Und die Kirche empfing vom Heiligen Geist

In diesen Tagen wurde ein Engel Gottes nach Rom gesandt.
Zugleich betraten Boten des Himmels die Bischofssitze der ganzen Welt,
die Pfarrhöfe, Basisgruppen und Seminare;
sie wurden von Laien, Priestern und Ordensleuten, von Frauen und Männern,
von jungen und alten Menschen gesehen.

Überall in der Kirche erschienen die Engel und sagten zu ihr:
Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.

Die Kirche erschrak über diese Anrede und überlegte,
was dieser Gruß zu bedeuten habe, denn als Begnadete erlebte sie sich nicht!
Sie fühlte sich überfordert, verfolgt, verachtet,
an den Rand der Gesellschaft gedrängt und nicht mehr ernst genommen,
innerlich zerrissen, gelähmt und ziemlich ratlos.
 
Da sagte der Engel zu ihr:
Fürchte dich nicht, Kirche; denn du hast Gnade gefunden bei Gott.
Er vergisst nicht den Bund,
den er geschlossen hat durch das Blut seines Sohnes;
er hat Erbarmen mit deiner Schwachheit und deinen Grenzen.
 
Er erkennt die vielen,
die voller Erwartung sind für das Neue,
das kommen soll, und ihm ist es leid
um die Armen und Enttäuschten dieser Welt.

Du wirst von neuem das Wort empfangen;
es wird Fleisch werden durch dich, und du wirst es zur Welt bringen.
Du sollst deinem Sein die Namen Güte, Barmherzigkeit, Liebe geben.
Der Herr selbst wird in der Welt gegenwärtig sein,
und sein Reich wird sichtbar werden auf der ganzen Erde.

Die Kirche sagte zu den Boten des Himmels:
Wie soll das geschehen, wenn wir es verlernt haben, weiblich zu sein,
geöffnet und voller Erwartung deiner Gnade;
wenn wir gelernt haben, männlich zu handeln, im Bewusstsein unserer Macht?
Die Engel antworteten:
Du wirst wieder Empfangende werden,
arm und leer und bereit für das unerwartete Neue.
Der Heilige Geist wird dich beleben,
und die Kraft des Höchsten wird dich erfüllen.
Deshalb wird auch dein Wirken heilig und Gnade Gottes genannt werden.
Auch die Welt, deine Schwester, hat diesen Geist empfangen;
obwohl sie als schlecht und sündig galt, ist auch in ihr das Reich Gottes sichtbar.
Denn für Gott ist nichts unmöglich.

Da sagte die Kirche:
Ich bin eine Dienerin des Herrn; mir geschehe, wie ihr gesagt habt.
Danach verließen sie die Engel, und die Liebe Gottes
begann Fleisch zu werden in ihr.

Ingrid Thurner, aus: „Diapositiv“ - Biblische „Licht-Bilder“ ins Heute,
Druck- und Verlagshaus Thaur, Thaur, 135 Seiten