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Kirche bittet um Vergebung

Ricardo Blazquez, Vorsitzender der Spanischen Bischofskonferenz, hat um Vergebung für »konkrete Aktionen« der katholischen Kirche während der spanischen Bürgerkriegswirren (1936-1939) gebeten. Damit hat sich Spaniens katholische Kirche zum ersten Mal für ihre Rolle während des Bürgerkriegs entschuldigt. Bislang hatte sich die katholische Kirche zum Opfer der Zweiten Spanischen Republik im Bürgerkrieg erklärt und die Forderung von kirchlichen Basisgruppen, sie solle für eigene Schuld um Vergebung bitten, abgelehnt. Der Vatikan hat kürzlich knapp 500 katholische Bürgerkriegsopfer als Märtyrer seliggesprochen.

Publik Forum, Nr. 23, 7.12.2007


Mehr Anpassung

Drei Viertel der Befragten wünschen eine Anpassung der Kirche an gesellschaftliche Erfordernisse. Die höchste Zustimmung findet die Kirche für ihre Antworten auf Fragen zum Sinn des Lebens (77,5 %) sowie zur Ethik und Moral allgemein (65.5 %). Weniger einflussreich wird die Haltung der Kirche in Bezug auf Erziehung oder Paarbeziehung (47,6 %) oder auf gesellschaftliche Probleme (34,3 %) erachtet. Religion wird zwischen Verweltlichung und Abkehr vom Weltlichen gelebt.

Ergebnisse der ASTAT-Studie „Lebensformen und Werthaltungen in Südtirol“, Dolomiten vom 4.6.2007


Priestermangel in Tirol

In zehn Jahren wird es in Tirol voraussichtlich von derzeit 229 nur mehr 80 Priester geben. Die Seelsorger seien derzeit im Schnitt 64 Jahre alt. Wenn man davon ausgehe, dass die meisten mit 70 Jahren in Pension gehen, müsse man mit einem Rückgang in diesem Ausmaß rechnen, gab Seelsorgeamtsleiterin Elisabeth Rathgeb auf einer Pressekonferenz bekannt. Dieser Entwicklung sei man mit der Schaffung von so genannten „Seelsorgeräumen“ begegnet. Dies bedeute, dass ein Pfarrer mehrere Gemeinden gleichzeitig betreut.

Dolomiten, 11.1.2007


Jesuit: Zölibat lockern

Die Weihe von „viri probati“ hält er für ein probates Mittel. „Erprobte Männer“ sollten die Priesterweihe erhalten, auch wenn sie verheiratet sind. Diese Ansicht vertritt ein Jesuitenpater, der eine Priesterausbildung leitet: der Regens des Internationalen Priestersemiars Canisianum in Innsbruck, Gerwin Komma.

Bei aller Wertschätzung für den Zölibat meint Komma: Auch „viri probati“ sollten als Priester nicht tabu sein. „Dies hätte schon vor 20 Jahren ermöglicht werden sollen“, sagte er laut Tiroler Tageszeitung bei einer Wallfahrt von Priestern und Diakonen.

Vor gut zehn Jahren hatte auch Innsbrucks Altbischof Reinhold Stecher eine offene Debatte über die Priesterweihe von „viri probati“ gefordert.

ff Nr. 38 /2007 vom 20.9.2007


Spiritualität boomt abseits der Kirchen

Trotz des Booms für Spiritualität haben die Kirchen kaum Zulauf: Darauf wies der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner unlängst hin. Das Lebensgefühl des modernen Menschen bestehe darin, in seiner Lebenszeit möglichst „optimales und leidfreies Glück“ zu erlangen, so Zulehner. Hast, Überforderung und Angst, zu kurz zu kommen, seien die Folgen. Den Kirchen riet Zulehner, genau zu studieren, was die Menschen heute wirklich suchen: Heilung, Gemeinschaft, Festigkeit, Weite und Vorbilder. Es müsse auch einen Dialog mit Menschen geben, die außerhalb der Kirchenmauern ihrer spirituellen Sehnsucht folgen.

Tiroler Sonntag, 2.3.2008


„Religion ist das Gefährlichste“

Die österreichische Künstlerin Valie Export, eine Pionierin der feministischen Avantgarde der 60er Jahre, über Religion:

Tageszeitung: Welche Themen sind für sie relevant heute, wo sehen Sie die Gefährdungen?

Die Auseinandersetzung mit der Religion. Das ist für mich das Gefährlichste. Nicht nur von islamistischer Seite, sondern überhaupt in Bezug auf die Frage, was man sich von Religion erwartet und welche Funktion sie nicht haben darf. Der ganze Terrorismus ist ja eine Religionssache, und die katholische Kirche ist ja auch nicht ohne. Dass Priester nicht heiraten dürfen oder Frauen nicht Priester werden dürfen, ist ja nicht so weit entfernt von islamistischen Standpunkten.

Tageszeitung, 20.3.2008, S. 23