Verheiratete Priester

Das etwas andere Priesterjubiläum

Immer wieder gibt es Priesterjubiläen. Dass aber katholische Priester, die nach einiger Zeit geheiratet haben, den Tag ihrer Weihe feiern, dürfte einmalig sein. Die Zwillinge Konrad und Luis Kaserer haben es in Afing getan. Es hat verständlicherweise Aufsehen erregt. Wir haben nach den Motiven gefragt und nach den Reaktionen auf das Fest.

Impulse: Vor fünfundzwanzig Jahren seid ihr zu Priestern geweiht worden. Inzwischen seid ihr beide verheiratet und habt Mitte Juni trotzdem das 25 Jährige Priesterjubiläum gefeiert. Was hat euch dazu bewogen?

Luis Kaserer: Die Priesterweihe vor 25 Jahren war für mich eine unvergessliche Erfahrung. Einerseits hatte ich damit ein lang ersehntes und erkämpftes Ziel erreicht. Es war eine Sternstunde in meinem Leben. Anderseits war es ein Aufbruch in eine neue Lebensphase, wo der Dienst an den Nächsten im Zentrum stand und noch steht. Priester wird man nicht für sich selber, sondern im Dienst am Menschen. Und Sternstunden feiert man eben, wann es eine gute Gelegenheit gibt. Seit meiner Priesterweihe bin ich und fühle ich mich einfach ein gesegneter Priester. Der verpflichtete Zölibat, den ich inzwischen glücklich entlassen habe, hat ja im Grunde nichts mit dem Priesterberuf zu machen. Und weil ich meinen Priesterberuf nach 25 Jahren immer noch liebe, wollte ich dies heuer in einer Feier zum Ausdruck bringen.

Konrad Kaserer: Ich weiß mich heute genau so wie vor 25 Jahren zum Priestertum berufen. Ebenso weiß ich mich zur Ehe und zum Familienleben berufen. Dieser Ruf kommt für mich nicht von Menschen, sondern von Gott. Das 25 jährige Priesterjubiläum zu feiern ist für mich ein freudiger Ausdruck der tiefen Dankbarkeit, die ich verspüre, für einen solchen Ruf zum „Gottesdienst“ und Dienst am Menschen.

Auf welche Weise habt ihr in Afing das Priesterjubiläum begangen?

Luis Kaserer: Zuerst haben Konrad und ich zusammen ein paar herrliche Tage in Nordtirol unter der Serles verbracht. Vor 25 Jahren haben wir nämlich kurz vor unserer Priesterweihe in Maria Waldrast Exerzitien gehalten, und dabei wanderten wir zwei zusammen einmal zum Sonnenaufgang auf die Serles. Zum Frühstück waren wir wieder zurück. Dieses Bergerlebnis damals hat auf uns einen großen Eindruck gemacht. Wie auch das Jugendbuch: „Das Licht der Berge“. So nahmen wir uns nun wieder Zeit und Muse, auf und um der Serles herum auf unsere 25 Priesterjahre zurück zu blicken. Gleichzeitig bereiteten wir uns auf die feierlichen Tage vor. Dabei besuchten wir auch Brixen, gingen zur Hochmesse in den Dom, wanderten auf dem europäischen Pilgerweg und kehrten auch noch in Spiluck ein. Einige Tage später trafen wir wieder unsere Familien und fuhren gemeinsam nach unseren Heimatdorf Afing.

Wir luden die Afinger, einige Verwandte und Freunde mittels Plakat zu einem Treffen im Schulhaus am Dorflatz ein. Das war ein gemütlicher Abend mit vielen Fragen und Erzählen, Singen und Gratulieren. Wir luden dabei die Leute ein zu unserem Jubiläumsgottesdienst am nächsten Tag, samstags um 16 Uhr. Wir hielten die Messfeier draußen auf einem der schönsten Plätzchen in Afing, oben nahe beim Nockerhof, in einer unendlich großen und schönen Kirche mit einem herrlichen Dolomitenpanorama als Hochaltar. Es war wonnig!

Ihr habt also auch Eucharistie gefeiert.

Luis: Wie sonst kann man ein Priesterjubiläum feiern? Indem wir genau das tun, was damals unser Auftrag wurde: Dank zu sagen, miteinander Brot und Wein zu teilen und dabei für einander ein Segen Gottes zu sein. Das ist für uns Eucharistie. Bei der Wandlung begannen die Kirchenglocken von Wangen drüben spontan zu läuten und gleich nach der letzten Strophe vom „Großer Gott wir loben Dich“ rief der nahe Kuckuck zweimal in die dankbare Stille am Ende der Messfeier. Schön, dass selbst die Natur anscheinend lobend mitgefeiert hat. Es war einfach herrlich.

Was sagten eure Frauen und Kinder zum großen Fest?

Luis Kaserer: Meine Familie hat die Zeit in Afing, unser Jubiläum und die Kontakte zu den vielen Menschen genossen. Die Eucharistiefeier in der schönen freien Natur war für sie auch sehr schön. Da sie mich ja öfter in dieser Funktion erleben war es für sie nicht besonderes aufregend. Meine Tochter Sara sagte: „Euer Goaslschnöllen beim gemütlichen Zusammensein nach dem Gottesdienst hat schon Eindruck auf mich Konrad Kaserer: Meine Frau Dee, die Kinder Sam und Jake, ihr Freund Stephen und ihre Grosseltern Glenn und Shirley Borgman aus den USA waren voll begeistert und überaus dankbar für die beherzte Gastfreundschaft und das Willkommen, wo immer wir einkehrten. Die Messfeier selber ist für sie nichts Aufregendes, weil wir ja eine Priesterfamilie sind, an Singen, Beten und Feiern gewohnt sind. Dee und ich singen öfters mit unserer Gitarre, und so sangen wir auch diesmal ein Lied miteinander, zum Lob und Dank Gottes. Das macht mir persönlich immer sehr viel Freude.

Welche Reaktionen gab es dazu von Seiten der Verwandten und Freunde, welche im Dorf?

Luis: Wir sind durch die Jahre hin eher Fremde geworden in unserem Dorf. Wenn wir dort sind, sind wir ja in Ferien. Vor 25 Jahren waren wir Stars, wo alle stolz auf uns waren; durch unsere Heirat hat sich das Bild etwas geändert. Aber wir haben viele gute und freundliche Beziehungen zu vielen Afingern. Wir werden vielerorts immer noch eingeladen zu Besuchen, können das aber leider nicht immer machen. Natürlich hat unser Entschluss zu heiraten viele Fragen bei den Leuten aufgerufen. Viele konnten und können vielleicht auch heute noch unseren Schritt nicht verstehen und sind eher unsicher, wie wir wirklich sind. Das ist auch in der Verwandtschaft nicht anders. Viele können es einfach nicht glauben, dass wir noch immer katholische Priester sind. Scheinbar ist das Zölibat in den Gedanken vieler Leute das wichtigste bei einem Priester. Das haben sie nicht selber erfunden, das hat die Kirche ihnen beigebracht.

Beim Treffen mit den Afingern im Schulhaus am Tag vor unserer Feier haben wir – wie schon früher einmal, ganz offen auf viele Fragen Antwort geben können. Es fiel mir auf, wie sehr die Leute Respekt vor uns und unserem Lebensweg haben. Viele die uns kennen, stehen uns und unseren Frauen und Kindern mit großem Wohlwollen gegenüber. Das ist auch in der weiten Verwandtschaft so. Viele Afinger haben einen kerngesunden Glauben und sehnen sich nach einer erneuerten und lebendigen Kirche.

Bei unserer Feier waren nicht mehr so viele Menschen wie vor 25 Jahren. Deutlich ist auch, dass nicht alle Verwandten und Afinger hinter uns stehen wie vor 25 Jahren. Wir haben uns damit abgefunden. Aber die da waren, haben mit uns eine wunderschöne Feier erlebt.

Konrad: Mir scheint die Leute sind eher verunsichert über unsere Entscheidung, uns zum Priestertum zu bekennen. Manche meinen, wir wären vom Glauben abgefallen, oder zu einer Sekte übergetreten. Dabei bin ich ja selber im Wachsen meines Glaubens zum Seelsorger einer kleinen freien Glaubensgemeinschaft, Unity of Flagstaff, bestellt worden. Für mich selber ist dies wiederum eine klare Einladung Gottes, weiterhin Priester zu sein im Weinberg des Herrn. Das Reich Gottes hat für mich keine Grenzen! Als ich letztes Jahr mit einer Gruppe unserer Glaubensgemeinschaft für eine Woche in Afing weilte, waren wir dort wiederum sehr herzlich willkommen. Wo Liebe ist, da finden sich herzensgute Menschen wie die Afinger oder meine Anvertrauten, immer zurecht.

Wie hat die Diözesanleitung in Bozen auf die Ankündigung eures Jubiläums reagiert?

Luis Kaserer: Jemand aus unserem engen Kreis hat wahrscheinlich Hochwürden Generalvikar Matzneller einen Hinweis gegeben. Und er hat es scheinbar als eine dringende Aufgabe gesehen, unsere Feier zu verhindern. Wir haben mit unserer Feier ja kein Aufsehen erregen und auch dem Pfarrer von Afing keine Schwierigkeiten machen wollen. Wir haben ihm nichts von unserem Vorhaben erzählt. Kurz nach unserer Feier hat der Pfarrer dann im Verkündzettel an die Afinger das Folgende geschrieben:

„Nun ist es doch passiert...

Die beiden Kaserer Luis und Konrad haben strengstes Verbot, als Priester die hl. Messe zu feiern; das sowohl in der Kirche als auch außerhalb derselben. Die beiden wissen das. Durch ihr „Heiraten“ sind sie ja exkommuniziert. Ihr Vorhaben, ihr 25 jähriges „Priesterjubiläum“ zu feiern, wurde mir vor einiger Zeit vom Generalvikar Hochw. Josef Matzneller mitgeteilt. Ich bekam von ihm den Auftrag, zu versuchen, dieses „Jubiläum“ zu verhindern. Nun aber ist es doch geschehen. Ich bedaure das sehr - besonders auch deshalb, weil ich in diese ungute Sache hineingezogen bin. Ungehorsam der Kirche (= Christus) gegenüber, bringt nicht Segen, sondern Verwirrung und Unheil. Der Seelsorger P.Vigil“

Das hat uns im Nachhinein ein bisschen zum Denken gebracht. Denn wir sind ja nicht exkommuniziert, sondern nach dem heutigen Kirchenrecht (can. 1394) suspendiert und laut dem gleichen Kirchengesetz (can.1335) können wir sogar alle Sakramente erteilen, wenn Gläubige uns darum bitten. Und Ungehorsam gegen ein aus 1139 stammendes und umstrittenes Kirchengesetz gleichsetzen mit Ungehorsam gegenüber Christus bringt tatsächlich Verwirrung und Unheil. Wir haben den Pfarrer schriftlich gefragt, das in einem folgenden Verkündzettel zu berichtigen.

Interview: Robert Hochgruber