Abschied

Ingrid Thurner zum Gedenken

Der 13. März wird als Tag der Trauer in die Geschichte der Bewegung „Wir sind Kirche" eingehen. An diesem Tag ist ihre langjährige Vorsitzende Ingrid Thurner nach langer schwerer Krankheit im 64. Lebensjahr zur Gott heimgekehrt. Die zuletzt im Burgenland wohnhafte Tirolerin hat aus tiefem Glauben ihr ganzes Leben in den Dienst Gottes und der Menschen gestellt. Die Palette des Einsatzes der begeisterten Jesusnachfolgerin reichte vom Dienst als Pfarrsekretärin über die Mitgliedschaft im Leitungsgremium der Erneuerungsbewegung „Für eine bessere Welt" bis zum Vorsitz der Bewegung „Plattform Wir sind Kirche". Trotz mancher Anfeindungen aus konservativ kirchlichen Kreisen bewahrte sie ihren Idealismus und ihre Treue zur Gemeinschaft der Kirche.

Ingrid war auch öfters bei uns in Südtirol, sei es bei Pressekonferenzen, sei es bei einer Vollversammlung. Wir haben sie schätzen gelernt und ihr entschiedenes und aus dem Glauben begründetes Engagement für eine evangeliumsgemäße Kirche bewundert. Wir danken ihr aus ganzem Herzen dafür.

Möge sie in Gott ihre Erfüllung finden und uns von der "anderen Seite des Weges" begleiten, damit wir einmal mit ihr im Angesicht Gottes vereint sein werden.

Robert Hochgruber


wenn ich gestorben bin
hat sie gewünscht
feiert nicht mich
und auch nicht den tod
feiert DEN
der ein gott von lebendigen ist

wenn ich gestorben bin
hat sie gewünscht
zieht euch nicht dunkel an
das wäre nicht christlich
kleidet euch hell
singt heitere lobgesänge

wenn ich gestorben bin
hat sie gewünscht
preiset das leben
das hart ist und schön
preiset DEN
der ein gott von lebendigen ist

Kurt Marti (der Todesanzeige entnommen)


Warum Gott trotzdem den Menschen erschuf

Als Gott Vater am sechsten Tag seines Schöpfungswerkes noch einmal mit sich zu Rate ging, ob er den Menschen schaffen und wie er ihn schaffen sollte, da waren seine drei liebsten Töchter bei ihm: die WEISHEIT, die GERECHTIGKEIT und die BARMHERZIGE LIEBE.

  1. Zuerst trat die WEISHEIT auf und sagte: Vater, schaffe den Menschen nicht. Er wird deiner Weisheit nicht folgen. Die Menschen werden sich selbst zu Narren machen. Dafür aber ist deine Schöpfung zu gut! Gib die Schöpfung dem Wahnsinn der Menschen nicht preis!
    GOTT SCHWIEG.
  2. Da kam die zweite Tochter, die GERECHTIGKEIT, zu Wort und sagte: Vater, schaffe den Menschen nicht. Denn er wird deine Gerechtigkeit verwerfen. Es wird eine Schwester die andere verleumden vor dir und vor den Menschen. Es wird ein Bruder den anderen hassen, ja sogar töten. Die Menschen werden in ihrer Ungerechtigkeit die Hölle aus deiner Welt machen.
    GOTT SCHWIEG.
  3. Da trat die dritte Tochter, die BARMHERZIGE LIEBE, vor und sagte: Vater, was meine beiden Schwestern vorbrachten, trifft zu. Es wird das eintreten, was sie vorausgesagt haben - aber erschaffe den Menschen trotzdem!

Schenke ihm als einziger Kreatur Freiheit und Liebe. Zwar ist Freiheit missbrauchbar und Liebe verletzlich. Aber sie beide machen die Würde des Menschen und deines Schöpfungswerkes aus. Ich will zu den Menschen hinabsteigen und will sie Liebe und Freiheit lehren. Ich will sie selber lieben so, wie sie sind. Dann erst wird deine Schöpfung vollendet sein; denn die Krone deiner ganzen Schöpfung wird Liebe sein. Ich gehe zu den Menschen, und wenn es mich das Leben kostet.

Da nahm Gott der Vater diese seine dritte Tochter in die Arme, küsste sie - und erschuf danach den Menschen. Gott sucht Wege zu uns Menschen, Wege der barmherzigen Liebe.

Ludger Hohn-Kemler, Zeit erfüllt mit Leben, Herder Verlag, 1992, 7-8