Seelsorgeplan
2002 – 2012 in Diskussion
Wie
geht es weiter?
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Eingaben aus den Dekanaten oder Pfarreien (warum wird nicht auch jene der
Initiativgruppe erwähnt?) hat es laut Seelsorgeamtsleiter Bernhard Holzer
gegeben. In seiner Zusammenfassung, die er bei der Dekanekonferenz am 4.6.2002
vorgetragen hat und welche im Folium dioecesanum 10/2002 veröffentlicht wurde,
steht, dass dem Priestermangel entgegengewirkt werden muss durch Werbung für
geistliche Berufe, aber „auch durch die Abänderung der
Zulassungsbedingungen“. Entlastung der Priester, nicht Überforderung, Klärung
der Rolle des Pfarrers und Begleitung der Priester sei gefordert. Die Aufgabe
und der Dienst der ständigen Diakone seien zu wenig bekannt, es sei schwierig
geeignete Kandidaten zu finden. „Wieso keine Frauen? fragen manche.“ In
Bezug auf Pastoralassistentinnen und –assistenten wird kritisiert, das sie
bisher zu wenig beachtet wurden und dass sie auch in Gemeinden unter 3.500
Personen nötig seien. „Die finanzielle Unterstützung der Diözese ist zu
vage, die Einnahmen der Pfarreien sind vielfach rückläufig. Die Diözese soll
Anstellungsträgerin sein, ein diözesanes Berufsbild soll ausgearbeitet
werden.“ Hingewiesen wird auf die Notwendigkeit der rechtzeitigen Information
bei Veränderungen, der Begleitung, darauf, dass auch kleine Gemeinschaften in
Zukunft lebensfähig bleiben sollen, dass immer mehr kirchliche Dienste bezahlt
werden müssen, dass größtenteils Zustimmung zur Neuordnung festzustellen sei,
vor allem wenn kein anderer Ausweg mehr möglich sei.
Bischof
W. Egger bemerkt dazu, dass das Bild von Pfarrgemeinde noch ziemlich
traditionell zu sein scheine, dass man vom Wunsch nach einer versorgten Gemeinde
ausgehe. „Viele stellen sich die Frage, wie man die derzeitige Krise in den
Pfarreien verwalten kann.“ Er sprach sich gegen unkontrollierten
„Priesterimport“ aus, andere Zulassungsbedingungen tat er als Schlagwort ab.
Eine Abwälzung der Kosten für Pastoralassistentinnen und –assistenten auf
die Jugenddienste wurde vom Bischof als mögliche Lösung präsentiert.
Generalvikar J. Matzneller wird im Protokoll so zitiert: „Bei den
Pastoralassistenten/-innen treten wir wegen der Finanzierung zwar noch auf der
Stelle, an der Diözese soll es aber nicht scheitern“.
Laut
Diskussion wünschen sich einige, dass Wortgottesfeiern in den Gemeinden
aufgewertet werden und dass man bei „Viri probati“ wirklich an erfahrene Männer
denken solle, die etwa 40 Jahre alt sind und die Fähigkeit haben, eine Gemeinde
zusammenzuhalten.
Der
Vorstand der Initiativgruppe forderte daraufhin Anfang Oktober erneut, dass die
finanziellen und organisatorischen Bedingungen für den Einsatz von
Pastoralassistentinnen und –assistenten in den Pfarreien so gestaltet werden,
dass Laien eine sichere Anstellungen erhalten und damit ihre Fähigkeiten und
Kompetenzen in den Dienst der Seelsorge stellen können. Aufgrund des
Priestermangels sei das besonders dringend. Zu einer sicheren Anstellung gehöre
laut Vorstand, dass sie durch die Diözese erfolgt, die wenigstens zwei Drittel
der Kosten beitragen müsste. Den Rest solle die Pfarrei aufbringen. Andernfalls
seien, wenn man bei den derzeit staatlich geltenden Geldzuweisungsverfahren
bleibe, die Pfarreien überfordert.
Situation
muss sich noch verschlimmern
Ist
der Diözesanleitung der Ernst der Lage bewusst, frage ich mich. Vermutlich
schon, aber auch ihr scheint es vorwiegend um die Versorgung der Pfarreien mit
Priestern zu gehen und weniger um die Frage, wie eine zeitgemäße Seelsorge
aussehen soll und was dazu nötig ist. Laut Eingaben aus den Pfarreien und
Dekanaten wären die Lösungsansätze da, aber die Krise wird nur verwaltet. An
der Frage der Finanzierung wird klar, dass die Diözesanleitung große Probleme
hat, von der priesterbestimmten d.h. klerikalen Sichtweise abzugehen. Zudem
traut man sich nicht, die Frage der Zulassungsbedingungen aufzuwerfen. Auch sind
im Vergleich zu anderen Diözesen noch relativ viele Priester da, so dass man
noch einige Zeit weitermachen kann. Also muss die Krise noch viel
schwerwiegender werden, bis einige grundlegende Reformen möglich sind. Ich
frage mich, ob die Kirche und vor allem ihre Leitung dann noch das
verlorengegangene Vertrauen in ihre Aufgabe als spirituell-religiöse
Institution zurückgewinnen kann. Aber wir sollten auch dem Hl. Geist Raum für
sein Wirken zugestehen, betonte der ital. Generalvikar G. Pedrotti bei der
Dekanekonferenz.
Robert
Hochgruber
Wenig
priesterliche Arbeiter im Weinberg
Im
Vatikan wächst die Sorge wegen der stark sinkenden Zahl neuer Priester in
Europa. Vor allem in Italien ist die Zahl der Priester stark rückläufig.
Derzeit gibt es in Italien 25.000 Pfarren mit zirka 50.000 Priestern. In 20
Jahren sollte diese Zahl um ein Drittel schrumpfen.
1978
gab es in Italien noch 63.755 Priester, 1999 sank die Zahl auf 54.976. Die
Pfarrer in Italien werden zudem immer älter. Nur 17 Prozent sind zwischen 40
und 60 Jahren. 53 Prozent sind über 60 Jahre alt. 21 Prozent zwischen 70 und 79
Jahren. Nur sieben Prozent sind jünger als 30 Jahre. Diese Zahlen gab der
Sekretär der Italienischen Bischofskonferenz Giuseppe Betori im Mai 2002
bekannt. In Österreich hat es in diesem Jahr 15 Priesterweihen aus den
Seminaren und 20 aus den Orden gegeben. In den 70er Jahren waren es im
Durchschnitt 74 Neupriester, in den 80er und 90er Jahren 52 bzw. 50. Im Jahr
2001 gab es 23 Neupriester in den Diözesen und 21 im Ordensbereich.
Personalfrage
steuert in Richtung Mangelverwaltung
Auszüge
aus einem Interview mit Generalvikar Josef Matzneller
Dolomiten:
Sind
Sie deprimiert?
Matzneller:
Es tut mir jedes Mal weh, wenn ich aus einem kleinen Ort einen Pfarrer abziehen
muss. Zudem ist ein Pfarrer ja nicht nur Verwalter; wenn er nicht mehr im Ort
ist, geht viel Kontakt mit den Menschen verloren. Auf der anderen Seite sehe ich
aber auch, dass viele Pfarreien selbst aktiv werden und sich überlegen, wie es
mit der Seelsorge weiter geht. Es gibt viele Menschen, denen der Glaube sehr
wichtig ist und die Zeit, Kraft und Fähigkeiten für die Kirche einsetzen.
Diese Erfahrung gehört zu den schönen Seiten meines Amtes.
Dolomiten:
Der Priester ist trotzdem durch nichts zu ersetzen. Wo könnte eine Lösung
liegen?
Matzneller:
Wie es auf längere Sicht weiter geht, weiß ich nicht. Unsere Personalfrage
steuert in Richtung Mangelverwaltung. Auf Diözesanebene können wir die
entscheidenden Schritte nicht setzen. Der Priestermangel ist ein Problem in
allen westlichen Staaten. Er kann nur auf gesamtkirchlicher Ebene gelöst
werden, also etwa in Form eines neuen Konzils.
Dolomiten,
31.8./1.9.2002, S. 19.