Literarischer Kreuzweg
Karfreitagsliturgie

"Scharr mein Tödlein aus dem Sand"

Die Initiativgruppe hat auch heuer wieder am 4. April 1998 als Beitrag zur Fastenzeit einen "Literarischen Kreuzweg" mit Gedichten der Kärntner Lyrikerin Christine Lavant veranstaltet. Das Motto lautete: "Scharr mein Tödlein aus dem Sand".

Ein geradezu zärtliches Nahverhältnis zum Tod bringt die leidende Dichterin in einer nächtlichen Todesvision zum Ausdruck:

statio quarta

Scharr mein Tödlein aus dem Sand,
Mond, und leg es auf dem Rand
meines Bettes nieder.
Sieben Mutterlieder
gehen schon auf meiner Zunge
rund herum und in der Lunge
pfeift der Atem leise mit.
Geh doch einen Schritt
ab von dem genauen Wege,
grab mein Tödlein aus und lege
seine Wange an die meine.
Jede Nacht, die ich verweine,
stiehlt ja dir, dem Zeitenbringer,
nutzlos unterm kleinen Finger
große Stunden fort:
Stunden, die sich selbst zerschlagen,
und sie könnten Rosen tragen,
wenn ich Wort für Wort
von dem Mutterlieder - Segen
dürfte um mein Tödlein legen,
bis es sanft in meinen Armen
wachsen würde und erwarmen.





Richtigstellung

Ein Priester fühlte sich durch einige Aussagen im Artikel "Pfarrer Niederstätter, Bischof Wilhelm, der Spiegel und die Zukunft der Kirche" (Impulse von unten 1/98) verletzt, da sie in verallgemeinernder Weise auf alle Priester ausgedehnt wurden. Es tut mir leid, daß dies geschehen ist und ich entschuldige mich dafür. Mir ist bewußt, daß sehr wohl einige Priester selbständig denken und handeln. Das Problem scheint mir zu sein, daß oft dieses selbständige Denken nach außen hin nicht deutlich gemacht wird. Dies wollte ich aufzeigen und als positives Beispiel Pfarrer Niederstätter erwähnen. Eine ältere weise Frau sagte mir nach dem Lesen des Artikels, ich hätte die Situation richtig beschrieben. Es sei aber hart, das so mit Namen genannt gesagt zu bekommen. Daran sei man in der Kirche nicht gewohnt. Auch gäbe es Verallgemeinerungen im Artikel, die nicht auf alle Priester zutreffen. Da stimmte ich ihr zu.

Robert Hochgruber