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"Viele sind enttäuscht"

Herr Kronbichler, in einigen Gemeinden mangelt es an Kandidaten für die Pfarrgemeinderatswahlen am kommenden Sonntag. Woher rührt Ihrer Meinung nach dieses mangelnde Interesse an den kirchlichen Parlamenten?

Florian Kronbichler: Da gibt es mehrere Gründe. Die kirchliche Form der Demokratie ist amputiert. Der Chef bleibt immer der Pfarrer, auch wenn viele Priester eher hilflos sind und sicher nicht von ihrem Vetorecht Gebrauch machen. Dennoch haben viele Pfarrgemeinderäte die Erfahrung gemacht, dass die Gremien nur ein Debattierclub sind, wenn es um die Wurst geht. Die ungeduldigeren Leute, die sich einen demokratischen Durchbruch erhofften, wurden enttäuscht. Das zeigt auch das Kirchenvolksbegehren. Die Initiatoren wurden in Südtirol als Querulanten und Nörgler hingestellt. Diese Gruppe, die eine natürliche Ressource für die kirchliche Mitbestimmung gewesen wäre, wurde enttäuscht. Der Rückgang an Kandidaten ist jedoch auch numerisch erklärbar. Er spiegelt den Rückgang der Kirchgänger wieder. Und zuletzt fehlt die Attraktion, die etwa politische Gremien in Form von Sitzungsgeldern und Diäten bieten.

Sie kandidieren wieder für den Pfarrgemeinderat. Warum?

Mein Pfarrgemeinderat war ein nettes Gremium. Ich als sitzungs- und gremienverdorbener Mensch habe die sehr gemischte Gesellschaft genossen. Ich muss zugeben: Das abwechslungsreichste Gremium, in dem ich seit Beginn meines politischen Engagements gesessen bin, war dieser Pfarrgemeinderat."

Interview mit Florian Kronbichler, ff Redakteur, Tageszeitung vom 16.11.2000




"Nordkorea: 3000 Katholiken, kein Priester"

Erstmals durften sie in der einzigen römisch-katholischen Kirche Nordkoreas eine heilige Messe feiern, an der etwa 100 der 800 in Pjöngjang lebenden Katholiken teilnahmen. Es gibt offiziell 3000 Katholiken in Nordkorea, aber nicht einen einzigen Priester".

Dolomiten vom 15.11.2000




"Der Wunsch nach einem eigenen Priester ist allerorts ein großes Anliegen. Wo dies nicht möglich ist, wird das Modell der Gemeindebegleitung durch Pfarrkuratoren oder Pfarrmoderatoren akzeptiert sagt der Nordtiroler Bischof Alois Kothgasser bei einem Medienempfang. In vielen Dekanaten wird ausdrücklich der Wunsch nach der Weihe bewährter verheirateter Männer und die Öffnung des Diakonates auch für Frauen gewünscht ".

Dolomiten vom 13.6.2000




"Kardinal Martini hat in einem Interview erneut eine Reform der kirchlichen Strukturen in Richtung mehr Kollegialität der Bischöfe vorgeschlagen. Zwar glaube er nicht, dass jetzt die Zeit für ein neues Konzil gekommen sei, doch sollten hin und wieder einige Themen in wirklich kollegialer Weise von den Bischöfen diskutiert werden. Als ein Beispiel nannte Martini die Ökumene. Hier müssten Wege gefunden werden, die anderen kirchlichen Gemeinschaften tatsächlich in den Diskussionsprozess einzubeziehen. Als mögliche neue Struktur für kollegiale Beratungen schlug Martini eine Versammlung der Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen vor, die frei über die Tagesordnung entscheiden könnten. Die bisherige Struktur der Bischofssynode weise gewisse Schwierigkeiten auf. Es sei mühsam, in nur vier Wochen zu gemeinsamen Entscheidungen über delikate Fragen zu gelangen."

Dolomiten vom 4.10.2000




Wenn viele sich nicht wiedererkennen

"Die herkömmliche Fronleichnamsprozession war und ist vielfach eine Glaubensdemonstration. Das zeigt sich unter anderem an den Heiligen, die mitgetragen werden. Den jungen Menschen wird der hl. Aloisius als Vorbild hingestellt, den Männern der hl. Josef, den Mädchen und Frauen die Unbefleckte Gottesmutter.

Trifft das auch das Lebensgefühl des heutigen Menschen? Dieser hat eine positivere Einstellung zur Geschlechtlichkeit als früher. Man kann mit ihm sicher vom verantwortlichen Umgang mit seiner Geschlechtlichkeit reden, aber sie verteufeln oder unterdrücken? Seit Jahrzehnten ringt die Kirche mit der Frage der künstlichen Empfängnisverhütung, doch der Laie hat das längst für sich entschieden. Wie soll also der h.. Josef mit der Lilie eine Anziehungskraft auf ihn ausüben!

Ohne auf die vielfältigen Probleme der Jungfräulichkeit Mariens einzugehen, so ist doch zu sagen, dass Ursünde und Erbsünde im Zeitalter der Entwicklungslehre kein Verständnis finden und Jungfräulichkeit nur einen kleinen Teil der Frauen betrifft. Wegweisung erwächst daraus für die Menschen kaum. Die Kirche kann an solchen Anschauungen festhalten, darf sich aber nicht wundern, wenn viele Menschen sich darin nicht wiedererkennen. ...

Alle solchen Überlegungen können uns zeigen, dass die traditionelle Fronleichnamsprozession wohl neu überdacht werden muss."

Paul Pardatscher, Altdekan von Meran, ff vom 13. Juli 2000, S. 28.




Das Geheimnis jener Nacht

Beim Lesen des Weihnachtsevangeliums

"die ein Kind erwartete":

ein Kind erwarten der Alltag mühseliger als sonst, und doch alles eingehüllt vom Gefühl der Erwartung, des Werdens, des neuen Lebens in mir, Sehnsucht, Ungeduld, aber auch Angst vor der ersten Geburt. Wie war das bei Marias? Nicht nur der Alltag mühseliger als sonst, es wird ihr eine Reise nach Bethlehem vorgeschrieben, eine fast unmenschliche Anstrengung, die Ungewissheit wo kann ich bleiben? - und dann die Geburt in einem Stall, sicher nicht romantischer als in einem Kreißzimmer kalt, ohne fachliche Hilfe

"und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen":

sie gebar nicht: er wurde geboren; das Kind ist endlich da, das erwartete ein Gefühl der Freude, ein Gefühl zwischen Lachen und Weinen, so hab ich es empfunden so oft hab ich es gesehen in den Gesichtern der Frauen auf der Geburtenstation das Kind zum ersten Mal auf mir, in meinen Händen ein so tiefes Gefühl der Verbundenheit und des Friedens.

Ist Weihnachten auch deswegen das Fest des Friedens? So vielen ist es als Fest des Friedens wichtig, auch wenn sie sich selber nicht als gläubig bezeichnen. Vielleicht weil so viele Frauen dieses Gefühl durchlebt und ihre Männer mitgefühlt haben?

"Verherrlicht ist Gott in der Höhe und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade":

Ich fühle ein Staunen ich bin eingebunden in Schöpfung, Neubeginn, Geburt; aus mir kommt Leben!

Ein Augenblick, in dem sich Himmel und Erde verbinden auch für mich. Ein Augenblick, der meinem Leben Glanz verleiht Gott will Leben auch durch mich.

"Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden!":

Ihr werdet ein Kind finden so zeigt Er sich uns, so finden wir Ihn? So findet Er uns?

"Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach."

Auch wenn ich oft das Kind Jesus aus Nazaret aus den Augen verliere, der Zweifel und die Alltäglichkeiten mein Leben zu verschlingen drohen manchmal taucht das Gefühl der Verbundenheit mit dem Leben, mit Gott wieder auf und ein Glanz liegt auf meinem Leben.

Dr. Bernadette Haider, 42, ist Ärztin, verheiratet und Mutter dreier Kinder.

Entnommen mit freundlicher Abdruckgenehmigung aus der empfehlenswerten Monatszeitschrift der Katholischen Frauenbewegung Österreichs "welt der frau" 12/2000 S. 16. (Bestellungen bei: Welt der Frau Verlag, Lustenauerstr 21, A-4020 Linz, Österreich, 420 Schilling)