Auswege aus der Kirchenkrise

Liebenswürdigkeit des Christentums wiedergewinnen

Die Kirche sollte sich ihrer Geschichtlichkeit stärker bewusst werden – und damit der Wandelbarkeit der meisten ihrer heute als unverzichtbar bezeichnete Positionen. Das gilt für die in und von der Kirche festgelegten Geschlechterrollen ebenso wie für den Status des Klerus gegenüber den „Laien“.

Anton Pelinka

Peter Pawlowsky gilt als Kenner der katholischen Kirche und verfolgt deren Entwicklung seit vielen Jahren. Er ist Herausgeber eines Buches, in dem verschiedene Autoren Auswege aus der Krise der Katholischen Kirche suchen: Impulse zur, wie es heißt, Aufrichtung der Kirche geben.

Pawlowsky: „Seit Jahren, seit Jahrzehnten gibt es in Österreich Austritte im Ausmaß einer Kleinstadt. Ein bisschen weniger als Wiener Neustadt, ein bisschen mehr als Bregenz.

Und es geschieht nichts.

Man ergreift keine Maßnahmen. Das Merkwürdige für mich ist, dass, wenn die Austrittszahlen an die Öffentlichkeit kommen, plötzlich eine gewisse Aufregung herrscht. Eine Betroffenheit wird zum Ausdruck gebracht. Aber dann schläft alles wieder ein. Und es ist wie vorher.

Wenn man weiß, welches hohe religiöse Interesse in der Gesellschaft herrscht - das lässt sich auch religionssoziologisch nachweisen - dann verwundert einen, dass die Kirche nicht imstande ist, darauf aufzubauen und daran anzuschließen. Es ist also nicht die Botschaft, die das Hindernis ist, sondern es ist die Kirche. Es ist die amtskirchliche Verkündigung, die dieses Hindernis ist.

Der Wiener Jesuit Gustav Schörghofer hat darauf bestanden, dass es notwendig ist, dass die Kirche alle Macht ablegt. Das ist die große Versuchung seit Konstantin. Es geht um die Wiedergewinnung der Liebenswürdigkeit des Christentums.“

Peter Pawlowsky, Orientierung, ORF 2, 23.1.2005


Maßnahmen gegen den schiefen Turm

Christen, denen noch an ihrer Kirche liegt, nehmen sich kein Blatt vor den Mund. Hier wird die Krise schonungslos beim Namen genannt. Aber Kritik ist nicht alles - Kreativität ist gefragt. Was kann gegen den Kirchturm in Schieflage getan werden? Nur zuschauen, bis er umfällt?

Viele wissen längst, was notwendig ist. Hier wird es offen gesagt. Die Maßnahmen, die in diesem Buch vorgeschlagen werden, reichen für ein ganzes Konzil. Das Evangelium ändert sich nicht, aber in den Kirchen haben alte Rollen ausgespielt. Es kommt darauf an, von Vertrautem Abschied zu nehmen. 87 Antworten auf eine aktuelle Umfrage sind eine Vorbereitung auf die Zukunft.

Peter Pawlowski (Hg.), Maßnahmen gegen den schiefen Turm. 87 Impulse zur Aufrichtung der Kirche. Eine Umfrage der Zeitschrift Quart mit Cartoons von Johann Pumhösl, Mohorjeva / Hermagoras Verlag, Klagenfurt, 2004