Kirchlicher
Segen für gleichgeschlechtliche Liebesbeziehungen
Die
Katholische Männerbewegung Österreichs hat im Sommer in einem Positionspapier
zum Thema Homosexualität eine Segensfeier für homosexuelle Paare in der kath.
Kirche angeregt. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Der St. Pöltner
Bischof Kurt Krenn gab daraufhin im österreichischen Magazin "Profil"
ein Interview mit sehr klaren Worten. Für ihn ist alles klar und er meint im
Gespräch: "Die Fehlhaltung Homosexualität hat in der Kirche nichts
verloren. Die Menschen sind willkommen wenn sie sich bekehren. Homosexuelles
Verhalten können wir aber in keinem Fall billigen. Wir können nicht in Gottes
Namen etwas segnen, was Gottes Gesetz verbietet. Ich glaube schon, dass
Homosexualität heilbar ist. Es ist mühsam, aber machbar. Homosexualität als
Tat ist in sich böse." Irgendwie gefällt mir Bischof Krenn. Man weiß
genau, mit wem man es zu tun hat. Letztendlich verkündet er im wesentlichen
nichts anderes als die herrschende Lehre der katholischen Kirche. Indem Krenn
all das klarer anspricht als viele andere, erledigt er nur seinen Job: das Verkünden
der gültigen Regeln seiner Organisation, die scheinbar so genau weiß, wer Gott
ist und was er will und wie er urteilt.
Meine
Lebenssituation ist im Bezug auf das, was Bischof Krenn sagt folgende: Ich
bin schwul (und das ist gut so) und lebe seit 9 Jahren in einer Partnerschaft,
Beziehung mit einem Mann. So sind "Segen in der Kirche, - eingetragene
Partnerschaft" wie jetzt in Deutschland Themen, die mich beschäftigen.
Persönlich
würde ich mir den kirchlichen Segen wünschen. Dazu folgende Überlegungen. Im
AT bezieht sich das segnende Handeln Gottes zunächst auf alle lebenden Geschöpfe,
also Menschen und Tiere, später im Besonderen auf Abraham und seine Nachkommen.
Der Segen umfasst die Verheißung von Nachwuchs, von Land, von Fruchtbarkeit der
Natur und von Bewahrung und Rettung der Menschen. Der Ort des Segens ist in den
Vätergeschichten zunächst die Sippe oder die Großfamilie, später wird es der
Gottesdienst bzw. der Tempeldienst. Gott ist allein Träger und Spender des
Segens. Er beauftragt aber Menschen dazu, in seinem Namen und mit seinem Namen
zu segnen. Das segnende Handeln Gottes erfährt für Christinnen und Christen im
NT in Jesus Christus seine umfassendste Verkörperung. Er ist zugleich der
Gesegnete und Segnende. Inhalt des Segens ist seine vergebende Heilsgegenwart,
die er mit seinem Segensgruß als Auferstandener seinen Jüngerinnen und Jüngern
zuspricht. An seiner Segensvollmacht bekommen so auch die Jüngerinnen und Jünger
wie auch die Gemeinde Anteil. Darin liegt das segnende Handeln der Kirche begründet.
Die Segenshandlungen sind Zuspruch und Handeln Gottes, die durch Menschen
vermittelt werden. Nach katholischem Verständnis ist der geweihte Priester
bevollmächtigt, Segen im Namen Gottes zuzusprechen. Der Segen ist eine
personale Zuwendung zu einem Menschen mit seinem ganzen Leben, die durch
Handauflegung ausgedrückt werden kann. Segen wird stets in eine bestimmte
Lebenssituation hineingesprochen. Er bedeutet "sowohl Zuspruch von schöpferischer
Kraft und Lebensfreude als auch Zuspruch von Schutz und Begleitung für die
aktuelle Lebenssituation, besonders bei Übergängen, Einschnitten und Krisen in
der Lebensgeschichte des einzelnen." Für gleichgeschlechtliche Paare kann
dies heißen: Segen als Begleitung, Zuspruch Gottes auf der Schwelle vom
Alleinleben zum verbindlichen Leben in einer Liebesbeziehung. Der
partnerschaftliche Prozess wird von Gott begleitet und gesegnet. Dazu gehört
neben der verbindlichen Partnerschaft und Verantwortung für einanander auch
Liebe, Fürsorge und gemeinsam gelebte Sexualität.
Die
Frage bleibt: "Wieso ist es in der kath. Kirche leichter, Tiere, Autos, neu
eröffnete Geschäfte und Banken zu segnen als eine von Liebe getragene
Beziehung von zwei Frauen bzw. Männern?" Kann ein Geistlicher diesen
Wunsch abschlagen, der sich doch auf das Liebesgebot Gottes bezieht? Der Segen
Gottes steht doch allen Menschen - unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer
Herkunft und ihrer L(i)ebensform - zu. Nur Gott selbst kann eine solche Bitte
verweigern. Die Entscheidung sollte getrost Gott überlassen bleiben. Aufgabe
einer prophetischen kath. Kirche ist es, diejenigen Frauen und Männer
willkommen zu heißen, zu begleiten und zu stärken, die vor Gott, sich selbst
und vor der gemeindlichen Öffentlichkeit eine Partnerschaft eingehen wollen und
Gottes Segen für ihren gemeinsamen Weg erbitten.
Jonas
(Die
Überlegungen zum Thema "Segen"
sind größtenteils übernommen aus dem Manuskript
von Kerstin Söderblum; veröffentlicht HuK-Info Nr. 133)
Es
ist nicht gut, dass der Mensch alleine bleibt
Das
Gesetz über die eingetragene Lebenspartnerschaft hat auch bei uns in Österreich
zu sehr gegensätzlichen Reaktionen geführt. Ist es für die einen ein längst
fälliger Schritt zur Gleichberechtigung einer bislang diskriminierten
Minderheit, die unser Nachbarland vollzogen hat, ist es für die anderen eine
Gefährdung des Leitbildes von Ehe und Familie. Die rechtlichen Aspekte der
eingetragenen Lebenspartnerschaft betreffen eigentlich lauter sehr ernste
Lebensbereiche. Zum Beispiel Unterhaltsverpflichtung für den anderen, wenn er
kein eigenes Einkommen hat; das Recht, über den Partner Auskunft zu erhalten,
wenn er im Krankenhaus liegt oder das Erbrecht, wenn er stirbt. In diesen
ernsten Angelegenheiten des Lebens wollen die beiden also füreinander einstehen
und da sein; einander Hilfe sein und auch den Schutz des Staates genießen.
Ehrlich
gesagt, verstehe ich nicht, wie jemand auf die Idee kommen kann, dass ein
solches Gesetz das Leitbild von Ehe und Familie gefährdet. Es ist doch gerade
das Leitbild der Ehe, das auch hinter diesen Rechten und Pflichten von
Lebenspartnern steht. Das Leitbild der Ehe wird doch gefördert und
hochgehalten, wenn es mit seiner positiven Zielsetzung auch auf andere Menschen
ausstrahlt, die eben keine Ehe zwischen Mann und Frau eingehen können. Ich bin
froh, dass ich mich mit dieser Ansicht einig mit meiner evangelischen Kirche
helvetischen Bekenntnisses (HB) in Österreich weiß. "Die evang. Kirche in
Österreich setzt sich für eine zivilrechtliche Berücksichtigung
gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften ein." (1996 Generalsynode -
fast einstimmig).
Dieses Lernen geschieht am besten, wenn man Menschen kennenlernt, die homosexuell leben und lieben. Denn dann versteht man auf einmal, dass etwa die Verurteilungen der Bibel gegen Homosexualität sich unmöglich gegen ehrliche und verantwortungsvolle Liebesbeziehungen richten können, sondern dass diese biblischen Texte eine Vergötzung der Sexualität oder die Ausbeutung von abhängigen Menschen ablehnen. Wunderschön ist hingegen, was Gott in der Bibel über Liebesbeziehungen sagt: "Es ist nicht gut, daß der Mensch allein bleibt. Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht." Diese Hilfe, die ihnen entspricht, finden homosexuelle Menschen in einem Menschen des gleichen Geschlechts; eine Hilfe die auch in gegenseitigen Rechten und Pflichten ihren Ausdruck findet.
Peter Prügelhof, Salzburg,
Gedanken zum Tag, Ö1, 12.8.2001
Le
persone omosessuali nelle chiese cristiane
I
credenti che si scoprono omosessuali stanno cominciando a chiedersi come
conciliare la loro realtà con la fede. Non si accontentano più di una presenza
furtiva e clandestina e nemmeno di essere semplicemente tollerati. Vogliono
discutere insieme e apertamente del loro posto specifico nella communità
ecclesiale. Chiedono, insomma che si riconosca anche il loro "carisma",
il valore originale di cui sono portatori.
Tranne
alcune rare espressioni di attenzione, l'attegiamento più diffuso, e non solo
da parte della gerarchia, è di diffidenza. La stessa opinione pubblica
ecclesiale oggi sembra disposta a correggere la demonizzazione ma non a
riconoscere che si tratta di una "naturalità" sia pure di minoranza.
Allora, una volta riconosciuto il valore di un'affettività omosessuale, fin
dove questa potrà spingersi sul piano morale e poi giuridico?
Queste
pagine, in cui si incrociano le più stimolanti riflessione ed esperienze
vissute nell'ambito delle diverse chiese cristiane, non puntano solo a
rivendicare maggiori spazi nella morale ufficiale con il suo impianto normativo.
Hanno, provocatoriamente, un obiettivo molto più ambizioso: rimettere la
relazione, cioè l'irrepetibile unicità della persona, al centro dell'indagine
morale.
L'esperienza
dei credenti omosessuali diviene così una delicata ma straordinaria
sollecitazione a liberare evangelicamente la creatività dell'amore dalle catene
di una conecezione soffocante del peccato.
Il
23 ottobre 1999 l'Associazione italiana "Noi siamo Chiesa" e il
Coordinamento gruppi di omosessuali cristiani in Italia hanno organizzato il
convegno "Le persone omosessuali nella Chiesa. Problemi, percorsi,
prospettive". In quell'occasione sono stati presentati i testi di questo
libro. La prefazione è di Luigi Bettazzi, vescovo emerito di Ivrea. In
appendice: lettera aperta alla Chiesa italiana.
Barbero
Bettazzi Crema Geraci Gnavi Kothgasser Pezzini Piana Plescan Rossi, Il posto
dell'altro.
Le
persone omosessuali nelle chiese cristane, edizioni la meridiana, Molfetta 2000,
L. 16.000.
65%
unter 30 Jahren für Segnung
Laut einer von "profil" in Auftrag gegebenen market-Umfrage befürworten 65% der Österreicherinnen und Österreicher unter 30 Jahren eine Segnung gleichgeschlechtlicher Paare, nur 27% sind dagegen. Im Durchschnitt waren nur 37% dafür, 50% gegen einen kirchlichen Segen für homosexuelle Paare. Der Rest äußerte keine Meinung.
ORF Teletext, 22.7.2001