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So beschreibt Karl Trojer, Terlan, das nebenstehende Werk von Günther Winter, Ingenieur und Dichter, Oberplanitzing. |
Religiosität in Deutschland untersucht
Umfrage
Über die aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung, nach der zwei Drittel der Deutschen religiös sind, schreibt "Zeit"-Autor Bernd Ulrich: "Im Streit um den Glauben geht es auch nicht anders zu als an der Börse. (...) Geht es mit dem Glauben in Deutschland nun aufwärts oder abwärts, lohnt es sich also noch, in das Christentum persönliche Energie zu investieren, oder verschwendet man sich bloß an einem historisches Auslaufmodell?"
Unter der Überschrift "Der Glaube wird frei" vertritt Ulrich die These, dass die Gegenwart "liberaler" werde, "aber nicht weniger christlich". 50 Millionen Bundesbürger seien der Studie zufolge "nicht nur einfach Kirchenmitglieder, sie glauben auch wirklich was". Zum Vergleich rechnet er vor: Der nächstgrößere Verein, der Deutsche Sportbund, hat nur 25 Millionen Mitglieder.
Egal, wie man die Zahlen deute, die Ergebnisse des "Religionsmonitors" eignen sich nach Meinung Ulrichs gut als "kleine Offensive der Gläubigen". Dabei seien es im Grunde die Kirchen selbst, die am innigsten die These verträten, dass die Gläubigen im Land immer weniger würden. "Wer direkt hineinhorcht ins Innenleben der beiden deutschen Kirchen, der wird auf einen Pessimismus treffen, der so tief sitzt, dass ihm mit Zahlen so wenig beizukommen ist wie mit guten Worten oder Gebeten."
Und tatsächlich verringern sich die Mitglieder der Kirchen, und die Menschen im Land wissen immer weniger über christliche Feiertage und religiöse Traditionen. Doch was wirklich zähle, so Ulrich, sei das "Glaubensnetto". Dies sei all das, was vom persönlichen Glauben eines Menschen übrig bleibe, wenn man das abziehe, "was nicht wirklich dazu gehört", etwa die Zwänge der Kirchen. Bei vielen Menschen im Land bestehe im Innersten weiter der Wunsch nach einem persönlichen Glauben.
Die totalitäre Versuchung von Religion
Der Soziologe Ulrich Beck von der Universität München plädiert für mehr Toleranz zwischen den Religionen und warnt vor deren "totalitären" Ansprüchen. "Aller Humanität der Religion wohnt eine totalitäre Versuchung inne", behauptet Beck und gibt ein Beispiel. So schaffe das Christentum eine Hierarchie zwischen Gläubigen und Ungläubigen, wobei es mit dem Grundsatz "Vor Gott sind alle Menschen gleich" eigentlich jegliche Hierarchie aufheben sollte. Beck schreibt: "Das Samenkorn religiös motivierter Gewalt liegt im Universalismus der Gleichheit der Glaubenden begründet, die den Anders- oder Ungläubigen entzieht, was sie dem Glaubenden verheißt: Menschenwürde, Gleichheit in einer Welt von Fremden."
Die Zeit, Hamburg, Nr. 52 - 2007