| (Brigitte Grießmair,Theologin, Milland/Brixen) |
| (Richard Schanung, Krankennseelsorger, Völs) |
| (Sepp Kusstatscher, Berufsschuldirektor, Villanders) |
| (Heiner Gschwendt, Künstler, Klausen) |
Ich möchte meine Wünsche mit einem Bibelwort ausdrücken, nämlich mit jener Bitte, die im 1. Buch der Könige Salomo in den Mund gelegt wird und die in der Übersetzung der Elbersfelder Bibel lautet: "So gib denn deinem Knecht ein hörendes Herz, dein Volk zu richten, zu unterscheiden zwischen Gut und Böse".
Salomo bittet um die Fähigkeiten, die ihm als Voraussetzung scheinen, das Volk in rechter Weise zu führen und zu leiten. So richten sich meine Wünsche vorrangig an jene, die nach heutiger Lage die Leitung des Gottesvolkes innehaben:
Ich würde mit wünschen, dass die kirchlichen Amtsträger und die Institution als solche sich als Knecht und Magd verstehen, also in Dienstfünktion für das Volk Gottes, nicht als Herrschaft oder als Selbstzweck.
Ich würde mir wünschen, dass Kirche zunächst auf die Probleme auf die Sehnsüchte der Menschen schaut, dass sie auf den Glaubenssinn des Volkes hören lernt. Hören als Voraussetzung, um jenen geschwisterlichen Dialog wieder aufzunehmen, der mit dem Konzil begonnen hat. Ich würde mir wünschen, dass Kirche vorrangig hauptsächlich mit Herz in Verbindung gebracht wird und nicht mit dem erhobenen Zeigefinger und zwar mit einem Herzen, das so weit und groß ist, dass vieles Platz hat, auch das menschliche Scheitern. Ich denk da an die geschiedenen Wiederverheirateten; auch an jene Menschen, die immer noch als außerhalb einer Norm stehend gesehen werden z. B. die Homosexuellen. Also Herz, Herzlichkeit, Herzensgüte, Beherztheit im Auftreten. Das was König Salomon mit "richten" sagt, hat in der Bibel immer den Sinn von "dem Recht Geltung verschaffen", sich für das Recht der anderen einsetzen, und da stellt sich mir für die Kirche die ganze Frage der Laien und zugespitzt noch einmal die Frage der Frauen.
Ich wünschte mir, dass es möglich wäre, dass Frauen in der Kirche das Recht hätten, ihre Berufung zu leben, ihren Stand selbst zu wählen, ihre Begabungen zu entfalten, zu verwirklichen, und zwar auf allen Ebenen der Kirche. Und es geht dabei nicht nur um das Recht der Frauen, es geht auch um die Fülle und Ganzheit der Kirche. Denn es kann nicht gut sein, dass die von Gott gegebenen Begabungen der grösseren Hälfte der Kirche verhindert, behindert und unterdrückt werden.
Ich wünschte mir, dass die Kirche unterscheiden lernt zwischen Gut
und Böse; und Gut ist in der Bibel immer das was Leben fördert,
Entwicklungen ermöglicht, was Wachstum bringt und dass sie dabei nicht
nach der Art der Jünger handelt, die allen alles sofort ausreissen
wollen, was ihnen als Unkraut erscheint, sondern dass sie im Vertrauen
auf den Herrn der Ernte Wachstum zulässt und andererseits sich auch von
dem zu trennen vermag, was nicht mehr tragfähig ist, was Leben nicht
mehr fördert.
Es ist mir von Roland und von den Organisatoren gesagt worden, dass ich drei Wünsche äußern kann. Wer tut das nicht mit Freude und deswegen habe ich das auch gerne angenommen.
Ich heisse Richard Schanung, ich war 15 Jahre lang als Priester im Dienst unserer Diözese. Da lernte ich eine Frau kennen und aus Zuneigung wurde Liebe. Es begann so eine sehr schöne aber auch eine sehr schwere Zeit für mich. Zweifel und Ängste traten immer wieder auf, die Geheimhaltung dieser Liebe und das Versteckspielen waren belastend. Der Leidensdruck für sie und für mich wurde immer unerträglicher. Die Erkenntnis, dass dieses Leid nicht sein müßte, also vermeidbar wäre, machte mir sehr zu schaffen. Doch wie sollte ich aus diesem Dilemma herauskommen. Beides war mir wichtig, das Priesteramt und die Liebe zu dieser Frau. Ich sollte mich entscheiden, obwohl beides für mich wertvoll war, ich sah jedoch ein, dass es keinen anderen befriedigenden Ausweg gab. Und so traf ich eine sehr durchlittene Entscheidung, eine die gar nicht getroffen werden müßte und die so oder so sehr schwerwiegende Konsequenzen hatte. Nun bin ich verheiratet, wir haben ein Kind, aber bin ich deswegen kein Priester mehr? Ich würde gern mein Amt weiterhin ausüben und ich bin überzeugt, dass ich ein guter Seelsorger wäre, auch mit Familie.
Kurz was ich mir wünsche:
Ich bin sicherlich nicht hier um jemanden anzuklagen, ich muss auch sagen, dass ich verständnisvolle und gute Gesprächspartner habe, auch in den obersten Rängen unserer Diözese.
Zu meinem ersten Wunsch noch kurz:
Ich habe es so beschrieben, das Charisma des Zölibates - aber die Enge des Zölibatsgesetzes. Die Aufhebung des Zölibatsgesetzes würde meines Erachtens sehr viele Probleme lösen, wenn sicherlich auch nicht alle, denn nicht alle Menschen, die zum Priester berufen sind, sind zugleich auch berufen, ehelos zu leben. Das Leid der Betroffenen, ihrer Frauen und Kinder würde vermieden, die Unehrlichkeit und das Versteckspielen hätten ein Ende. Wir würden sicherlich mehr Priester haben, zölibatäre und verheiratete. Der Zölibat selber würde ja nicht abgeschafft, er würde ja bleiben, aber dann wirklich als Charisma, als Zeichen der Verbundenheit mit Christus und so wird er auch ein Segen für die Kirche sein. Das Zölibatsgesetz ist es mit Sicherheit nicht.
Zum zweiten Wunsch: Den Menschen in den Mittelpunkt stellen: Auch im Hinblick auf meine Erfahrungen, die ich gemacht habe. Wir haben da z. B. einen jungen Menschen, er möchte Priester werden, aber die Hürde des Zölibates kann oder will er nicht nehmen. Und andererseits haben wir da einen Priester, er liebt eine Frau, ist aber gerne Priester und möchte es auch bleiben. Es muss also möglich sein, eine Lösung zu finden, die dem Menschen gerecht wird, die seine Anliegen und seine Berufung ernst nimmt, denn kann man mit gutem Gewissen diese Menschen einem Gesetz opfern? Auch gäbe es für die Berufungspastoral ganz befreiende Konsequenzen.
Und drittens: Die Belange der Seelsorge müssen Priorität haben, denn
es wird für die Zukunft immer schwieriger werden, eine Form der
Seelsorge anzustreben, die den Glauben und die menschliche Begegnung in
den Mittelpunkt stellt. Und auch die Feier der Eucharistie und die
Spendung der Sakramente wird nicht mehr gewährleistet sein. Gott sei
Dank können heute Laien in der Seelsorge mitarbeiten, oft sehr engagiert
und kompetent. Geben wir ihnen die Möglichkeit, gewisse Bereiche der
Seelsorge in Eigenverantwortung zu gestalten, auch als Hauptamtliche.
Priester und Laien tragen so gemeinsam die Verantwortung für den Aufbau
einer lebendigeren Kirche. Dankeschön.
Mich hat man hier herauf geschickt, damit ich den frischen Wind spüre. Frischen Wind wünsche ich mir in drei Richtungen: Frischen Wind für Kirche und Gesellschaft und zwar in Richtung Solidarität, in Richtung Zivilcourage und in Richtung Einsatz für Gerechtigkeit.
Wir Christen mögen uns mehr bemühen um Solidarität. Wenn wir uns wirklich solidarisieren, dann haben wir, dann hätten wir Mehrheiten: Mehrheiten gegen das Kapital; wir hätten Mehrheiten gegen die Bürokraten; wir hätten Mehrheiten gegen die Politiker, Generäle und Bischöfe. Ich wünsche mir also mehr Solidarität für eine lebenswertere Welt.
Zweiter Wunsch: mehr Mut, mehr Zivilcourage. Nicht Anpassung ist gefragt, nicht Zwänge! Es geht nicht darum, dass alles funktioniert, alles systemkonform läuft. Ungehorsam war immer wieder die Voraussetzung für Veränderung. Ich wünsche uns mehr Zivilcourage und Mut zum Ausbruch aus den vielen Teufelskreisen des Alltags.
Dritter Wunsch: mehr Gerechtigkeit. Ich meine da nicht nur die
Aufteilung von Einkommen, die Aufteilung von Gewinnen. Ich meine auch
Aufteilung von Arbeit, ich meine Sozialgerechtigkeit,
Naturgerechtigkeit. Es heißt irgendwo in der HI. Schrift: Gerechtigkeit
verlange ich, nicht Almosen. Vielfach ist unsere Sozialpolitik
ausgerichtet auf das Almosen verteilen. Gerechtigkeit ist die
Voraussetzung. Dann brauchen wir die Almosen nicht mehr.
Ich bin nicht Mitglied in einem eurer Vereine, aber auch als Außenstehender habe ich in vielen Begegnungen mit euch erkannt, dass ihr christliche Gemeinschaften seid, die unterwegs sind. Unterwegs sein heißt wohl sich bewegen, gehen, den Ort verändern, leben. Es könnte im Rahmen dieses Gehens sein, dass man vielleicht weg will vom geistig-religiös vollkommen verwalteten Katholiken hin zu einem neuen religiösen Menschen, der sich selbst als Kirche versteht, der sich sogar selbst als tragenden Teil einer Kirche versteht und der deshalb vielleicht das Glaubensgut, das er braucht und die Formen, die sich ihm bieten, nicht unbedingt immer zum fertigen Gebrauch verpackt erhalten möchte; der vielleicht eine. Aufgabe darin sieht, wesentliche Kernaussagen des Glaubens als Saatgut in sich hineinzuwerfen und zu warten, bis es in ihm in seinem Acker wächst und Früchte trägt; Früchte, aus denen er später in seinem Leben sogar eigenes und frisches Brot haben wird.
Wenn man unterwegs ist, wird man einsehen, und wir haben es heute
dort drüben gehört, dass das Gottesbild Geschichte herauf und herauf
immer unterwegs war und unterwegs bleiben wird, dass es kein richtiges
Gottesbild geben wird, dass wir aber ein Gottesbild brauchen, als Hilfe,
heute, jetzt und hier, dass wir es vielleicht mit eigenen Farben neu
malen. Wenn man unterwegs ist, kann es sein, dass man einen
überschaubaren geistigen Lebensraum, in dem man es sich übrigens sehr
wohnlich einrichten kann, aufgibt und sich für weitere Räume öffnet;
weiteren Räumen entgegen geht. Einzig und allein deshalb, weil man
vielleicht innerlich ein Gottesbild erlebt hat, das bereits von morgen
ist und das jenseits dieser Grenzen erlebbar wird. Diese neuen Räume
sind ja auch erst bewohnbar und überschaubar zu machen. All das braucht
Mut, Kraft und Gottvertrauen und, das wünsche ich jetzt den Vereinen,
dazu noch eine große Menge an Feingefühl. Fähigkeit des Abtastens der
Möglichkeiten, um zu sehen, wo die Grenzen sind, die man beim
Weitergehen stehen lassen soll und zu sehen wo jene Grenzen sind, die
man beseitigen kann und muß, wenn man der religiösen Sehnsucht unserer
Zeit gerecht werden will.
Auf dem Jugendfestival Online am 1. und 2. Mai in St. Michael, Eppan wurde Jugendlichen die Möglichkeit geboten, ihre Wünsche und Erwartungen an und für die Kirche zu formulieren. Mit Wünschen beschriftete Schuhschachteln wurden wie Bausteine zu einer Kirche zusammengeklebt und aufgestellt.
Einige Beispiele aus dem sehr unterschiedlichen Meinungsbild:
Geleitet wurde der Workshop mit dem Titel "Jugendliche von heute
bauen an der Kirche von morgen" von Klara Klapfer, Pastoralreferentin an
der Jugendstelle Bozen. Sie stellte auch diese Zusammenfassung zur
Verfügung.