Worte der Ermutigung und kritischen Begleitung

Zweieinhalb Jahre nach dem Kirchenvolksbegehren

Von Herzen wünsche ich, daß die Bewegung des KirchenVolksBegehrens möglichst viele Kräfte und Kreise innerhalb der Grenzen des bisherigen Katholizismus und darüber hinaus erfaßt. Die römische Kirche muß lernen, daß sie inmitten moderner demokratischer Strukturen nicht länger die Haltung und das Verhalten absolutistischer Monarchien pflegen kann. Sie entmündigt sonst die Gläubigen und schreckt die Suchenden ab. Sie steht dann den Menschen und Gott ebenso im Wege wie ihrer eigenen Aufgabe.

In Dankbarkeit für Ihr Engagement und herzlicher Verbundenheit

Dr. Eugen Drewermann
Paderborn

Ich unterstütze voll und ganz die KirchenVolksBewegung Deutschland. Für einen Menschen, der rund 60 Jahre seines Lebens ehrenamtlich und vor allem hauptberuflich sein Leben in den Dienst der Katholischen Kirche gestellt hat, ist diese Bewegung ein Hoffnungszeichen.

Prof. Dr. Norbert Greinacher
Universität Tübingen, Abt. für Praktische Theologie

WIR SIND KIRCHE, weil wir sie lieben, weil wir an ihren göttlichen Ursprung und ihre erhabene Berufung zum Heil der Welt glauben. Ist unsere Liebe zur Kirche echt, ist uns sonnenklar, daß ihr durch "fromme Lügen" nicht gedient ist.

Wir glauben nicht nur, daß die Kirche stets der Erneuerung bedarf und daß wir alle, auch "Kirche von unten" dabei mitverantwortlich sind. Wir rühren uns. Wir setzen uns in Bewegung.

Unsere Hoffnung für die Kirche und unsere Freude an allem, was in der Kirche lebensträchtig und dem Evangelium treu ist, darf uns weder blind noch stumm machen angesichts von gefährlichen Mangel- erscheinungen und lebensfremden Praktiken und Strukturen.

WIR SIND KIRCHE ist uns unabdingbare Verpflichtung, an der stets nötigen Reform mutig mitzuarbeiten. Gemeinsames Bemühen bedarf der "Vernetzung".

WIR SIND KIRCHE heißt auch: Wir entziehen uns nicht unserer gemeinschaftlichen Verpflichtung. Wir wollen mit den Autoritätsträgern - nicht gegen sie arbeiten. Wir äußern Kritik und nehmen Kritik an uns an, weil wir an den Geist der Unterscheidung glauben. Wir sind auf dem Weg mit Dem, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist.

Prof. Dr. Bernhard Häring
em. Professor für Moraltheologie

Im Deutschen gibt es zwei Wörter, die einen leicht verwechselbaren Zustand beschreiben: "kindisch" und "kindlich". Die KirchenVolksBewegung ist aus dem ersten Zustand (und der Zumutung, ihn für ewig zu bewahren!) herausgetreten, sagt ein klares Nein zu dem autoritären Gott und seinen Verwaltern, um ein größeres Ja zu sagen: Wir sind ja wirklich Kinder Gottes, Erben der Verheißung, zur Freiheit berufen! " Und laßt euch nicht wiederum in das knechtische Joch fangen!" (Gal 5,1)

Prof. Dr. Dorothee Sölle
Hamburg

Das KirchenVolksBegehren war notwendig, weil es dem Engagement und den Forderungen verschiedener kirchlicher Verbände neue Impulse und neuen Rückenwind gab. Für viele in diesen Verbänden engagierte Christen und Christinnen war es eine neue Möglichkeit, festgefahrene Dialogprozesse zu überwinden. Die Stärke des KirchenVolksBegehrens liegt deshalb vor allem darin, daß es in seinen Forderungen unterschiedliche Gruppen und Verbände vernetzen kann.

Andreas Kampmann-Grünewald
BDKJ-Bundesvorsitzender

Deshalb möchte man zwei Jahre später den Bischöfen mehr denn je zurufen: Wacht endlich auf! Verhaltet euch nicht wie die ehemaligen DDR-Potentaten, die meinten, auf ewig am Volk vorbei regieren zu können, nur weil sie das selbstgemachte 'Recht', die Finanzen und vor allem die Macht der Institution hinter sich wußten. Nehmt endlich ernst:

Nein, nicht ein »Kulturkampf« gegen die Kirche droht, sondern ein »Kirchenkrampf« der Hierarchie gegenüber dem Kirchenvolk. Diese Hierarchie steuert die Kirche in Deutschland in den Abgrund der gesellschaftlichen Bedeutungslosigkeit. Man faßt sich als engagierter Katholik an den Kopf: Sind unsere Bischöfe am Ende des 20. Jahrhunderts ebenso blind und romhörig wie ihre Vorgänger in der Reformationszeit?

Nein, es besteht nicht bloß »Informations- und Gesprächsbedarf«, wie die Bischöfe gerne sagen. Es besteht Handlungsbedarf! Und man fragt sich nach deren Reaktion auf die anderthalb Millionen Stimmen: Was muß eigentlich noch passieren, damit ihnen endlich die Augen geöffnet werden? Sind sie doch allesamt nicht römische Statthalter, sondern Diener des Kirchenvolkes.

Wieweit wir gekommen sind, zeigt die Lehräußerung der Glaubenskongregation, das Verbot der Frauenordination durch den Papst sei unwiderrufbar, weil unfehlbar. Soll also die Frauenverachtung unfehlbar auf ewig festgeschrieben werden? Von den Initiatoren der KirchenVolksBewegung wurde eine breite Diskussion in die Wege geleitet um zu überlegen, mit welchen Mitteln die Bischöfe zur Änderung bewegt werden können. Folgende Schritte erwartet das Volk von ihnen:

Der Worte sind genug gewechselt, laßt uns endlich Taten sehen.

Prof. Dr. Hans Küng
Tübingen