„Er glaubt selbst nicht daran“
Franz Pahls Sichtweise über den Islam
Ich bin überzeugt, dass Franz Pahl nicht an das glaubt, was er in seinem Buch „Die islamische Überrumpelung. Europa am Scheideweg zur Scharia. Glaube – Ideologie – Strategie. Was erwartet uns in Südtirol“ geschrieben hat. Die Äußerungen in diesem Buch sind unter seinem intellektuellen Niveau. Ich kenne Franz Pahl seit unserer Zusammenarbeit in der kirchlichen Jugendarbeit. Er war und ist ein scharfsinniger Analytiker. Deshalb kann ich mir nicht vorstellen, dass er daran glaubt, dass eine Weltreligion, die in allen Kontinenten vertreten ist, grundsätzlich gewalttätig ist, dass der orthodoxe d.h. sich als rechtgläubig verstehende Islam die westliche Welt überrumpeln will und wir von ihm bedroht werden, wenn wir uns unserer Identität bewusst sind.
Zugegeben, es gibt Probleme mit der Integration der neuen Mitbürgerinnen und Mitbürger unter anderem auch deshalb, weil sie Moslems sind. Zugegeben, es gibt die Heißsporne, die Islamisten, die vor Gewalt gegen andere und sich selber nicht zurückschrecken, die sich fanatisiert politisch missbrauchen lassen. Franz Pahl weiß, dass diese laut Experten etwa 20 Prozent ausmachen.
Ich bin überzeugt, dass er dies auch bedacht hat. Deshalb kann ich mir nicht erklären, warum er trotzdem entschieden hat, den Islam insgesamt als Religion zu diskreditieren, ihn nur von seiner gewalttätigen Seite darzustellen, die Ängste der hier lebenden Bevölkerung zu verstärken, den Neid um Sozialleistungen unter den Ärmsten zu schüren, die Menschen mit ihren Bedürfnissen und ihren positiven Seiten außer Acht zu lassen.
Er wird mir vermutlich darauf keine Antwort geben, sondern in brillanter, aber beängstigend verallgemeinernder, ja fast totalitärer Art und Weise seine Meinung wiederholen – vertrauend auf die Wirkung bei unsicheren und wenig informierten Personen. Franz Pahl wird mich als Idealisten abtun, der die Wirklichkeit, so wie er sie sieht, nicht wahr haben will.
Aber ich lasse mir keine Feindbilder einreden. Nachdem der Kommunismus ausgedient hat, scheint jetzt der Islam an die Reihe zu kommen. Ich weigere mich, für undurchsichtige politische Zwecke benutzt zu werden. Ich möchte mit Moslems gut zusammenleben und weiß, dass das möglich ist.
Robert Hochgruber
Bau christlicher Kirchen in islamischen Ländern
Aiman A. Mazyek, Generalsekretär des Zentralrates der Muslime in Deutschland, hat den Bau christlicher Kirchen in islamischen Ländern ausdrücklich befürwortet. Mazyek sagte, der Koran billige allen Menschen die Freiheit zu, die eigene Religion frei zu wählen und auch zu wechseln. Dass es dennoch in einigen islamischen Staaten drakonische Strafen für Konvertiten gebe, habe meist historische Gründe und sei keineswegs im Sinne des Korans.
Publik Forum, Nr. 23, 7.12.2007
So stellt sich beispielsweise heraus, dass es in den meisten islamischen Ländern eine der christlichen Bevölkerung angemessene Zahl an Kirchen gibt, dass der Sultan des Omans den christlichen Glaubensgemeinschaften im Land (50.000 Christen, mehrheitlich ausländische Arbeiter) die Kirchen und die dazugehörenden Grundstücke geschenkt hat oder selbst hat erbauen lassen, dass im Iran für die christlich gesinnten Kinder in islamischen Schulen ein christlicher Religionsunterricht vorgesehen ist, dass in Syriens Schulen Katechismusunterricht für Christen sogar Pflicht ist.
Der Vatikan selbst verfolgt seit Jahren eine verstärkte Politik des Dialogs mit allen Religionen, auch mit dem Islam, und wehrt sich gegen so extreme Töne wie die von Franz Pahl.
Den friedlich gesinnten, offenen und neugierigen Menschen verdanken wir ein offensichtlich nicht immer problemloses und einfaches, aber bisher doch friedliches Zusammenleben von Kulturen und Religionen. Selbst ernannte Retter brauchen weder Südtirol noch Europa.
Sabrina Bussani, ff, Nr. 17 2008