Ich bin ein Vinschger, von denen man sagt, dass sie lügen, weil die andern die Wahrheit nicht vertragen. Sie sagen es wohl deshalb gerade heraus, weil es zu ihrem Wesen gehört. Deshalb bitte ich Michael um Verständnis.
Zunächst möchte ich gerne wissen, ob Herr Meßner die Anliegen von "Impulse", mit denen er ja einverstanden ist, auch öffentlich vertritt. Schlimm, wenn er es nicht täte. Dann spricht er von einer Amtskirche, als ob das eine parallele zum Volke Gottes wäre. Nach dem Evangelium zu urteilen, haben wir alle ein oder mehrere Ämter inne, gemäß der Geistesgaben, die dieser frei verteilt.
Ich frage mich auch, wie hätte Herr Meßner auf die Art und Weise Jesu reagiert, da wo er die Menschen vor falschen religiösen Führern warnt. Heute würde er der Beleidigung angeklagt. Jesus wußte, wer die Wahrheit will und sucht, der will sie ungeschminkt. Auch muß sie nicht "von oben her" gesagt werde. Sie kann auch von innen kommen, gerade von der Liebe zur Kirche, damit sie nicht irregeführt wird. Eine Sache ist "beurteilen", eine andere "verurteilen". Nach Paulus haben wir das Recht alles zu prüfen und zu dem zu stehen was gut ist.
Solidarität mit den Amtsträgern hat nichts mit blinder Unterwürfigkeit zu tun. Das würde ihnen nur selber schaden.
Schließlich sind wir alle Jünger Jesu und sollen einander in der Wahrheit stützen, was nur im offenen Dialog möglich ist. Wo jedoch ein Teil nicht hinhören kann, sich in sein Schneckenhaus zurückzieht, da darf man sich nicht wundern, wenn der andere etwas lauter spricht, wiederum, um der Wahrheit willen und der anderen wegen. Eine Kirche, in der die Transparenz ein Wesenszug sein sollte, hat die Öffentlichkeit nicht zu fürchten.
Franz Wieser, Lima (Peru)
Die Diskussion um die richtige Methode ist ich meine das nicht abwertend so alt wie das Kirchenvolksbegehren. Es klingt mir heute noch in den Ohren, wie viele Gläubige, unter ihnen auch Bischof Wilhelm Egger, uns gegenüber betont haben, dass sie mit vielen, ja den meisten Anliegen des Kirchenvolksbegehrens einverstanden seien, nur sei unsere Methode nicht zielführend. Leider waren damals wie heute die wenigsten bereit, öffentlich zu sagen, welche Anliegen sie mittragen könnten.
Worin besteht nun genau unsere Methode, unsere Art des Vorgehens? Im Kirchenvolksbegehren haben wir Forderungen öffentlich ausgesprochen. Sie waren keineswegs neu. Seit dem Kirchenvolksbegehren legen wir unsere Ansichten über Missstände in der Kirche und Vorschläge zu Reformen immer wieder öffentlich dar. Ich gebe zu, dass wir auch Fehler gemacht haben, indem wir über das Ziel hinaus geschossen sind. Und unsere Vorschläge sind keineswegs die absolute Wahrheit. Ich hoffe, dass noch bessere kommen. Unsere Methode bzw. unser "Vergehen" besteht darin, dass wir Missstände in der Kirche öffentlich aufzeigen.
Diese Gedanken sind mir beim Leserbrief von Michael Meßner und Bernhard Oberparleiter gekommen. Ach, es wäre schön, wenn beide gesagt hätten, welche Anliegen sie bereit sind mitzutragen. Das würde die Diskussion wesentlich entlasten.
Unsere Kritik sei negativ-kritisch, manchmal lieblos und verletzend, meint M. Meßner. Es ist verdammt schwer, zu beurteilen, was kritisch-aufbauend ist oder was nicht. Dass wir nicht lieblos und verletzend sein wollen, dürfte wohl klar sein. Ich weiß, dass es bei den Betroffenen z.B. bei der Kirchenleitung manchmal so ankommt. Das Problem in dieser Hinsicht ist, dass es fast keinen Dialog gibt. Wir bekommen von der Kirchenleitung in Bozen und Rom oft den Eindruck vermittelt, dass es uns am besten nicht geben sollte. Dabei wird verkannt, dass uns die Kirche auch als Institution ein Anliegen ist, sonst hätten wir längst schon auf Nimmerwiedersehen gesagt. Ich weiß zur Zeit für diese Probleme auch keine Lösung.
Nein, lieber Bernhard, wir möchten dem Heiligen Geist nicht vorschreiben, wo er zu wehen hat. Wir möchten nur darauf hinweisen, dass er auch "unten" weht, in den Frauen, in den Homosexuellen, den geschieden-Wiederverheirateten. Natürlich weht er auch "oben" und in der Mitte, und .....!
Es ist klar, dass eine Predigt nicht deswegen besser ist, weil sie ein Laie hält. Zugleich scheint es mir notwendig, immer wieder, d.h. jedes Jahr wenigstens einmal, darauf hinzuweisen, dass die Laienpredigt eine Bereicherung für die Gottesdienste darstellen würde. Dadurch kommen die verschiedenen Gnadengaben des ganzen Volkes Gottes zur Geltung. Natürlich sollte es nicht nur einmal im Jahr eine Laienpredigt geben. Darauf haben wir öfters hingewiesen. Und ich mache jetzt Werbung: Wer jemanden für eine Laienpredigt braucht, möge sich bei der Initiativgruppe melden. Wir vermitteln gerne jemand, wenn es möglich ist.
Zum Pfarrgemeinderat: Ich glaube, dass er eine wichtige und gute Einrichtung ist. Zugleich sage ich: er muss weiterentwickelt werden. Das hat auch das geringe Interesse an den eben statt gefundenen Wahlen gezeigt.
Abschließend danke ich für die kritischen Zuschriften, natürlich auch für die zustimmenden. Wir alle sind auf dem Weg und wenn wir im Gespräch bleiben, erstarren wir nicht.
Robert Hochgruber