Jubiläum 2000

Ergänzende Gedanken

1. Das biblische Jubiläum verlangt nicht, dass das eigene Haus verlassen wird, um nach Jerusalem zum großen Tempel zu gehen; es verlangt vielmehr von jeder und von jedem, auszuruhen" und "die Erde ausruhen zu lassen", die jüdischen Sklaven zu befreien, und zwar dort, wo jeder gerade lebt.

2. Diese Ziele sind identisch mit den Zielen der 2. Ökumenischen Versammlung von Graz im Jahre 1997 zum Thema "Aussöhnung, Geschenk Gottes und Ursprung neuen Lebens":

3. Die visionäre Kraft des Christentums und die Bewältigung der Probleme unserer Zeit:

4. Die Bewältigung unserer Vergangenheit als Kirche

Auch unsere Kirche hat in der Vergangenheit andersdenkende Menschen verfolgt und verjagt. Deshalb ist es unsere Pflicht, dafür um Vergebung zu bitten und zu versprechen, nie wieder Gewalt anzuwenden, um diejenigen zum Schweigen zu bringen, die es wagen, laut zu denken oder innerhalb der Kirche andere Meinungen zu vertreten.

5. Leben in der Kirche im neuen Jahrtausend

Willi Rotter, Bozen



Vergebung für wiederverheiratete Geschiedene im Jubiläumsjahr 2000?

In einem Leserbrief in der italienischen Kirchenzeitung Il Segno vom 9.1.1999 spricht Elio Cirimbelli, der Präsident des Bozner Beistandszentrums für wiederverheiratete Geschiedene die Hoffnung aus, daß das Jubiläumsjahr 2000 auch zu einer Vergebungsgeste für wiederverheiratete Geschiedene führen möge.

Beim Lesen der päpstlichen Bulle "Incarnationes mysterium" anläßlich der Verkündung des Heiligen Jahres 2000 sei in ihm ein Unbehagen aufgestiegen, da die wiederverheirateten Geschiedenen den Ablaß nicht erhalten könnten. Voraussetzung dafür sei nämlich der Empfang der Kommunion, was für sie nicht möglich ist.

Andererseits habe er an der Abfassung der diözesanen Handreichung für das Gespräch mit wiederverheirateten Geschiedenen mitgewirkt. Dieses Engagement der Diözese ermutige ihn, an ein großes Fest und eine große Vergebung zu glauben.

"Als Präsident des Beistandszentrums bin ich ständig mit den Betroffenen im Kontakt und erlebe täglich ihr Leiden und ihr Unbehaben wegen der aktuellen Praxis der katholischen Kirche. Ich weiß sehr wohl, daß sich nicht alle dem Problem in gleicher Weise stellen und daß viele ihre Ehekrise nicht als Möglichkeit des Wachstums leben wollten oder konnten. Für jene aber, die an den Wert der christlichen Ehe glauben und die ihr Glaubensleben auch als wiederverheiratete Geschiedene weiterführen wollen, ist die volle Teilnahme am Leben der Kirche durch den Zugang zum Sakrament der Versöhnung und der Eucharistie von vitaler Notwendigkeit und Wichtigkeit.

Ich frage mich also: ist es denkbar, daß die aktuelle Praxis der Kirche, die wiederverheiratete Geschiedene von Beichte und Kommunion ausschließt, wenigstens im Laufe des Jubiläumsjahres eine Ausnahme findet?" Er denke an Situationen, in denen neue endgültige Beziehungen eingegangen wurden, die einen ganzheitlichen Einsatz für den Partner und eventuelle Kinder beinhalten.

Nicht ganz ohne Hoffnung fragt Elio Cirimbelli abschließend, ob es eventuell auch andere konkrete Möglichkeiten gäbe.



Auch die Initiativgruppe wird beim
Forum Europäischer Christinnen und Christen,
organisiert vom der internationalen Bewegung Wir sind Kirche, in Rom vom 7. bis 10. Oktober 1999, dabeisein.

Es geht um eine kritische Begleitung der europäischen Bischofssynode, die vom 1. bis 23.10.99 in Rom stattfindet. Im Dialog sollen Themen erörtert, Bischöfe unterstützt und Erwartungen an das Europa des 3. Jahrtausends formuliert werden.

Interessierte sind herzlich eingeladen mitzufahren. Bitte sofort bei Robert Hochgruber Telefon 0039-0472-852530 melden. Auch eine virtuelle Teilnahme über Internet ist gefragt.