10 Jahre für eine lebendigere Kirche
10 Jahre Kirchenvolksbegehren

Im Herbst vor 10 Jahren war viel los in der Kirche Südtirols. Kontroverse Diskussionen privat und öffentlich, seitenweise Leserbriefe, Radio- und Fernsehsendungen zum Thema: Welche Reformen braucht die Kirche – hier bei uns und weltweit. Das Kirchenvolksbegehren hatte Südtirol erfasst: Im Frühjahr 1995 erfolgreich in Österreich gestartet, in Deutschland und Südtirol übernommen, weltweit wirksam.
Wichtige Strukturfragen der Kirche standen im Vordergrund, nicht Glaubensfragen. Es ging um die entscheidende Frage, ob Gläubige das Recht, ja sogar die Pflicht hätten, die Kirchenleitung auf ungelöste brennende Probleme hinzuweisen, die das Leben der einzelnen Christinnen und Christen sowie der Pfarrgemeinden beeinträchtigen, ja manchmal schwer schädigen. Lösungen wurden vorgeschlagen.
Hier die fünf Forderungen:
Die Kirchenleitung verstand diese Forderungen als Infragestellung der Macht und ging entsprechend damit um: zunächst Ablehnung, dann Aussitzen und Ignorieren – bis heute. „Zeit der Krise, Zeit der Gnade“ erklärte die Diözesanleitung anlässlich des Kirchenvolksbegehrens. Die Krise ist geblieben, die Gnade steht noch aus.
18.284 Unterschriften wurden für das Kirchenvolksbegehren in Südtirol abgegeben, ein großartiger Erfolg. Das waren 5 % der Bevölkerung. Seither weist die Initiativgruppe für eine lebendigere Kirche beharrlich auf die Anliegen hin und macht konkrete Vorschläge für Erneuerung und einen neuen Aufbruch in der Kirche.
Keine der Forderungen wurde bisher umgesetzt. Die Initiativgruppe hat den Ruf nach Reformen wach gehalten. Im Kirchenvolk haben die Vorschläge laut weltweiten Umfragen eine Zustimmung von 70 bis 80 %. Früher oder später wird der Reformstau aufgelöst werden müssen. Es geht um die Zukunft der Kirche und um ihre Bedeutung für die Menschen.
Viele Gläubige gehen heute - verständlicherweise - resigniert ihre eigenen Wege. Die Initiativgruppe setzt nach wie vor auf Dialog und ermuntert Gläubige wie kirchliche Verbände zur Selbstverantwortung.