Erneuerungsbestrebungen in Kanada

Die Ergebnisse der Synode von Montréal

Freistellung des Zölibates in der Kirche, Frauenpriestertum, Aufnahme der wiederverheirateten Geschiedenen in die Gesellschaft. Das waren nur einige Fragen, die anlässlich der Diözesansynode in Montréal diskutiert worden sind. Geleitet wurde sie vom Erzbischof Kard. Jean-Claude Turcotte, der im Frühjahr nach Rom kommen wird, um die Ergebnisse zu präsentieren.

Die Synode fand am 28. und 29. November vergangenen Jahres statt und ist als besonderes Ereignis einzustufen, wenn man bedenkt, dass nur noch eine Synode dieser Diözese in den '50er Jahren stattgefunden hat. Es Montreal waren über 600 Teilnehmer anwesend, in der Mehrheit Laien. Dem Ereignis sind dreieinhalb Jahre Arbeit vorangegangen, in denen viele von einzelnen Pfarrgemeinden und Diözesen koordinierte Befragungen und Diskussionen durchgeführt wurden. Ein Resonanzkörper für die Geduld, die mehr als 1,7 Millionen Katholiken (von insgesamt 2,1 Millionen Einwohnern) in Montréal aufbringen mussten. Es war also eine "progressive" Synode, so wurde sie bezeichnet, obwohl am Ende die Beschlüsse über die strittigsten Fragen wie das Zölibat und das Frauenpriestertum auf der Linie der römischen Kirche geblieben sind. Diese Anliegen haben nämlich die Zweidrittelmehrheit um ein Haar verfehlt: Für die Weihe von Priesterinnen haben sich 66,33% der Wähler ausgesprochen und 66,26% haben die Freistellung des Zölibates befürwortet.

"Diese Wahlen", bemerkt Brian McDonough, eines der sieben Mitglieder des Komitees der Synode, im 'National Catholic Reporter' vom 11.12., "zeigen, dass die Delegierten keine Trennung von Rom wünschen". Allerdings, fügt er hinzu, wenn Turcotte - wie versprochen - Johannes Paul II zu bedenken geben wird, dass die Katholiken von Montréal in den Fragen der Freistellung des Zölibates und des Frauenpriestertums fast die Zweidrittelmehrheit erreicht haben, dann wird er mit einem eisigen Empfang rechnen müssen, wie man kürzlich aus der Erfahrung der österreichischen Bischöfe gelernt hat. Trotz überwiegender Mehrheit in den gleichen Fragen hat der Papst die Mahnung ausgesprochen, dass die Wahrheit nicht demokratisch oder von der Basis aus festgelegt werden kann.

Was die anderen Vorschläge betrifft, so haben diejenigen eine Mehrheit erreicht (73,3%), die das Diakonat der Frauen sowie deren stärkere Einbindung in Seelsorge- und Verwaltungstätigkeiten befürworten. Diese Resolutionen, entgegnet Kard. Turcotte, "weisen nicht die gleichen theologischen Probleme auf wie das Frauenpriestertum". Die Erzdiözese wird versuchen, sie sofort in die Tat umzusetzen, so wie jeden anderen Beschluss ihres Kompetenzbereiches.

Eine klare Mehrheit (74%) hat es auch für die Priesterweihe verheirateter Männer gegeben und (wieder 74%) für den Beschluss, verheirateten Priestern, die gezwungen waren ihr Amt niederzulegen, eine weitere Ausübung von Tätigkeiten in der Pfarrgemeinde zu erlauben. "Ein echter Fortschritt in Richtung verheiratete Priester", meint dazu McDonough, "wobei nicht an die Sorge um den Priestermangel gedacht wird, sondern an die Tatsache, dass verheiratete Männer eine besondere Erfahrung haben und dadurch ausgezeichnete Priester sind". Eine Zustimmung von 91% bekommt die Forderung, den wiederverheirateten Geschiedenen offener zu begegnen und ihnen die Teilnahme am christlichen Leben sowie die Zulassung zu den Sakramenten zu gewähren.

Die Delegierten haben auch die Notwendigkeit unterstrichen, "einen echten Dialog über Sexualmoral und Geburtenregelung" zu führen. Weitere Resolutionen beziehen sich auf die Verbesserung der Liturgie und der Predigt (die Sprache der Amtskirche ist veraltet, schwierig und nicht mehr zeitgemäß) sowie die Unterstützung sozialer Gerechtigkeit von Seiten der Kirche und der Austausch zwischen verschiedenen Kulturen.

"Wenn die Kirche nicht den Weg der Reformen einschlägt - so die Mahnung der Delegierten - läuft sie Gefahr, erst dann aufzuwachen, wenn es zu spät ist". Die Zahlen drücken es bereits klar aus: Die aktive Beteiligung am religiösen Leben ist in Montréal innerhalb von zwanzig Jahren von 80% auf 8% gesunken. "Eine Erosion, die eingedämmt werden muss."

Adista, Rom, 2. Januar 1999
Übersetzung: Francesco Agnoli