Die alt-katholische Kirche ist aus den Reformbestrebungen entstanden, die sich u. a. gegen die Zentralisierungsbestrebungen des römischen Stuhls wandten. Als Papst Pius IX. trotz erheblichen Widerspruchs den Papst durch das erste vatikanische Konzil 1870 als unfehlbar in Fragen des Glaubens und der Moral erklären ließ und den Jurisdiktionsprimat des Papstes dogmatisierte, verweigerten sich die Anhänger der alt-katholischen Reformbewegung diesem Dogma wegen seiner Unvereinbarkeit mit dem Glauben der alten Kirche.
Gegen diese kirchliche Opposition versuchte man mit Kirchenstrafen vorzugehen, so daß allein in Deutschland 70.000 Altkatholiken exkommuniziert wurden. Die Alt-Katholiken schlossen sich zu eigenen katholischen Bistümern zusammen, die sich sehr fortschrittliche und demokratische Kirchenverfassungen gaben.
Alt-katholische Bischöfe besitzen auch aus der Sicht des römischen Stuhls eine gültige apostolische Sukzession und sind in der Utrechter Union zusammengeschlossen. Alt-katholische Bistümer der Utrechter Union bestehen in den Niederlanden, Deutschland, der Schweiz, Österreich, Tschechien, Kroatien, den USA und Polen. Außerdem gibt es alt-katholische Bistümer auf den Philippinen.
Die alt-katholische Kirchen engagieren sich besonders auf dem Gebiet der
Ökumene. Sie haben volle Kirchengemeinschaft mit den anglikanischen
Kirchen und in Deutschland eucharistische Gastfreundschaft mit den
evangelischen Kirchen. In den alt-katholischen Kirchen ist der
Pflichtzölibat abgeschafft und in den alt-katholischen Kirchen der
Niederlande, Deutschlands, der Schweiz und Österreichs stehen Frauen
alle kirchlichen Ämter offen. In Deutschland und in Österreich gibt es
bereits Frauen als Priester.
Wodurch unterscheidet sich nun die alt-katholische Kirche von der römisch-katholischen?
Letztendlich ist es der Grundsatz: "Was alle angeht, wird auch von allen entschieden!" In der alt-katholischen Kirche ist auf allen Ebenen, angefangen von der Pfarrgemeinde bis zur Weltkirche, das ganze Volk Gottes an wichtigen Entscheidungen beteiligt. Laien bestimmen gemeinsam mit den Diakonen, Priestern und Bischöfen über den gemeinsamen Weg der Kirche.
Im römisch-katholischen Kirchenrecht gibt es auch Pfarrgemeinderäte, Pastoralräte und Synoden, in denen Laien sitzen. Im Unterschied zu alt-katholischen synodalen Gremien haben diese jedoch nur beratende Funktion. Der römische Stuhl hat kürzlich sogar Mehrheitsabstimmungen in Synoden verboten, damit nicht der Eindruck entsteht, daß es sich hierbei um demokratische Einrichtungen handelt.
Im Katholischen Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland kommt das synodale Prinzip auf drei Ebenen zum Tragen:
Mitglieder |
Entscheidungsbefugnisse |
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Durch die Verwirklichung des synodalen Prinzips sind alt-katholische Kirchen reformfreudiger: die Einführung der Landessprache in der Liturgie, die Aufhebung des Zölibats wurden in Deutschland sehr bald nach der Gründung des alt-katholischen Bistums beschlossen. Auch die Einführung der Frauenordination ist das Ergebnis eines langjährigen synodalen Prozesses, der mehrere Synoden beschäftigte und natürlich auch nicht ohne Konflikte abging.
Die Schwierigkeiten bezüglich der Frauenordination bestanden und
bestehen aber in wesentlich größerem Maße zwischen den Bistümern, die
unterschiedliche Traditionen und Vorstellungen vertraten, als innerhalb
des deutschen Bistums. Solche Meinungsverschiedenheiten wurden aber nie
als Anlaß gesehen, die Kirchengemeinschaft in Frage zu stellen. In der
augenblicklichen Diskussion um die Öffnung des dreifachen Amtes für
Frauen hat lediglich die Polnisch Nationalkatholische Kirche in den USA
die Kirchengemeinschaft mit denjenigen Bistümern aufgekündigt, die
Frauen zu Priestern (und - rechtlich möglich - zu Bischöfen) weihen.
Aber so gibt es in jedem kirchlichen Meinungsspektrum problematische
Pole(n).
Eine Gemeindeversammlung muß in jeder alt-katholischen Pfarrgemeinde mindestens einmal im Jahr einberufen werden. Meist geschieht dies aber öfter.
Die Gemeindeversammlungen, an denen ich teilnahm, haben sich mit folgenden Themen beschäftigt:
Am 14. Februar 1998 hat Elfriede Kreuzeder in Wien als erste Frau in der altkatholischen Kirche Österreichs die Priesterweihe erhalten. Dazu hat ihr die Initiativgruppe Für eine lebendigere Kirche in einem Schreiben ganz herzlich gratuliert und ihr Gottes Segen für Ihre Tätigkeit gewünscht.
Im vergangenen Herbst hat sich die Synode der altkatholischen Kirche mit überwältigender Mehrheit für die Weihe von Frauen in allen Ämtern ausgesprochen. Dafür möchten wir der "kleinen Schwesterkirche" von Herzen danken. Wir hoffen, daß dieses Beispiel auch die katholische Kirche zum Nachdenken veranlaßt und in Bewegung bringt.
Die Zeit für eine Gleichstellung der Frauen in Bezug auf kirchliche
Ämter dürfte auch in der katholischen Kirche gekommen sein. Die
Ablehnung der Priesterweihe von Frauen kann biblisch nicht ausreichend
begründet werden, ebenso erscheint das Traditionsargument nicht mehr
stichhaltig. Das Kirchenvolk denkt bereits zum Großteil anders. 69 % der
praktizierenden Katholikinnen und Katholiken in Österreich haben sich in
einer Gallup Umfrage Ende Jänner 98 für die Priesterweihe von Frauen
ausgesprochen. Auch in Südtirol gab es in einer FF-Umfrage vor
zweieinhalb Jahren 63 % Zustimmung.
In den alt-katholischen Kirchen gibt es auch Unzufriedenheit und Konflikte. Durch das synodale Prinzip sind aber Möglichkeiten gegeben, mit Konflikten offen und damit auch in für die Gemeinschaft fördernder Weise umzugehen.
Das synodale Prinzip ist mit Sicherheit kein Allheilmittel, um Menschen
an die Kirche zu binden. Es kommt hierbei sehr stark auf die menschliche
Gemeinschaft an, die in einer Gemeinde zum Tragen kommt, und die
Geborgenheit, die sie dem Einzelnen gibt.