02) anvertraut, der selben Zeitschrift - mit
einer durchschnittlichen Auflage von 40.000 Kopien und einer etwa 150.000
Personen umfassenden Leserschaft - in der vor einiger Zeit der Oberstleutnant
José Maria Sanchez Silva seine Homosexualität bekannt gegeben hat. Der
Priester ist umgehend „a divinis“ von seinem Bischof Ignacio Noguer vom
Dienst suspendiert worden. José hatte seine Geschichte auch dem
US-Nachrichtensender CNN erzählt: Wie er seine Sexualität und die Abweichung
mit 12 Jahren entdeckt hatte, als ihm beim Ansehen einer Fernsehsendung
aufgefallen war, dass seine Freunde die „Blondinen“ anschauten, während er
sich für die „Lastwagenfahrer“ interessierte. Dass er beim Eintritt ins
Seminar lügen musste, in dem er sich als heterosexuell bezeichnete. Dass er dem
Gelübde der Enthaltsamkeit treu blieb bis zum Alter von 31 Jahren, als er sich
verliebte. Dass viele seiner homo- oder heterosexuellen Mitbrüder das Zölibat
nicht beachten. Ein Zölibat übrigens, so meint er, das früher oder später
nicht mehr verpflichtend wird.
José
war sich sehr wohl der Risiken bewusst, die seine Handlung mit sich brache. Für
die katholische Kirche wird die Homosexualität als Veranlagung geduldet, aber
die aktive Homosexualität wird als „moralischer Irrweg“ angesehen und
deshalb verurteilt. Die Kirche begeht „eine sehr schwere Todsünde“, indem
sie die Tore „einem wichtigen Teil des Volkes Gottes verschließt, und wird
sich dafür entschuldigen müssen“.
Seine
Absicht, die eigene Homosexualität bekannt zu geben, ist nicht neu: “In einer
intoleranten, aggressiven Welt, die
überhaupt keinen Respekt dem gegenüber zeigt, was der andere ist, drängt sich
die Notwendigkeit auf, zu sagen: Ich bin hier. So heißt es in seinem „Gay
Stolz“ betitelten Artikel, den er anlässlich des Gay Pride im Jahr 2000
geschrieben hatte. Jetzt weiß er, dass er seine Pflicht getan hat und
behauptet, dass kein Widerspruch mit seinem Priesterberuf besteht: „Es gefällt
mir, was ich mache; ich spüre die Berufung. Ich fühle mich in der Kirche
verwirklicht, obwohl diese ihre Fehler hat“. Für José Mantero, der in diesem
Dorf Andalusiens geboren und zum Priester geweiht wurde, ist die Homosexualität
kein Widerspruch zum Priestertum: „Ein anderes Thema wäre die Art und Weise,
wie ich die Homosexualität und den Priesterberuf lebe, denn ich lebe sicher
nicht in Enthaltsamkeit“. „Ich habe dieses Leben mit 31 Jahren entdeckt“,
- erklärt er – „und bin jetzt 39. Ich habe es entdeckt, weil ich mich
verliebt habe. Eine wunderschöne, sehr krankhafte Geschichte, die ein
schlechtes Ende genommen hat“. „Normal ist es, zu schweigen, das eigene Sein
zu verleugnen: So bist du nicht mehr vorhanden, du bist leichter kontrollierbar,
erregst kein Aufsehen, was immer lästig ist. Man will die Homosexualität
verleugnen, man will leugnen, dass es unter uns Homosexuelle gibt. Jetzt können
sie mich nicht mehr hinauswerfen, weil ich geweiht bin, aber vor der Weihe würden
sie dich hinauswerfen“.
„Es
wäre schön, wenn dies ein Keim, eine Knospe werden könnte, damit eines Tages
jede homosexuellenfeindliche Äußerung aus der Kirche verschwindet und diese
Realität ganz natürlich anerkannt wird.“
Mantero
war in Bezug auf die Konsequenzen seiner Geste optimistisch: „Man muss der
Zeit Zeit geben“, sagte er. „Jedenfalls werden sie keine direkten
Vergeltungsmaßnahmen ergreifen, weil dies nicht dem Stil des Hauses entspricht.
Das wird sich auf einem anderen Niveau abspielen, viel versteckter. Sie werden
mich nicht suspendieren, weil ich schwul bin“, hat er wörtlich gesagt. Aber
die Entwicklung hat ihm Unrecht gegeben. Die Bischöfe haben sofort reagiert:
„Ein Homosexueller ist nicht normal“, hat Mons. José Gea Escolano, Bischof
von Mondofiedo-Ferrol, gesagt und dabei gleichgeschlechtliche Beziehungen mit
Taubheit und Blindheit verglichen. „Unmöglich“ sind, seiner Meinung nach,
die Erklärungen Josés, die für eine Kampagne gegen die katholische Kirche
geeignet wären. „Aber es hat keinen Sinn, schockiert zu sein: „Die Kirche
muss mitarbeiten und helfen, damit Situationen, die abseits der Normalität der
christlichen Lehre und vom Dienst am Nächsten sind, überwunden werden“, hat
er der spanischen Agentur Efe mitgeteilt.
Aber
Mantero lässt nicht locker. In einer überfüllten Pressekonferenz in einem
Hotel in Madrid hat er nach der Amtsenthebung „a divinis“ bekräftigt, dass
schwul sein weder eine Krankheit noch eine Perversion ist. „Derselbe Gott, der
den heterosexuellen Menschen erschaffen hat, hat ihn auch schwul oder lesbisch
erschaffen.“, waren seine Argumente. Er hat angekündigt, dass er in seine
Pfarrgemeinde zurückkehren und sich mit dem Bischof von Huelva in Verbindung
setzen wird, um über seine Situation zu diskutieren. Und er hat auch bekräftigt,
dass er weiterhin sein Amt ausüben möchte. Er hat gesagt, dass er die Maßnahme
gegen ihn nicht versteht, da viele heterosexuelle Priester im Amt bleiben,
obwohl sie eine Beziehung haben. Bezüglich einer Behandlung in einer
Umerziehungsanstalt hat er gesagt, dass es dafür keine Veranlassung gibt, da so
eine Maßnahme bei pathologischen Störungen ergriffen wird, während die
Homosexualität keine Störung, sondern etwas Positives ist. Er wird sich daher
nicht in diese Richtung lenken lassen, da er auch nicht vorhat, seine sexuelle
Veranlagung zu ändern. Er wollte – so bemerkt er abschließend - eine
Diskussion innerhalb der Kirche in Gang setzen und die Aufmerksamkeit auf die
Themen Homosexualität und Zölibat lenken.
ADISTA,
16. Februar 2002
Übersetzung:
Francesco Agnoli
“Ritengo
sia una frode far discendere dalla Bibbia una condanna all' omosessualità”.
Lo ha detto don Franco Barbero, della comunità di base di Pinerolo, parlando ad
un corteo di solidarietà ad una coppia gay licenziata a Castelnuovo don Bosco (Asti).
“Le gerarchie della Chiesa sono in ritardo sul terreno della sessualità”,
ha aggiunto. “Sono in contatto con 600 preti gay ed io, che non lo sono, ho
fatto un lungo percorso per pensare a come rendere combattibile l'esperienza
cristiana con l'essere gay. Sogno, spero e lotto per una società senza
discriminazioni”.
Adista,
27.5.2002
dass
sich der SVP Kammerabgeordnete Hans Widmann
dafür einsetzt, dass Homosexuelle eine „staatliche Ehe“ eingehen können
und dass Italien eine entsprechende gesetzliche Regelung wie in anderen europäischen
Staaten verabschiedet.
Tageszeitung,
23.10.2002