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Nicht alleinige Wahrheit

Eugen Drewermann, katholischer Theologe und Psychotherapeut, plädiert für mehr Toleranz zwischen den Anhängern unterschiedlicher Religionen. Die Glaubenslehren seien Varianten von Zugangswegen zu Gott, erklärte er auf einer von über 4.500 Menschen besuchten Kirchentagsveranstaltung, die die Leserinitiative Publik e.V. vorbereitet hatte. Keiner dieser Wege dürfe die alleinige Wahrheit für sich beanspruchen. Die Sache Jesu sein kein ideologisches Programm, das sich zur Ausgrenzung nutzen lasse.

Publik-Forum, Nr. 11, 10.6.2005


Weiterentwicklung der Persönlichkeit nötig

Richard Rohr, US-Franziskaner und populärer Vertreter des so genannten Enneagramms, hat auf einer Vortragsreise durch Deutschland beklagt, dass die Kirchen zu sehr auf Gebote und Gesetze setzten und zu wenig auf die Weiterentwicklung der menschlichen Persönlichkeit. Das reiche nicht, um den Glauben von Erwachsenen mit mehr Liebe, Tiefe und Geduld zu bereichern. Rohr leitet ein spirituelles Zentrum in Albuquerque / New Mexico.

Publik-Forum, Nr. 11, 10.6.2005


Armut ausrotten

Jose Manuel Barroso, EU-Kom-missionspräsident, ruft zu verstärkten Anstrengungen bei der Armutsbekämpfung auf. „Armut muss ausgerottet werden wie die Sklaverei“, so der Kommissionsführer nach einer Begegnung mit Kirchenführern. Barroso hatte zuvor den honduranischen Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga und den äthiopischen Erzbischof Berhane-Yesus Sauraphiel empfangen. Die Kirchenrepräsentanten warben gemeinsam in mehreren europäischen Hauptstädten für mehr Anstrengung bei der Erreichung der Milleniums-Entwicklungsziele. Rodriguez sagte nach dem Treffen mit Barroso, man habe „die gleiche Sprache gesprochen“.

Publik-Forum, Nr. 11, 10.6.2005


Frizzi Au erhalten

Der Vorstand der Initiativgruppe hat sich gemeinsam mit dem Dachverband für Umweltschutz und 23 anderen Verbänden gegen das Fahrsicherheitszentrum in der Frizzi Au in Pfatten bei Bozen ausgesprochen. Die Landesregierung wird ersucht, dieses kleine Naturparadies zu erhalten und nicht für ein überdimensionales Fahrsicherheitszentrum, eine Motocross- und Gokartbahn, sowie für ein Testgelände für Panzerfahrzeuge der IVECO zu opfern. Die Fahrsicherheit könnte auch mit einem viel geringeren finanziellen Aufwand erreicht werden. Eine Motocross- und Gokartbahn erzeugt viel Lärm und ist nur für eine kleine Gruppe interessant. Die Produktion von Panzerfahrzeugen sollte in zivile Produkte konvertiert werden, nicht noch gefördert.


Betroffene Frauen gegen Pflichtzölibat

Das Priesteramt in der katholischen Kirche soll unabhängig von Geschlecht, Zivilstand und Lebensform möglich sein. Diese Forderung stellen Frauen, die selber in offener oder geheimer Beziehung zu einem Weltpriester oder Ordensmann leben. Auf Einladung des schweizerischen Vereins vom Zölibat betroffener Frauen (ZöFra) haben sich Delegierte von Schwesterorganisationen, die ein europäisches Netzwerk bilden, vom 20.-22. Mai 2005 in der Schweiz getroffen. Sie haben sich gegenseitig darüber informiert, wie in ihren Ländern die besondere Situation der betroffenen Priester/Ordensmänner und ihrer Partnerinnen von der Amtskirche und von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Trotz der Erklärung von Papst Benedikt XVI., die rigide Linie seines Vorgängers fortführen zu wollen, drückten die Frauen ihre Hoffnung aus, ihr Traum werde mit der Unterstützung der kirchlichen Basis doch noch Wirklichkeit.


Flickwerk

Altbürgermeister Anton Dorfmann, Feldthurns in einem Dolomiten-Sommer-Gespräch

Hätten Sie heute noch den Mut zu sechs Kindern?

Dorfmann: Nein, heute würde ich mir sechs Kinder nicht mehr zutrauen. Solange sie klein sind und alle beim Schurz herum sind, ist es einfach. Aber dann wird es schwierig, bis alle ihren Weg und eine Arbeit gefunden haben. Das ist nicht mehr selbstverständlich.

Alle jammern, dass zu wenig Kinder geboren werden. Hätten Sie einen Tipp?

Dorfmann: Das große Manko ist derzeit, dass Hausfrauen und Mütter für ihre Arbeit zu Hause zu wenig abgesichert und unterstützt werden. Wenn Frauen daheim bleiben, schauen sie spätestens bei der Pension durch die Finger. Hier liegt der Hund begraben.

Und das Landeskindergeld?

Dorfmann: Das ist alles nur ein Flickwerk.

Dolomiten, 13.-16.8.2005, S. 15