Meinungsforum

Meine Begegnung mit Mohammed

In dem verstaubten zugigen Busunterstand in Schabs-Außerdorf machte ich im Winter 2006 eine denkwürdige Begegnung mit dem arabischen Propheten Mohammed. Auf einer Seitenwand des Häuschens stand gekritzelt: „Mohamed (so!) war ein Epileptiker.“ Nachdem diese Bushaltestelle auch von vorwiegend im Ortsteil Raut wohnenden Menschen mit islamischem Religionsbekenntnis frequentiert wird, musste es sich wohl um eine provokante religiöse Schmähung handeln.
Obwohl die Kritzelei anonym war, vermutete ich den/die Täter in den Reihen der in unserer Gemeinde starken Gruppe rechtsradikaler Jugendlicher.

Zuallererst klebte ich mit medizinischem Pflaster, das sich leicht löst und keinerlei Spuren hinterlässt, eine Entgegnung folgenden Inhalts auf die Scheibe:

Auch der Völkerapostel Paulus soll angeblich nach der Meinung von Pseudowissenschaftern („Damaskuserlebnis“) an „Epilepsie“ gelitten haben.
Diese unbedachten und/oder bewusst provokanten Äußerungen gießen Öl in den eskalierenden Streit der Religionen bzw. der westlichen und der islamischen Welt.
Studiert zuvor gründlich den Koran, bevor ihr Gemein- (im wahrsten Sinne des Wortes) plätze missbraucht!

Ich schlage als Heilmittel vor:
Friede!
Pace!
Salam!

Natürlich zeichnete ich namentlich.
Dieses Manifest wurde übrigens mehrmals heruntergerissen.

Sodann vergewisserte ich mich auf der Gemeinde, wem die Wartung der Häuschen unterstehe und wurde auf den Vizebürgermeister verwiesen. Also machte ich diesen in einem Schreiben auf den Missstand aufmerksam, mit Kenntnisnahme des Gemeinderates. Auch den Pfarrer des Ortes informierte ich über diese Blasphemie.
Bis heute habe ich keine Antwort erhalten, noch ist dieses Gekritzel von der Gemeinde entfernt worden.

Allerdings wurde es zwei Mal ausgelöscht, stand dann aber bald wieder da. Zurzeit ist es heftig ausgestrichen mit dem drohenden Hinweis “Dio, ti guarda “ (Gott beobachtet dich!).

Als ich in dieser Angelegenheit mit verschiedenen Leuten diskutierte, meinte ein Jurist, ich sei ja nicht direkt geschädigt und solle den Protest den betroffenen Moslems überlassen. Es sei seiner Ansicht nach jedoch kein Renommee für eine Gemeinde, den Vorfall selbst sowie den Einwand einer Gemeindebürgerin zu ignorieren.

Allerdings wurde sofort ein Anschlagsverbot an den Seitenwänden angebracht, was wohl gegen meine Aktion gemünzt war.

Ich möchte mit der Schilderung dieses unliebsamen Erlebnisses keineswegs den Konflikt zwischen dem Islam und dem Christentum verschärfen, sondern aufzeigen, dass solch primitive Nadelstiche abzulehnen sind und weder die stillschweigende Akzeptanz der PolitikerInnen noch der Kirche finden dürften.

Elisabeth Agnoli, Schabs


Wer ist Kirche?

Dass „Kirche“ aus dem Griechischen „Ekklesìa“ (dann lat. „ecclesia“ – deutsch „Gemeinschaft“, dann Kirche) stammt, ist wohl den meisten Christinnen und Christen bekannt, sollte es zumindest sein, trotz aller Versuche, diese Herkunft zu verdrängen. Im Alltag hört man meistens ganz was Anderes und zwar „die Kirche“ als Verkörperung der Obrigkeit, der Autorität, der Bischöfe und (wenn auch im geringeren Ausmaße) der Priester. Als ob kein zweites Vatikanisches Konzil stattgefunden hätte, als ob der Begriff „Gottesvolk“ (d.h. die Gemeinschaft der Christen, natürlich der Laien und der Priester, ohne Unterschied, vom amtlichen abgesehen). Oder genauer gesagt: als ob man die Erinnerung an das Konzil (gefährliche Subversion, für viele Anhänger des Traditionalismus...) unbedingt verdrängen möchte. Man denke aber an die wichtigsten Formulierungen der größten Theologen unserer Zeit; Karl Rahner und Hans Küng.

Originelle Impulswerbung

Mit einer originellen Werbekampagne überraschte die Öffentlichkeit in der Fastenzeit die Diözese St. Pölten. Mit einer Serie von Plakaten, die auf 500 Standorten angebracht wurden, sollten die Menschen auf die Gegenwart Gottes aufmerksam gemacht werden. So wurden Autofahrer bei Tankstellen mit dem Spruch: „Mit mir fährst Du super. Gott“ oder „Bei mir tankst Du wahre Kraft. Gott“ begrüßt. Schnellfahrer auf den Straßen sahen sich mit der humorvollen Mahnung konfrontiert: „Fahr vorsichtig! Für ein endgültiges Treffen ist es zu früh. Gott.“ Die Aktion, die gemeinsam mit der Agentur Cayenne entwickelt wurde, kostete die Diözese keinen Cent. Sie wurde von der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien, von der epa-Holding und der Druckerei „agensketterl“ gesponsert.

Kirche In 04/2006

Karl Rahner hat mehrmals geschrieben und mündlich erklärt (bei Vorträgen, Lesungen, Vorlesungen usw.) „die Kirche sei nicht der präsente Gott (wobei er immer hinzufügte „Das wäre wohl reine Blasphemie“), sondern ein Zeichen der Präsenz Gottes“ (vgl. z.B., aber u.a. den 10. Band der „Schriften zur Theologie“, Einsiedeln, Benzinger Verlag, 1972, jetzt wieder erscheinend, wobei der Satz oft vorkommt). Klarer als so könnte man nicht ausdrücken: weder die Amtskirche darf den absoluten Anspruch erheben, zum Thema Gott, Theologie, Moraltheologie (heute wird leider fast nur die Moraltheologie von den Medien hervorgehoben), das letzte Wort zu haben, noch darf es die Kirche als Gemeinschaft der Christinnen und Christen, wobei wir aber immer nur (oder fast nur) die Stimme der Amtskirche hören.

Hans Küng (und zwar vor der Amtsstrafe, vor dem „Urteil“, was ausdrücklich zu betonen ist), und zwar Mitte der Sechziger Jahre, z.Z des Konzils schreibt: „Die Kirche ist nicht Gott: als Glaubensgemeinschaft ist sie weder Gott noch ein göttliches Wesen. Gott bleibt Gott, die Kirche ist und bleibt Gottes Schöpfung, sie ist also nicht allwissend noch allmächtig, sie ist weder autonom, noch ewig und nicht einmal ohne Sünde. Sie ist nicht die Quelle der Gnade und der Wahrheit, sie ist nicht der Herr, nicht der Retter, noch der Richter. Jegliche Vergöttlichung der Kirche ist ausgeschlossen“. Zugleich wird aber betont, dass „Wir Kirche sind, und zwar als Glaubensgemeinschaft, weil die Kirche von uns nicht verschieden ist, sie ist keine gnostische Kollektivpersönlichkeit, die uns gegenübersteht. „Wir“ sind die Kirche und wir „sind“ die Kirche“. (H. Küng, die Kirche, Freiburg in Breisgau, 1967, S. 14). Keine Tautologie, keine Wiederholung: „wir“ (als Glaubensgemeinschaft) und wir „sind“ Kirche, also wir tragen die Verantwortung des Glaubens und der Orthopraxis (also der „angebrachten“, wahrhaft christlichen Handlung), ohne jemals den Anspruch erheben zu dürfen, die Wahrheit und Gerechtigkeit verkörpern zu können, weil wir eben nicht Gott und nicht allmächtig sind, infolgedessen irren können und immer wieder werden. Wir sind also dabei, gemeinsam das Gottes Wort auszulegen und nicht einmal und für allemal (forever and ever), sondern schrittweise und „in itinere“ (auf dem Wege des Glaubens, Lebens und Handelns). Es sei mir noch ein letztes Zitat erlaubt vom Befreiungstheologen und Pfarrer in Solentiname Ernesto Cardenal, der z.Z. des Sandinismus in Nicaragua (in den 80er Jahren des letzten Jhds.) mal auch Kulturminister: „Gott sei nicht nur und nicht primär im Tempel zu verherrlichen“, wobei er sich dabei auf die Propheten und aber nicht nur auf sie bezieht.

Eugen Galasso, Bozen


„Sich nicht im Heiligen irren“. Eben.

Selbst auf die Gefahr hin, mich zwischen alle Stühle und in alle Nesseln zu setzen, möchte ich dem Text aus dem „Katechismus, der Freiheit atmet“ (in Impulse 1/April 2006, S 4) noch ein paar Gedanken anfügen.

Da steht nämlich: „Unsere Gesten, Zeichen und Riten haben nur einen Zweck: uns unablässig in Erinnerung zu rufen, dass wir für eine bessere Zukunft der Menschheit arbeiten sollen. Gottes heiliges Antlitz scheint in den Gesichtern unserer Schwestern und Brüder auf. Es ist an uns, etwas zu unternehmen,….dass der Planet Erde für kommende Generationen erhalten bleibt…. Eine gewaltige Aufgabe – ein heiliges Unterfangen!“ Alles richtig, alles wahr. Wichtig, es zu betonen. Ich stimme natürlich zu.

Dennoch ist das nur eine Seite der Medaille, sozusagen die halbe Wahrheit. Wenn ich bete, wallfahre, faste, Opfer bringe, mich zu heiligen Orten und Dingen flüchte, dann hat das durchaus auch den Sinn, Verbindung mit Gott herzustellen, Gott anzuflehen um Hilfe, Gott und mich zu überzeugen, wie wichtig mir eine Sache ist. Und es hat auch den Zweck, mich zu entlasten, weil ich nicht alles selber machen kann, mir einzugestehen, dass ich ohne Gottes Hilfe überfordert bin, mir die Gelassenheit zu geben, dass dort, wo ich nicht weiter kann, Gott eingreifen kann.

Es macht mich immer ein bisschen stutzig, wenn jemand so genau weiß, wie man mit Gott umgehen darf und wie nicht. Und vor allem, wie Gott dann reagieren darf und wie nicht. Man kann mit Gott nicht handeln – das klingt doch wirklich sehr vernünftig. Und doch gibt es nicht nur ein biblisches Beispiel dafür, dass Gott tatsächlich mit sich handeln lässt. Er lässt sich ein auf unsere menschlichen, durchaus kümmerlichen Versuche. Gott sei Dank!

Die Begegnungsformen zwischen Menschen und Gott sind vielfältig. Einen Aspekt aus der Fülle herauszunehmen und absolut zu setzen: das ist eine gängige Definition für Häresie. Und das gilt für ganz „rechts“ genauso wie für ganz „links“.

Martha Heizer, Absam


Ma resto in questa chiesa

Ma resto in questa chiesa anche perché, con uno sterminato numero di credenti, di teologi, di preti penso sia importante cambiare le regole del gioco, lavorare a questo cambiamento nella direzione del superamento della struttura gerarchica, piramidale, sacrale, maschilista. Non per sognare una chiesa senza istituzione, ma perché l'istituzione abbandoni la dittatura gerarchica e si orienti verso una struttura ministeriale aperta alla pluralità e alla mutevolezza delle voci e delle forme.

Non m'attendo che i cambiamenti vengano dalla “cupola” clericale, ma dalla radice del Vangelo, a partire dal ricordo di Gesù e delle prime comunità cristiane, secondo la fede del popolo.

Franco Barbero, Perché resto, Pinerolo, 2003, pag. 46