In der Freiheit des Geistes
Kongress der verheirateten Priester Lateinamerikas
Der Versammlungsort für den Kongress der „Federación Latinoamericana por un Ministerio Eclesial Renovado“ vom 22 zum 25 Februar d. J. in Buenos Aires konnte kaum symbolträchtiger sein, als das Haus vom verstorbenen Bischof Jerónimo Potestá und seiner Frau Clelia. Beide waren schon seit den 90er Jahren das Herz der Diaspora verheirateter Priester und deren Familien in diesem Subkontinent Lateinamerikas. Jerónimo und Clelia waren innige Freunde von Helder Camara, dem Bischof der Armen in Recife, Brasilien. Während der Militärregierung mussten sie nach Peru ins Exil. So fand auch in Lima im Jahre 2000 der erste Kongress der Föderation statt. Dort einigte man sich, die Bezeichnung „verheirateter Priester“ aus unserem Vokabular zu streichen, da für den Beruf zum kirchlichen Dienst die Gnadengaben des Geistes, der weht, wo und in wem ER will, einem menschlichem Gesetz, wie dem Zölibat, nicht untergeordnet werden dürfen. Außerdem steht es nach dem katholischen Theologen Bernhard Häring niemandem zu, „dem Geist der Freiheit die Kanäle und Bedingungen zu diktieren, wie er zu wirken hat“.
Von diesen biblischen Quellen und vor allem von der Nachfolge Christi her, zu der alle Menschen geladen sind, gingen wir in unseren Gesprächen in Argentinien aus. Dabei einigten wir uns auf folgende Schwerpunkte:
Eine besondere Beachtung verdiente beim Kongress der informative Teil aus den verschiedenen Ländern. Anwesend waren Vertreter aus Argentinien, Brasilien, Ecuador, Paraguay und Peru. Mexiko machte sich durch einen ausführlichen schriftlichen Bericht gegenwärtig und Abdon Flores aus Chile, den wir wegen seiner einmaligen Charismen sehnlichst erwarteten, musste im letzten Moment absagen. Aus den Berichten war zu ersehen, dass der Umfang des seelsorglichen Wirkungsfeldes der verheirateten Priester vom jeweiligen Diözesanbischof abhängt. Darin ist besonders Brasilien beispielgebend, wo Vertreter der Föderation sich mit dem „Consejo Nacional de Presbíteros“ an einen Tisch setzten. Die Bischofskonferenz in Aparecida drückte ihre Wertschätzung gegenüber der Föderation aus. In Paraguay und Ecuador setzen sich die Föderationsmitglieder stark für soziale und politische Bereiche ein.
Schwieriger ist die Lage der verheirateten Priester und deren Familien in Peru, wo das konservative Opus Dei, vor allem über ihren Hauptexponenten Kardinal Cipriani, den Klerus, die Regierung und selbst de öffentlichen Kommunikationsmittel stark beeinflusst. Das hatte zur Folge, dass - besonders in Provinzstätten wie Chiclayo, Chimbote, Cajamarca und Huancayo - Vereinigungen verheirateter Priester unter der Führung nordamerikanischer Bischöfe ihre eigene, von Rom unabhängige Kirche gründeten. Verständlich, aber bedauerlich, denn „alles was trennt, kommt vom Menschen, und alles was eint, kommt von Gott“ (Johannes XXIII). Unsere kirchliche Praxis ist dabei nicht unschuldig, wie schon Bischof Stecher aus Innsbruck einmal sagte: weil sie nicht selten das Hauptgebot der Liebe menschlichen Gesetzen unterordnet.
Die vier Tage im Haus von Jerónimo und Clelia waren für mich ein einmaliges Erlebnis. Es war für alles gesorgt und die beiden Töchter der Gastgeberin überboten sich, uns den Aufenthalt angenehm zu gestalten. Im Namen Jesu, seines Anliegens wegen, haben wir uns getroffen, so wussten wir, ER war mitten unter uns. Nationale Grenzen verschwanden und wir waren ein Herz und eine Seele. Niemand gab sich als Vater, Herr oder unfehlbarer Lehrer aus. Es war eine geschwisterliche Gemeinschaft. Eine kleine Personalkirche, so wie wir das Antlitz und den Geist unserer Kirche wünschten.
Franz Wieser, Lima - Peru