Geschichte
Warten - Kommen, das sind die Leitmotive der Adventszeit. Wer wartet? Wer kommt? Warten wir nicht alle? Kommt er denn auch, der Erwartete? Ist es das Kind von Bethlehem, ist es der Verheißene, von dem Jesajas sagt: „Auf Seinen Schultern ruhet die Weltherrschaft. Sein Name ist: Künder des großen Ratschlusses!“ Dieser Name klingt leicht verschnörkelt, verrätselt. Ist der Name „Christkind“ nicht einfacher? Viele machten aber aus ihm einen „Weihnachtsmann“. Doch wird denn auch noch an ihn, der kommen soll, geglaubt? „Gibt es ihn wirklich, den Weihnachtsmann?“, wenn es schon nicht mehr das Christkind oder Christus, der Herr, sein soll, sein darf! Ein kleines Mädchen aus New York hatte sich darüber ernste Gedanken gemacht.
Eines Morgens fand der Chefredakteur der New Yorker Zeitung „The Sun“ auf seinem Schreibtisch den Brief eines kleinen Mädchens. „Lieber Redakteur! Ich bin acht Jahre. Einige meiner Freundinnen sagen immer, es gibt gar keinen Weibnachtsmann. Papa aber sagt: Wenn es in der ‚Sun’ steht, dann ist es wahr! Bitte, sag mir doch die Wahrheit, gibt es einen Weihnachtsmann? - Virginia O'Hanlon.“
Francis Pharcellus Church, Redaktionsmitglied und Leitartikler der „Sun“, übernahm die Beantwortung nur zögernd und ungern. Doch dann begann er geschwind, Zeile um Zeile aufs Papier zu werfen, und so entstand der folgende Brief. Seit einem halben Jahrhundert lesen ihn Millionen von Zeitungslesern Jahr für Jahr und schätzen ihn als einen beredten Ausdruck für die Gefühle, die das Menschenherz um die vorweihnachtliche Zeit bewegen:
Ich will ein Bote
der Hoffnung sein,
Licht bringen
in die Dunkelheit.
Ich will einer sein,
der Freiheit sät
unter den Menschen,
meinen Brüdern
und Schwestern.
Das Reich bauen
auf dieser Erde,
dieser guten.
Ich will den Frieden
ansagen.
Gebete eines Brasilianers Adventkalender der Kath. Männerbewegung Österreichs, Advent 2004
„Virginia! Deine Freundinnen haben nicht recht. Sie leiden an einer Krankheit, die ihnen freilich erst später Schmerzen bereiten wird, die aber dennoch eine böse Krankheit ist. Gib Acht, dass auch du nicht von ihr ergriffen wirst: Es ist ein Leiden der Seele. Wir Erwachsenen nennen es: Zweifelsucht, Unglauben, Herzensarmut. Deine Freundinnen und die anderen, die es ihnen eingeredet haben, meinen, sie seien wer weiß wie klug, weil sie nur das für wirklich halten, was sie mit ihren Augen sehen, mit ihren Händen greifen können -und wissen doch nicht, wie wenig das ist.
Nun, kleine Virginia, stell dir einmal die ganze weite Welt vor mit Bergen und Seen, Flüssen und Meeren und den endlosen Himmel darüber mit seinen vielen, vielen Sternen! Stell Dir einmal vor, was es da für Wesen gibt im Wasser und in der Luft und auf der Erde! Der Mensch ist nur eines unter Tausenden und noch dazu ein winzig kleines. Nicht mehr als ein Käfer oder eine Ameise. Wie sollte dieser Mensch mit seinem kleinen Verstand alles sehen, alles erkennen und alles wissen? Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann. So gewiss, wie es Wärme und Fröhlichkeit, Liebe und Güte gibt, die man ja auch nicht mit seinen Augen sehen, mit seinen Händen greifen kann. Und doch gibt es sie - das fühlst du doch -, und bringen sie nicht Schönheit und Freude in Dein Leben?
Ach, wie traurig wäre die Welt ohne den Weihnachtsmann! So traurig, als ob es keine kleinen Virginias mehr gäbe, keine Märchen, keine Lieder, keine Dichter, die Geschichten schreiben - nur noch Leute, die niemals spielen, niemals lachen!
Da wären wir doch allesamt verloren, und das Licht, das ewige, das nie ausgeht, mit dem ihr Kinder die Welt erhellt, und das mit jedem neuen Kindchen neu geboren wird, würde für immer erlöschen. Nicht an den Weihnachtsmann glauben? Dann braucht man auch nicht mehr an Feen und Elfen zu glauben. Du könntest Deinen Vater überreden, am Weihnachtsabend vor jeden Kamin einen Aufpasser zu stellen, um den Weihnachtsmann einmal zu fangen - was würde es denn beweisen, wenn sie ihn nicht durch den Schornstein herab fahren sehen? Niemand sieht den Weihnachtsmann. Das beweist aber nicht, dass es ihn nicht gibt. Die wahrhaft wirklichen Dinge dieser Welt können weder Kinder noch Erwachsene sehen. Hast du schon einmal Feen auf einer Wiese tanzen sehen? Natürlich nicht; das beweist aber nicht, dass sie nicht gerade dort tanzen. Niemand kann all die unsichtbaren Wunder der Welt begreifen.
Niemand kann erklären, warum wir uns über eine Melodie, ein Gedicht, den Duft einer Blume, den Mondschein freuen, warum sie unser Herz mit Glück erfüllen und warum die Menschen - mögen sie Kinder oder Erwachsene sein - sehr arm sind, die keinen Sinn für die ungreifbaren Dinge haben.
Du kannst wohl eine Kinderrassel auseinander nehmen, um zu sehen, wieso sie eigentlich klappert. Über die unsichtbare Welt aber ist ein Schleier gebreitet, den selbst der stärkste Mann und nicht einmal die vereinte Kraft der stärksten Männer aller Zeiten zerreißen kann. Nur der Glaube, die Liebe können diesen Schleier ein klein wenig lüften und die dahinter verborgene übernatürliche Schönheit und Pracht schauen. Ist dies alles Wirklichkeit? Oh, Virginia, es gibt nichts Wirklicheres und Beständigeres auf dieser Welt! Der Weihnachtsmann? Gott sei Dank, er lebt und wird ewig leben. Noch in tausend Jahren, was sage ich, kleine Virginia, in zehnmal zehntausend Jahren wird er noch die Herzen der Kinder höher schlagen lassen.“
Ob Weihnachtsmann, Pelzmärkte, Knecht Ruprecht oder Kind: ob sich die Gestalten und Gedanken in der vorweihnachtlichen Zeit wandeln, die Adventwochen bleiben die Wochen der Erwartung auf ein Kommendes, einen hellen Boten, einen Bringer des Lichts, der zugleich die neue Zeit heraufführt.
Friedrich Schnack
Ferment, 12/1974
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A ufbruch, trotz aller Widerstände D urchbruch des Echten und Wahren V ertrauen auf den Geist, der Heil und Leben schafft E r wird N eues Wachsen, Blühen und Fruchten hervorbringen, auf T rümmern und Scherben Emma Stecher, Prad |