Dekanekonferenz und Pfarrgemeinderäte

Auch Resignation und Amtsmüdigkeit

Die Dekanekonferenz hat sich am 14. Oktober 1997 zu einer Sitzung getroffen. Beim Tagesordnungspunkt 25 Jahre PGR in der Diözese fand eine "Gemeinsame Aussprache über die Arbeit des PGR in der Mitwirkung bei der Leitung in den Pfarrgemeinden" statt. Hier einige interessante wörtliche Auszüge aus dem Protokoll (Folium Dieocesanum, Jänner 1998, Nr. 1, S. 26 - 30):

"Der Bischof selbst sieht den PGR als eine tragende Struktur innerhalb des kirchlichen Lebens, die durchaus von der Gemeinde anerkannt und geschätzt wird. ... Die große Bereitschaft zur Mitarbeit der einzelnen PGR-Mitglieder" wird vom Bischof und den Dekanen "besonders hervorgehoben". "Der PGR sei eine große Hilfe und Stütze in der Seelsorge und es wäre nicht mehr denkbar, ohne ihn zu arbeiten. Es sei auch angenehm zu wissen, daß anstehende Entscheidungen nicht mehr vom Pfarrer alleine getroffen werden müssen, sondern daß die Verantwortung gemeinsam mit einem Gremium getragen wird." (Anmerkung: Also werden im PGR doch Entscheidungen getroffen.)

"Trotz aller positiven Erfahrungen wird aber auch festgestellt, daß die meisten Ratsmitglieder nach Ablauf einer Amtsperiode kaum mehr bereit sind, für eine weitere Arbeitsperiode zu kandidieren. Eine Ursache hierfür könnte sein, weil die Ausschüsse des PGR Erfolge vorzuweisen haben und diese Erfolge innerhalb des PGR nicht so zu verzeichnen sind. Ebenso ist oft eine gewisse Amtsmüdigkeit festzustellen. Wünschenswert wäre auch eine klare Grenzabsteckung zwischen dem PGR und dem VVR, weil es auch hier immer wieder zu Unstimmigkeiten komme.

Der Bischof möchte auch wissen, wie innerhalb des PGR ein Konsens gefunden wird. Hier wird festgestellt, daß die seelsorglichen Anliegen, für die der PGR verstärkt sensibilisiert werden müßte, im Vordergrund stehen sollten. ... Im Allgemeinen fällt es nicht schwer, einen Konsens innerhalb des Rates zu finden. Schwierigkeiten kann es allerdings bei der Aufteilung der vorhandenen Geldmittel geben.

Bei der Frage der Mitentscheidung betont der Bischof, daß diese auch Sachwissen und eine gewisse Kompetenz voraussetzt; diese könne aber nur durch Weiterbildung angeeignet werden. Genau hier gibt es aber Schwierigkeiten, wie gleich mehrere Dekane betonen: Die Ratsmitglieder sind kaum bereit, angebotene Kurse zu besuchen, zum einen, weil die oft recht weit entfernt sind und zum anderen, weil die Zeit einfach nicht mehr vorhanden ist." (Anmerkung: Wo bleibt die öffentlich vielbeschworene Kompetenz der PGR Mitglieder? Fortbildung ist nie genug. So könnte Mitentscheidung verweigert werden.).

"Auf die Frage des Bischofs hin, ob der PGR nur beratende Funktion hat oder ob seine Entscheidungen nicht auch meistens durchgeführt werden, entsteht eine Diskussion über die Statuten, wo ihm nur »beratendes Stimmrecht« Statuten I., 3) zuerkannt wird, was sehr oft als belastend erfahren wird. Schwierigkeiten bereitet auch jener Passus, der angeblich besagt, daß der Pfarrer immer noch ein Vetorecht innerhalb des PGR habe. Mitterhofer greift hier klärend ein und betont, daß der PGR beschließt, wenn der Pfarrer mit der Mehrheit übereinstimmt (Statuten IV., 7). Er legt dabei besonders Wert auf die positive Formulierung. Wenn der Pfarrer einen Mehrheitsbeschluß nicht akzeptiert, gibt es von Seiten des PGR immer noch die Möglichkeit des Rekurses (Statuten IV., 7).

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die Pfarrgemeinderäte gut mitarbeiten, daß Weiterbildung notwendig ist, die Mitarbeiter aber nicht überfordert werden dürfen und daß auch eine spirituelle Haltung für die Arbeit innerhalb des PGR notwendig ist."



Es ist erfreulich, daß die Probleme im Zusammenhang mit den Pfarrgemeinderäten auch auf der Ebene der Dekane und des Bischofs wahrgenommen werden. In der Diskussion im Rahmen der 25-Jahr-Feier der PGR und rund um die Laieninstruktion wurden die Schwierigkeiten großteils verschwiegen. Das Protokoll stellt eine nachträgliche Bestätigung vieler unserer Äußerungen dar. Hoffentlich wird bei der Erneuerung der Statuten vor der kommenden Neuwahl der PGR im Jahr 2000 auch den Erfahrungen der Dekane Rechnung getragen.

Robert Hochgruber