Gottlos
Gott in der EU-Verfassung?
Auch die italienische Verfassung hat keinen direkten Gottesbezug, schützt aber in den Artikeln 7 und 8 die Unabhängigkeit der katholischen Kirche und gleichermaßen die Freiheit aller religiösen Bekenntnisse vor dem Gesetz. Das ist das Wesentliche und auch das Wichtigste einer Verfassung, alles andere ist Rhetorik und Missbrauch der Religion zu politischen Zwecken. Freie Kirche in freiem Staat. Die Kirche und die Religionen gedeihen in einem freien Staat besser. Staatsreligionen haben selten Gutes gebracht. Wenn Religionen zu Herrschaftsinstrumenten werden, werden sie gefährlich und tendieren zu Intoleranz und extremistischer Selbstherrlichkeit. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass dieses Europa keinen Gott in der Verfassung braucht, die Religion und die Kirche sollen und können die Politik beeinflussen, christliche Politiker sollen das tun, die von den Bürgern gewählt werden, das genügt. Religion muss deshalb nicht in die Privatsphäre zurückgedrängt werden, als individuelle Freiheit, die Kirchen haben das Recht, für die Durchsetzung ihrer Standpunkte öffentlich zu streiten, klar. Wichtig ist, dass in der Verfassung die wichtigsten Werte erwähnt werden, nach denen sich die europäische Politik und das Leben der Bürger Europas ausrichten soll: Die Menschenwürde und die Menschenrechte, die Demokratie, die Freiheit, die Gleichheit, die Solidarität, die Nicht-Diskriminierung, die Gerechtigkeit, die Toleranz, der Rechtsstaat, der Pluralismus und der Schutz der Minderheiten. Urchristliche Werte zum Großteil, die die Basis für alle Menschen guten Willens sein können. Eine Verfassung. muss auch für Atheisten und Agnostiker gelten. Auch Gottlose können anständige Bürger und Politiker sein, oft anständigere als die vielen Scheinfrommen.
Arnold Tribus, Tageszeitung, 22.6.2004

Zeitung zur Firmung
Eine Firmzeitung hat eine Firmgruppe der Pfarrei Bruneck erstellt. Neben Gedanken und Meditationen haben die Jugendlichen darin ihren Weg zur Firmung beschrieben, eine Befragung von Menschen mit geistlichen Berufen und eine Umfrage bei Firmlingen und Eltern gemacht. Auch Kochrezepte fürs Erwachsenwerden und Witze fehlen nicht, ebenso wie der Artikel aus den letzten Impulsen über die Jugendfirmung in Naturns. Die Firmzeitung kann beim Jugenddienst Dekanat Bruneck gegen eine Spende bezogen werden.
Exkurs über Gott und die Gläubigen
Von Oswald Pertramer, Marling
gesetzt den fall sie hätten recht, sie hätten wirklich recht, die vielen, die glauben und uns glauben machen wollen: an Ihn, den Schöpfer des himmels und der erde, an Ihn, der die welt erschaffen hätte in sieben tagen oder in tausenden von abertausenden von jahren oder in unzähligen äonen und Er wäre ewig und Er wäre allmächtig und Er wäre allgegenwärtig und Er wäre allwissend, und Er wäre all dies wirklich: ewig- allmächtig- allgegenwärtig- allwissend- und Er wäre die Liebe und Er wäre der Gerechte und Er wäre der Gnädige und Er kennte unsere geheimsten gedanken und alle haare auf unserem kopfe wären gezählt gesetzt also den fall, die vielen hätten in all dem wirklich recht, so sag mir, lieber freund, beim lichte des schlichten menschenverstandes (und, sagen wir: bei der unschuld eines einfachen herzens) könnte dieser Gott ein anderer sein als ein ewig heiterer Gott, da Er doch in seiner anfanglosen kraft all seine werke schon vor anbeginn aller zeiten vollbracht hätte, und- könnte dieser Gott ein anderer sein als ein ewig genießender Gott, da Er doch in seiner unendlichen schöpferkraft seit urewigkeiten von augenblick zu augenblick, sich zur freude, nach immer neuem bild und gleichnis immer neue, unendliche welten erschaffen konnte und- könnte dieser Gott ein anderer sein als ein lachender Gott, da doch für Ihn die geschichte des menschengeschlechts und aller von Ihm geschaffenen wesen vor anbeginn aller welten vollendet wäre und- könnte dieser Gott ein anderer sein als ein stets glückseliger, ja ein singender, tanzender, ein spielender Gott, da Er doch von ewigkeit zu ewigkeit keinen schlaf kennte, statt dessen nur über und über fliessende kraft und sieg über sieg über sieg und auch seine zukunft nur freude und sieg sein würde? und- mein lieber freund, könnte er aus der strahlenden heiterkeit seines seins und aus seiner unendlichen kraft anders sein als unendlich gnädig, auch gegen seinen erbittertsten feind, ja selbst gegen den Satan, von dem sie sagen, er sei die quelle alles bösen? und müsste nicht dieser Gott ganz versunken sein in die betrachtung Seiner grösse und in den tanz Seines schaffens, statt, wie die vielen sagen, Seine geschöpfe für ihre dummheiten zu bestrafen? und würde Er nicht noch sehr viel mehr versunken sein in das wunder derjenigen Seiner geschöpfe, die mit ihrer geringen kraft ein leben des schaffens und der liebe leben oder ein schweres schicksal heiter zu tragen wissen? mein lieber freund, seitdem ich versucht habe, mich etwas eingehender mit dieser frage zu beschäftigen, wächst mein erstaunen immer mehr über die gläubigen, die offensichtlich nicht zu den gleichen schlüssen gekommen sind wie ich, und die stattdessen viel von gottesfurcht sprechen und deren allmächtiger Gott eher aussieht wie ein ewiger, humorloser zuchtmeister der von Ihm erschaffenen wesen, und anscheinend gerade darum der höchsten und uneingeschränkten anbetung würdig ist. soweit ich sehen kann, ist es für sie das bei weitem schlimmste vergehen eines menschen, nicht an diesen Gott zu glauben, denn die bekehrung zu Ihm, auch noch im letzten augenblick vor dem tode, kann mit den zugehörigen sakramenten auch die grössten verbrechen tilgen, während auf diejenigen, die sich bis zuletzt weigern, an den ewigen zucht- meister zu glauben, die ewige hölle wartet, ungeachtet des bewunderungs- würdigen lebens, das sie vielleicht geführt haben. einerseits schwer zu glauben, woran sie da glauben, andererseits verständlich, dass diejenigen, für die gewalt ein argu- ment vor allen argumenten ist, ohne zögern bereit sind, diese höchste und letzte gewalt anzubeten und mit den schönsten namen zu schmücken, ja die unglaublichsten poetischen an- strengungen zu unternehmen, die unbegreifliche, alles übersteigende güte Ihres Herrn zu preisen
Interessenten können die fortsetzung des textes, soweit bisher gediehen auf anfrage bei oswald_pertramer@yahoo.de erhalten.