Diözesanforum 1998
Wünsche und Perspektiven
Im Mai vergangenen Jahres hat das Katholische Forum die
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der verschiedenen kath. Verbände zu
einem Diözesanforum nach Bozen geladen. Wir geben hier die Wünsche und
Perspektiven, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gegen Ende der
Veranstaltung schriftlich geäußert haben, wider. Dabei wird deutlich, in
welche Richtung sich die Arbeiterinnen und Arbeiter des kirchlichen
Weinberges einen Aufbruch in Kirche und Gesellschaft wünschen. Bausteine
für eine lebendige Kirche haben einige Persönlichkeiten in ihren
"AusBlicken" genannt. Hier eine Auswahl davon.
Ich sehe in all diesen Beiträgen eine Bestätigung der Forderungen und
Anliegen aus dem Kirchenvolksbegehren durch viele Menschen aus dem
aktiven Teil der Kirche. Welche Wirkungen werden diese AusBlicke,
Wünsche und Perspektiven wohl haben?
Robert Hochgruber
Wenn die Kirche den Menschen und seine Zweifel aus den Augen verliert, hat sie ihre
Daseinsberechtigung eingebüßt.
Teilnehmer/innen-Beiträge beim Diözesantag des Forums am 17. Mai 1998
Mein/unser Wunsch für einen Aufbruch in unserer Kirche/Gesellschaft
ist... Welche Schritte setze ich/setzen wir... bieten sich an...
Diese zwei Impulsfragen waren Ausgangspunkt für die folgenden
zusammengefaßten Beiträge der Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Auffallend
dabei, dass hier im Wesentlichen jene Themen und Bereiche angesprochen
werden, die etwa auch beim Dialog für Österreich im Mittelpunkt der
Überlegungen standen. Sie zeichnen ein buntes Bild von Kirche und
Gesellschaft.
A) Wünsche für die Kirche
- Die Frau in der Kirche
- die Gleichstellung der Frau in der Kirche
- das Priestertum der Frau
- eine Sprache, die Frauen nicht nur meint...
- Theologinnen sollen Kompetenz und Verantwortung in der Seelsorge zugestanden bekommen
- das Diakonat der Frau
- Pfarrgemeindeleiterinnen
- Die freiwillige Entscheidung für das Zölibat bzw. mehr Verständnis & Solidarität für Priester,
die mit dem Zölibat Schwierigkeiten haben.
- Priester sollen weiterarbeiten dürfen
- Laienprediger
- mehr Schwung und Begeisterung
- die Kirche soll sich öffnen für die Vielfalt der Wege, die zu Gott führen
- mehr Verständnis für die Jugend
- Aufbruch zu Neuem
- eine Kirche für den Menschen und nicht umgekehrt
- Für den Gottesdienst
- lebendigere Gottesdienste
- verständlichere Liturgie
- in der Liturgie Kinder und Jugendliche berücksichtigen
- Änderungen der musikalischen Gestaltung
- mehr Einsatz für die Kinder in der Kirche
- mehr Einsatz für die Familie
- mehr Einsatz für die Familie in finanzieller Not
- Basisgruppen und Kirchenvolksbegehren sollen ernst genommen werden
- mehr auf Gottes Geist vertrauen
- mehr Freude und Spontaneität zum Ausdruck bringen
- mehr Mut
- mehr Verständnis für Geschiedene/Wiederverheiratete/Kommunion
- mehr Zufriedenheit mit dem was wir haben
- mehr Durchsichtigkeit
- die Kirche soll weniger Institution sein
- Dialogbereitschaft
- mehr Einsatz für Suizidgefährdete
- fundamentale Gleichheit aller Getauften
- mehr Glaubensgespräche und Wortgottesdienste
- mehr Beachtung der Senioren
- eine Diözesansynode
- einen Katholikentag
- dem Menschen klare Pflichten und Gebote sagen
- mehr Gebetsgruppen
- die Lehre Christi verbreiten
- die wegweisenden Schilder nicht übersehen
- miteinander an einer lebendigen Kirche bauen, eine lebendige Gemeinschaft
- lebendige Fachausschüsse im Pfarrgemeinderat und mehr Unterstützung
- Veränderung führt nicht immer ins Bessere
- mehr Hoffnung
- von Seiten der Priester mit Blick auf das Wesentliche
- vor lauter Bewegung das Evangelium nicht verschütten
- Einsicht, daß es nicht darauf ankommt wer es sagt, sondern was er sagt
- Priester mit mehr Herzlichkeit
- noch mehr Menschen, die sich für einen geistlichen Beruf entscheiden
- mehr Spiritualität mit mehr Kreativität
- Widerstand gegen alles, was Leben bedroht
- mehr Geistigkeit
- hinter den Widerständen die Not und das Leid dieser Menschen sehen und nicht mit
Widerstand reagieren. Diplomatie und Ausdauer verwenden um Anliegen weiterzubringen.
- mehr politischen Einsatz der Kirche
- durchhalten
- architektonische Barrieren für Behinderte in der Kirche abbauen
- Schwule und lesbische Paare sollen den Segen erhalten
- mehr Frömmigkeit von Seiten der Religionslehrer
- im Religionsunterricht das Thema Freundschaft und Partnerschaft aufgreifen und auf positive
Beispiele hinweisen
- keine Fixierung auf Moral
- weniger Gesetze und Bestimmungen
- die Kirche soll eindeutig Stellung beziehen zu gesellschaftlichen Problemen ganz konkret z.B.
die Causa Groer
- mehr Einsatz für Nicht-EU-Bürger
- mehr Toleranz in der Kirche
- nicht nur Imagepflege der Amtskirche
- für die Kirche arbeiten und nicht gegen sie
- die Relativierung von Texten
- das Ausscheiden von widersinnigen Textstellen im Alten und Neuen Testament
- die heilende Kraft des Glaubens entdecken und leben
- Theologische Kurse in Brixen sind eine gute Weiterbildung
- Mehr Mitbestimmung bei der Bischofswahl
- Traditionen mit neuen Inhalten füllen
- mehr Mitspracherecht
- alte Gottesbilder ablegen und neue, der heutigen Zeit angepaßte, malen
- Kirche und Verbände sollen sich verstärkt um die Singles kümmern
- nicht so starr am Alten (Worte, Gebete, Sprache) festhalten
- weniger starre Regeln
- gute Zusammenarbeit mit den Priestern
- klare Antworten auf konkrete Fragen
- mehr Gespräch in der Seelsorge
- kleine Aktionen starten, Wünsche und Einladungen persönlich anbringen
B) Wünsche die jeden persönlich betreffen
- bei sich selbst anfangen, Werte vorleben
- sich vermehrt darum bemühen, Kirche selbst mitzuge- stalten
- mehr Offenheit
- mehr Miteinander
- mehr soziale Gerechtigkeit, Frieden und Toleranz
- den Menschen ernst nehmen
- bessere Kommunikation, mehr Bereitschaft zur Mitarbeit
- mehr Menschlichkeit
- eine lebendigere Gottesbeziehung
- mehr Solidarität
- Abbau von Ängsten
- mehr Herzlichkeit, verzeihen können
- den Menschen ernst nehmen auch wenn er anders denkt
- mehr Hinhören können
- Vertrauen fördern
- den Menschen mehr Mut machen
- die Verinnerlichung unserer Botschaft - christliches Leben
- mehr Gespräch
- sich verantwortlich fühlen
- selbst Veränderung einleiten
- Kritik aushalten können
- mehr Liebe geben
- mehr Freude am Mitmenschen
- bessere Zusammenarbeit der Laien und der Priester
- mehr Zeit für sich selbst
- mehr Opferbereitschaft
- die nichts zu sagen haben, sollen weniger reden
- manchmal auch realistisch bleiben
- mehr Ehrlichkeit
- Hilfe zur Selbstfindung
- sich selbst als Christen ernst nehmen
- Umkehr zu einfacher Lebensweise
- Nutze den Tag, nutze den Sonntag
- mehr auf Behinderte zugehen
- viele sollen die Erfahrung machen, daß Geben auch Nehmen ist
- Trauernden beistehen (Notfallseelsorge)