Priestermangel
- Priesterschwemme
Pensionsalter
der Dekane
Nun ist das eingetroffen, was der Vorstand der Initiativgruppe im Juni des vorigen Jahres vorausgesagt hatte. Der Priesterrat hatte damals beschlossen, das Pensionsalter für Dekane (70 Jahre) aufzuheben und individuell festzulegen.
Das führte nun dazu, dass jene zwei Dekane, die heuer 70 Jahre alt wurden, weiterhin tätig sein werden. Einer davon hatte laut Zett schon angekündigt, die Pfarrei zu wechseln, der andere in internen Gesprächen ebenso. Vermutlich müssen und / oder dürfen nun beide und manche andere in Zukunft bis zum 75. Lebensjahr im Dienst bleiben.
Der Priestermangel erfordert es oder er ermöglicht es, könnte man sagen. Ich schätze, dass etwas von beidem zutrifft. Der Vorschlag des Vorstandes der Initiativgruppe, die Dekane durch die Priester und die Vorsitzenden der Pfarrgemeinderäte des Dekanates wählen zu lassen, wurde im vorigen Jahr sofort zurückgewiesen. Er hätte eine Entlastung der älteren Dekane und eine demokratische Legitimierung bedeuten können. Wir sind in unserer Diözese im deutschsprachigen Bereich offensichtlich noch nicht so weit. Für die italienischsprachigen Pfarreien gibt es seit längerem schon die Wahl der Dekane.
Was muss noch geschehen und wie viele Pfarrgemeinden müssen noch ohne Priester am Ort sein, wie viele Menschen müssen sich noch von der Kirche entfernen, bis etwas konkret gegen den Priestermangel unternommen wird, bis die Zulassungsbedingungen verändert werden, bis "Viri probati" und bis Frauen in ihren Berufungen respektiert werden, bis wir vom derzeitigen Klerikalismus abkommen und ein neues Verständnis des Priestertums auf die Praxis einwirkt?
Heuer wurden 4 ständige Diakone geweiht sowie ein Diakon als Priesteramtskandidat. Ich habe mich gefragt, warum sie nicht in einer gemeinsamen Zeremonie geweiht worden sind. Will die Diöze-sanleitung damit die unterschiedliche Bedeutung dieser Weihen klarmachen? Ist ein Priester eben doch etwas Besonderes? Andererseits dürfte es somit im kommenden Juni nur eine Priesterweihe geben. Was diese Entwicklung langfristig für die Seelsorge bedeutet, dürfte bekannt sein.
Robert Hochgruber
Priester
aus anderen Ländern??
RAI-Tageschau: Hat man schon darüber nachgedacht, Priester aus anderen Kontinenten bei uns zu beschäftigen?
Josef Innerhofer: In Deutschland ist das gang und gäbe. Ich hatte einmal einen Vortrag in einem Dekanat in Südbayern. Da war die Hälfte der Priester und Pfarrer, die dort tätig sind, Ausländer. Bei uns ist das noch nicht der Fall, weil wir eigentlich noch genug Leute haben. In nächster Zeit wird sich das sichtlich bemerkbar machen, weil einfach die starken Weihejahrgänge jetzt allmählich in Pension gehen bzw. wegsterben. Und da müsste man sich vielleicht auch hier Gedanken machen. Allerdings ist es da mit den Ausländern nicht so einfach. Es ist eine Frage der Sprache und es ist eine Frage, dass man wirklich Leute bekommt, die kommen, um den Dienst an den Menschen zu machen und nicht - was weiss ich , um ein schnelles Geld zu verdienen und ein angenehmes Leben im Westen zu haben. Das ist ein bisschen ein Problem. Aber sicher kann man sich vorstellen, dass ein Afrikaner einmal bei uns eine Gemeinde leitet oder einer aus dem Osten, denn im Osten z.B. in der Ukraine gibt es so viele Priester, dass auf zwei geweihte Priester ein Priesteramtskandidat kommt. Man spricht dort geradezu von einer Priesterschwemme, die herankommt. Allerdings, hier ist ein anderes Problem, diese Priester sind alle verheiratet."
Josef Innerhofer erklärte außerdem, dass er es nicht verstehe, warum in unserer Diözese die ständigen Diakone nicht mit der Leitung von Pfarreien beauftragt würden, da dies kirchenrechtlich möglich sei und eine Entlastung für die Pfarrer darstellen würde.
Interview in der RAI-Tagesschau mit Josef Innerhofer, 21. Juli 2001
Da der Hirtenbrief "Seelsorge in gemeinsamer Verantwortung" kurz vor Redaktionsschluss veröffentlicht wurde, werden wir erst in der kommenden Ausgabe darauf eingehen können.
Kein
Pfarrermangel in der evangelischen Kirche
Des öfteren wird behauptet, dass es in der evangelischen Kirche genauso wie in der katholischen einen Priestermangel gäbe, obwohl dort die Pfarrer und Pfarrerinnen heiraten dürfen. Das sagte auch eine Frau aus Vintl im RAI-Mittagsmagazin Spezial vom 29.8.2001.
Ich habe bei Sebastian Zebe, dem evangelischen Pfarrer von Bozen und bei Hans Reimer, dem evangelischen Pfarrer von Meran, nachgefragt. Beide erklärten übereinstimmend, dass von einem Pfarrermangel in der Evangelischen Kirche Deutschlands nicht die Rede sein könne. Wohl gäbe es Schwankungen bei den Theologiestudierenden, da dieses Studium derzeit nicht „in“ sei. Pfarrer Reimer sprach sogar von einem so genannten Pfarrerberg, d.h. dass mehr Bewerberinnen und Bewerber als Pfarrerstellen da sind. Unterschiedlich nach Landeskirchen werden laut ihm bis 2006 bzw. 2007 gleich viel Interessierte wie Pfarrerstellen vorhanden sein.
In der Reihnischen Landeskirche gäbe es zur Zeit einen Überschuss von 10 % an ordinierten Pfarrerinnen und Pfarrern, betonte Pfarrer Zebe. 2004 werde sich dies wegen einer Reihe von Pensionierungen vermutlich ausgleichen. Interessant ist auch das Pensionierungsalter für Pfarrerinnen und Pfarrer in der evangelischen Kirche: 60 Jahre bei Frauen, 62 Jahre bei Männern. Mit 65 Jahren muss laut Sebastian Zebe ein Pfarrer oder eine Pfarrerin in Pension gehen. Wenn in einem Gebiet zu viele Pfarrer sind, könne schon mit 58 Jahren in den Vorruhestand gegangen werden. In der katholischen Kirche ist zur Zeit das Pensionsalter für Pfarrer, von Ausnahmen abgesehen, 75 Jahre.
Abschließend kann wohl gesagt werden, dass von einem Priester- bzw. Pfarrermangel derzeit zumindest in der Evangelischen Kirche Deutschlands nicht die Rede sein kann. Weltweit wird ebenso nicht von Pfarrermangel geredet. Ein wesentlicher Faktor dafür dürfte sein, dass evangelische Pfarrer heiraten dürfen und dass auch Frauen ordiniert werden. Derzeit gibt es laut Pfarrer Zebe etwa 30 % Pfarrerinnen.
Robert Hochgruber