Dienst und Leben der Priester

aus der Sicht der Diözesansynode 1970-1973

l. Situation

Das Wesen der Kirche und das Leben der Gemeinden machen das Priesteramt zu einem notwendigen Beruf. Auch unsere Zeit braucht Menschen, die dem Anruf Gottes Folge leisten und ihr Leben in den Dienst Gottes und der Menschen stellen.

Der Priester muß besonders heute etwas von der Welt verstehen, in der er lebt, und auf neue soziale und geistige Entwicklungen eingehen können. Er muß zugleich selbständig genug sein, um trotz der Ratlosigkeit unserer Zeit hilfesuchenden Menschen einen Rat geben zu können. Dieser Rat muß theologisch vertretbar und darauf ausgerichtet sein, die Botschaft Christi im eigenen Leben des Priesters wie in dem der Gemeinde in die Tat umzusetzen und fruchtbar zu machen.

So muß der Priester ein Mann des Glaubens sein, der den Glauben seiner Brüder stärkt.

Die Synode anerkennt dankbar die Tatsache, daß auch in unserer Ortskirche Glaubensbrüder diesen Beruf gewählt haben und, trotz mancher Schwierigkeiten, ihr Priestertum treu und gewissenhaft leben und ausüben.

Es muß jedoch festgestellt und darauf hingewiesen werden, daß die weltweite Krise dieses Berufes sich auch in unserer Diözese immer mehr bemerkbar macht: Es herrschen verschiedene Meinungen über das Wesen des priesterlichen Dienstes, und die darin zum Ausdruck kommende Unsicherheit beunruhigt nicht nur Priester und Kandidaten zum Priestertum, sondern wirkt sich auch auf die übrigen Gläubigen aus. Immer weniger junge Menschen haben in letzter Zeit den Priesterberuf ergriffen. Ebenso haben in unserer Diözese Priester ihr Amt aufgegeben. Die Zahl der Priester nimmt daher ständig ab, damit tritt eine Überalterung des Klerus ein. Zualledem kommen immer neue Aufgaben hinzu, ohne daß alte aufgegeben oder an Laien übertragen werden.

2. Ursachen der Krise

Die Ursachen dieser Krise sind vielfältig; es sei hier auf einige hingewiesen:

  1. Allgemeine Zeiterscheinungen: Glaubenskrise, verschiedene sich widersprechende Lehrmeinungen, Verweltlichungsprozeß, mangelnde Einsatzfreude und geringe Opferbereitschaft, Autoritätsschwund.
  2. Der Priester sieht manchmal den Zusammenbruch seiner Seelsorgsbemühungen. Er merkt, daß Botschaft und Gottesdienst derzeit an Einfluß auf das Leben verlieren.
  3. Der Priester hat oft den Eindruck, daß verschiedene Organe der zentralen Kirchenleitung in ihren Unternehmungen, Gesetzen und Anordnungen mehr um Autorität, Gehorsam, Uniformismus und überholte Einrichtungen besorgt sind, als darum, wie der Priester sich entfalten und seinen Auftrag am besten erfüllen kann.
  4. Das bisherige gesellschaftliche Ansehen des Priesters ist im Schwinden, und er hat seine neue Stellung noch nicht gefunden.
  5. Auch von seiten der Laien fehlt oft das nötige Verständnis und die Bereitschaft zur Mitarbeit.

3. Bewertung

Diese Krise kann zu einer tieferen Erkenntnis dessen führen, was überhaupt Priester im Neuen Bund ist und vor allem heute sein soll. Sie kann auch ein besseres Verhältnis des kirchlichen Amtsträgers zu Welt und Gesellschaft einleiten und jene Kluft überwinden, die zwischen Amtsträger und Gemeinde, zwischen Kirche und Gesellschaft zum Teil herrscht. Aus dem Gesagten ergibt sich, daß eine kritische Überprüfung der herrschenden Auffassung vom priesterlichen Dienst berechtigt, ja notwendig ist.

Ortskirche als Ereignis der Weltkirche, Diözesansynode Bozen-Brixen, 1970 - 1973, Athesia 1974 (Gesammelte Dokumente, Dokumentation), S. 42 - 43.




Priesterrat für Laienpredigt, viri probati und Diakonat der Frau

Der Priesterrat der Diözese hat sich auf seiner Sitzung vom 10. Dezember 1998 mit der Überarbeitung der bisherigen Leitlinien der Pastoral befaßt. Laut Protokoll (Folium Dioecesanum Nr. 4/99, S. 190) wurden dabei die folgenden zukunftsweisenden Vorschläge gemacht. Bleibt abzuwarten, inwieweit diese Meinungen des Priesterrates in den neuen Leitlinien auch berücksichtigt werden.

Als ergänzende Schwerpunkte zur Neufassung der Leitlinien wurden angeführt: