Eine Frau in vielen Bildern

Maria Himmelskönigin - oder eine Frau unter uns?

Während meines Theologiestudiums war ich einmal im Sommer mit einer Gruppe von StudentInnen einen Monat lang in Israel auf den Spuren Jesu unterwegs. Eine unserer Stationen führte uns nach Nazareth, in die Stadt, in der Jesus mit seinen Eltern gelebt hat. In dieser Stadt steht eine Kirche ganz im Zeichen Mariens, der Mutter Jesu, und zwar auf ganz besondere Weise: Sie ist voll von Mariendarstellungen aus vielen verschiedenen Ländern und Kontinenten der Erde. Es ist beeindruckend, wie unterschiedlich die einzelnen Marienstatuen und Marienbilder sind, vor allem deshalb, weil in jedem Bildnis etwas von der ganz spezifischen Art der Marienfrömmigkeit des/r jeweiligen Künstlers/in bzw. des jeweiligen Landes zum Ausdruck kommt.

Ganz besonders in Erinnerung geblieben sind mir zwei Darstellungen, jene aus den USA und eine aus einem südamerikanischen Land.

Dazu ein Blick in das Neue Testament. Dort werden verschiedene wichtige Lebens-stationen Mariens in Zusammenhang mit ihrem göttlichen Sohn beschrieben:

Die meisten dieser Texte zeichnen das Bild einer bescheidenen Maria, einer Frau, die zweifellos von Gott auserwählt wurde und eine besondere Rolle zugewiesen bekommen hat, einer Frau, die stark ist im Glauben. Sie ist aber auch eine Suchende die nicht von vornherein alle Lebenssituationen locker und souverän meistert.

Darin können wir uns ihr vielleicht auf einer menschlichen Ebene verbunden fühlen, wenn wir selbst manches nicht verstehen, was uns im Leben widerfährt, wenn wir uns auf der Seite der Schwächeren fühlen, weil wir mit manchen Lebenssituationen nicht zurechtkommen. Und wir können uns an ihren Lobgesang, das Magnificat, erinnern, in dem sie Gott als den preist, der auf der Seite derer steht, die Not leiden.

Die Marienstatue aus Südamerika knüpft wohl an diese Tradition an, die Maria als die bescheidene Frau aus dem Volk sieht, die gerade deshalb Kraft gibt, weil sie von den Armen als eine von ihnen erlebt wird, die mit ihnen geht und kämpft, Hand in Hand und den Weg zu Gott weist, der sie nicht vergißt.

In unserer abendländischen Tradition hat sich stärker das Bild der himmlischen Mutter und Königin verankert, der Fürsprecherin bei Gott. Nicht nur die Statue aus den USA in der Marien-Kirche in Nazareth zeugt davon, sondern auch zahlreiche Mariendarstellungen in unseren heimischen Kirchen sowie Namen und Titel, die Maria in Liedern und Litaneien gegeben werden: glorreiche Königin, himmlische Jungfrau, starker Turm Davids, Thron der Weisheit, Königin ohne Erbsünde empfangen, Königin der Jungfrauen... um nur einige zu nennen.

Vielen ist sie damit sicher sehr nah, gibt Kraft, Geborgenheit und verleiht Zuversicht. Ich weiß aber auch, daß viele Gläubige Schwierigkeiten mit dieser Seite der Marienverehrung haben, weil ihnen Maria zu weit weg und zu erhaben ist, um eine Bedeutung für das eigene Leben zu haben.

Ich lade Sie einfach ein, Ihrem Bild von Maria nachzuspüren und sich zu fragen, wo Sie bisher Berührungspunkte zwischen Ihrem Leben und Maria wahrgenommen haben oder vielleicht in Zukunft wahrnehmen könnten....

Maria Sparber, Brixen