Literarische Seite

Weißes Algerien

Assia Djebar

„So zu sterben bedeutet leben
Krieg und Blutkrebs
Langsam oder heftig jedem sein Tod
Denn er ist immer derselbe
Für jene die gelernt haben
Zu lesen in der Finsternis
Und die mit geschlossenen Augen
Nicht aufgehört haben zu schreiben
So zu sterben bedeutet leben.“ (S. 80)

Verse von Kateb Yacine (1929-1989)

Anlässlich der gewaltsamen, „unvollendeten“ Todes von drei guten Freunden im Juni 93 und im März 94 in Algerien, lässt sich Assia Djebar, die bedeutendste Schriftstellerin des Maghreb, auf ein sehr persönliches Gespräch mit den ermordeten Freunden ein und lässt sie so weiterleben. Im Rahmen dieses Eintauchens in die Erinnerung steht eine Prozession von etwa zwanzig Männern und Frauen, die sehr unterschiedliche Tode starben. Neben der Schilderung der verschiedenen Tode bzw. des Ablaufs des Todestages steht die Frage nach der Liturgie der Beisetzung im Zentrum des Interesses der Autorin.

„Weiß“ als die Farbe der „absoluten Stille“ (Kandinsky) ist die immer wieder kehrende Farbe, die sich wie ein roter Faden durch die Kette von Lebensbildern und Szenen zieht: das Weiß der Städte Algeriens, der traditionellen Tücher, der Trauer und der Erinnerung.

Djebars erschütternder Bericht gibt der algerischen Tragödie ein neues Gesicht – das Gesicht von Menschen und Schicksalen. Die Autorin nimmt eine klare politische Stellung ein, klagt Täter an und bemüht sich, die Ursachen für diesen Kreislauf der Gewalt zu erkunden. Immer wieder kommt sie dabei auf verfehlte Bildungspolitik, die „Narren Gottes“ und den religiösen Fundamentalismus zu sprechen.

Djebar ist in zwei Kulturen aufgewachsen: in der arabisch-islamischen und in der französisch-kolonialen. Ihr Leben und das vieler ihrer Freunde sind geprägt von den Konflikten zwischen diesen beiden Welten. Ihr literarischer Stil ist teils kühl berichtend, teils poetisch, der Rhythmus ihrer Sätze wurzelt im Arabischen und Berberischen. Neben zahlreichen anderen Auszeichnungen erhielt Djebar 2000 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und wurde 2005 in die Académie francaise aufgenommen. Vielleicht kein „schönes“ Buch, sicherlich allerdings ein wichtiges Dokument der neueren Geschichte Algeriens und eine aufwühlende Chronik.

Gelesen und empfohlen von Lisa Hammer


Leseprobe

(Auszug aus dem Bericht über das Begräbnis von Kateb Yacine, S. 165f):

„Aus der Tiefe des Friedhofs schlagen in Wellen die Hymnen nach vorn, branden bis zum Grab, überkreuzen, vermischen sich dort: in der Berbersprache, in arabischem Dialekt, auf Französisch. Nach einem Moment der Schwebe bricht dann der Gesang der Internationale hervor. Noch ein wenig unsicher steigt die Strophe empor, es ist das erste Mal auf einem muslimischen Friedhof. [...] Von der anderen Seite kommen patriotische Lieder, man kürzt die Internationale ab. Die Offiziellen sind starr vor Angst, als ob die Menge gleich losgelassen würde ... gegen sie. Schnell, jetzt das Gebet für den Abwesenden. Dann können sie gehen [...] Als die Chöre und Lieder zum ersten Mal aussetzen, versucht der Imam, mit seiner Rede zu beginnen ... in klassischem Arabisch. Das Publikum heult auf: böse Worte gegen die falsche Majestät; „Verrat!“ ruft ein Student. Die Gesänge der Berber steigen von allen Seiten auf, diesmal, um die Rede zu übertönen. Aus der Tiefe schrauben sich die ersten you-you-Rufe der traditionellen Frauen empor, durchschneiden den Lärm. Die immer noch schrägen Sonnenstrahlen verleihen der Szene eine Aureole.“

Assia Djebar: Weißes Algerien („Le blanc de l´Algérie“, Deutsch von Hans Thill), Unionsverlag UT 178, 256 Seiten, ca. 10 Euro


Natürliche Wege zum Wunschkind

Vortrag mit der Homöopathin und Heilpraktikerin Birgit Zart, Berlin

Seit 15 Jahren arbeitet Birgit Zart mit Kinderwunschfrauen und macht dabei immer wieder dieselbe Erfahrung: Ein Kind wird nicht nur mit dem Körper, sondern auch mit der Seele empfangen. Mit Hilfe der Emotionalkörpertherapie lernen Wunscheltern, Kontakt mit ihrem Wunschkind aufzunehmen und ihm den Weg auf die Erde zu ebnen. Homöopathie und Fruchtbarkeitsmassage unterstützen dieses Ziel. Ein Plädoyer für eine ganzheitliche Gesundheitsförderung, die besonders den Frauen zugute kommt.

Birgit Zart kommt auf Einladung von Maria Hechensteiner, Autorin des Buches „Orchideenblüten - Mein Weg zum Wunschkind“, nach Südtirol.

Donnerstag, 17. November 2005, 20 Uhr, Brixen, Cusanus-Akademie