Reformvorschläge
In der Tat lastet die Kernarbeit in Liturgie und Seelsorge auf wenigen Schultern! Die Änderung einiger Regeln in der „Betriebsordnung“ könnte vielleicht dazu beitragen, die Anzahl kompetenter und belastbarer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufzustocken:
Mein Appell geht an alle, denen die Kirche wichtig ist, aber vor allem an alle Geistlichen, sich für diese echten Reformen geschlossen einzusetzen!
Annegret Steck, Naturns
Bitte um „mutige Schritte für Seelsorge“
Immer mehr Kirchengemeinden in Oberösterreich stellen den Pflichtzölibat infrage. Nach dem Pfarrgemeinderat von Steyr-Tabor im vergangenen Herbst hat sich nun auch jener von Dorfan der Pram (Bezirk Schärding) im Innviertel mit diesem Anliegen an den Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz gewandt. Der Pfarrgemeinderat hat den Bischof nun in einem Brief ersucht, sich angesichts des "immer kritischer werdenden Priestermangels" in der Bischofskonferenz für die Weihe von "viri probati" (erprobten Männern) und die Aufhebung des Pflichtzölibats einzusetzen. Um "mutige Schritte für eine verantwortungsvolle Entwicklung der Seelsorge" ersuchte laut "Kirchenzeitung" auch die Pfarre Schwertberg (Bezirk Perg) im Mühlviertel. Schwarz versprach, das Thema bei der nächsten Frühjahrsvollversammlung der Bischofskonferenz ansprechen zu wollen.
Dolomiten, 1./2. 3. 2008
Jesus war ein Neuerer; er verkündete Ideen, die neu waren und quer zu vielen damaligen Anschauungen lagen. Er verhielt sich zum Teil anders als erwartet. Aus diesem Grund wurde er angefeindet und musste schließlich am Kreuz sterben. Auch die Heiligen, die die Kirche erneuert haben, hatten Widerstände zu überwinden. Institutionen, auch die Kirche, tun sich offensichtlich schwer mit Menschen, die Veränderungen anstreben. Querdenkende Menschen tun sich allerdings auch manchmal schwer, brauchbare Lösungen für bestehende Probleme anzubieten.
Auch die Kirche braucht Menschen, die querdenken, die fähig sind, Schwachstellen aufzuzeigen. Beim Wunsch nach Veränderung erhebt sich die Frage, in welche Richtung Veränderungen in der Kirche gehen sollen: in Richtung von mehr Treue zum Evangelium oder in Richtung von Anpassung an die Vorstellungen einer bestimmten Gesellschaft. Von Mitgliedern der Kirche soll es auch ein Querdenken gegenüber Ideen und Trends der Gesellschaft geben. Die Gabe der Unterscheidung der Geister ist gerade beim Wunsch nach Veränderung bedeutsam.
Querdenken ist in der Kirche oft mit Kritik verbunden. Für konstruktive Kritik gibt es einige Regeln, die positive Veränderungen erleichtern. Dazu gehört, dass man zuerst das Gespräch unter vier Augen sucht (vgl. Mt 18,15) und dass die Kritik von Respekt gegenüber den Personen und von Loyalität zur Gemeinschaft geprägt ist. Hier gilt es, von den "Kindern dieser Welt" zu lernen: Ein Betrieb braucht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mitdenken, die ihre Bedenken vorbringen, die aber bei aller Kritik loyal zum Betrieb stehen.
Sozialhirtenbrief „Vom Alpha zum Omega“, Sozial-Alphabet für die Diözese Bozen-Brixen, Bischof Wilhelm Egger, 8.11.2003
Mehr Demokratie wagen - in der Kirche
In ausgeprägter Weise ist die katholische Kirche "feminisiert", im Kirchenvolk. Zwar ziehen längst auch viele selbstbewusste Frauen aus den Pfarrgemeinden aus. Doch der Verlust an Männern und damit an männlich geprägter Spiritualität lässt sich nicht übersehen. Sogar die Pfarrgemeinderäte, die einmal als Instrument handfester Mitbestimmung von Männern begehrt waren, sind inzwischen den Frauen überlassen worden. Vielleicht, weil Männer meinen, hier nichts mehr erreichen zu können?
Sind die Männer enttäuscht, haben sie resigniert, trauen sie den Räten nichts Substantielles mehr zu? Sind die Einrichtungen, die einmal die Demokratisierung der Kirche beflügeln sollten, lahm geworden, degeneriert zu einer pseudodemokratischen Spielwiese ohne echte Entscheidungsvollmacht? Können sie nur noch ein Hort unverbindlichen Miteinanderredens und abendlicher geselliger Unterhaltung sein?
Das jedoch waren die großen Konzilien und Synoden nie, wo der Streit seit jeher konstitutiv dazu gehörte, gerade in Kernthemen der Glaubenslehre. Man denke nur an die Lehrentwicklung des Dreifaltigkeits-Dreieinigkeitsverständnisses, zum Teil sogar auf regelrechten "Räubersynoden". Haben wir das schon vergessen? Das alles sind jedenfalls unangenehme Beobachtungen und Fragen, die in den Pfarrgemeinden ebenfalls kritisch diskutiert werden müssen.
Gregory Baum meint zusammenfassend, bezogen natürlich auf die katholische Sicht: "Die innere Organisation der Kirche hat eine symbolische Macht: Sie verkündet ihre Botschaft an die Gesellschaft und unterstützt die dazu passenden kulturellen Strömungen. Was die Kirche über Demokratie denkt, äußert sie weniger durch ihre prophetische offizielle Lehre als vielmehr durch ihr eigenes institutionelles Leben. Der mangelnde Dialog, die Weigerung, die Gläubigen zu Rate zu ziehen, das Fehlen von Institutionen, die zum Ideenaustausch einladen, der Ausschluss der Frauen von einflussreichen Positionen, die Gleichgültigkeit gegenüber kollegialer Beteiligung und die Ausübung einer monokratischen Autorität - all diese organisatorischen Strukturen verkünden der Gesellschaft eine Botschaft, die mit dem Respekt vor dem Subjektcharakter aller Bürgerinnen und Bürger und der prophetischen Demokratietheorie der Kirche unvereinbar ist."
Mehr Demokratie wagen in der Kirche? Für die Erneuerung des Glaubens, für die Zukunftsfähigkeit des Christseins und dessen öffentliche Attraktivität wie Relevanz ist das vielleicht doch nicht so nebensächlich, wie wir manchmal meinen.
rö, Christ in der Gegenwart, 51/2007, 425 f.