Der Aufruf zur Laienpredigt am letzten Jännerwochenende hat in der Presse einen beachtlichen Widerhall gefunden. In Leserbriefen wurden positiven Erfahrungen, aber auch Ängste um die Aufgaben des Priesters deutlich. Dreierlei ist mir bewußt geworden:
1. Die Laienpredigt ist weiter verbreitet, als man meint. Ich könnte
mehr als 10 Pfarreien nennen, wo sie regelmäßig oder unregelmäßig
praktiziert wird - meist ohne großes Aufsehen. Und wenn dann Silvius
Magnago in Lana bei der Initiative Junge Kirche eine Dialogpredigt hält,
so steht das auf der ersten Seite des Kath. Sonntagsblattes. Auch das
war eine Laienpredigt - verboten laut der jüngsten Instruktion aus dem
Vatikan. Ich könnte mir vorstellen, daß sich die Laienpredigt so
entwickelt, wie die Frage der Ministrantinnen. Sie waren aus
seelsorglichen Gründen nicht aufzuhalten.
2. Bei der Pfarrversammlung Mitte Jänner in Tschötsch hat sich die
überwältigende Mehrheit in einer Abstimmung für die Laienpredigt
ausgesprochen: einige Male im Jahr zu bestimmten Anlässen. Der
Pfarrgemeinderat hat den Beschluß ratifiziert. Auf die Bestimmungen in
der Laieninstruktion war ausdrücklich hingewiesen worden. Das zeigt für
mich, daß die Offenheit für diese neue Form der Seelsorge da ist. Es
zeigt aber auch, daß die Initiative dazu von Laien ausgehen kann und
vielleicht soll. Ich hatte den Antrag eingebracht, dem auch der Pfarrer
öffentlich zugestimmt hat. Letzteres war sicher wichtig.
3. Die Laienpredigt muß längerfristig geplant werden. Ansonsten ist
es schwierig, dafür geeignete Personen zu gewinnen. So haben wir
beschlossen, einen Plan für ein Jahr aufzustellen. Zwei, drei Personen
aus der Pfarrei und eine oder zwei von auswärts übernehmen die Predigt
an den festgesetzten Sonntagen. Wir werden sehen, wie es damit klappt.
Ich hoffe, daß auch andere Pfarreien diese oder ähnliche Versuche
starten werden.
Robert Hochgruber
Nach dem Erscheinen der Laieninstruktion wurde berichtet, daß Bischof
Walter Kaspar von Rottenburg / Stuttgart 100 DM verwettet habe, die er
dem verspreche, der ihm nachweisen könne, daß die Instruktion gegen das
2. Vatikanum verstoße. Wie ich nun dem Sonntagsblatt der Diözese
entnehme, hat Bischof Walter diese Wette verloren und im Diözesanrat
auch bezahlt. Er hat eingesehen, daß die Instruktion tatsächlich in
wesentlichen Punkte gegen das 2. Vatikanum verstößt.
Was kann man daraus lernen, fragt sich der Beobachter..... ? Auf Bischof Walter kann man sich verlassen. Er zahlt seine Wettschulden. Das ist doch auch was - oder ? Ein Schelm, der andere Folgerungen ziehen sollte.
Pfarrer Klaus Braden, Nattheim