Beeindruckendes Fest
1. Ökumenischer Kirchentag in Berlin - mit Signalwirkung auch für Südtirol?
Es war ein großartiges beeindruckendes Fest der Begegnung. So wie von Deutschland die Reformation ausgegangen ist, gingen jetzt unübersehbare Signale für die Einheit der christlichen Kirchen aus. Vom 28.5. bis 1.6.2003 hatten sich weit mehr als 200.000 Christinnen und Christen vorwiegend aus der evangelischen und der katholischen Kirche in Berlin zum 1. ökumenischen Kirchentag getroffen. Anwesend waren alle christlichen Konfessionen sowie freikirchliche Gemeinschaften.
In der
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Unüberhörbares Lebenszeichen Insgesamt war der Ökumenische Kirchentag ein beeindruckendes Ereignis. Die vielen Eindrücke sind noch lange nicht aufgearbeitet und sortiert. Wahrscheinlich ist dies auch nicht möglich. Dieser Kirchentag war eine Fülle, die die unendlich scheinende Vielfalt der Kirchen spiegelte und Möglichkeiten der Orientierung und für (Kirchen)Politik bot. Es war ein Ereignis, welches auch in der gesamten deutschen Gesellschaft unüberhörbar war. Ein deutliches Lebenszeichen der Kirchen in Deutschland – bis in den Vatikan. Hans Peter Hurka, Wir sind Kirche, Österreich, Nr. 40/03 |
Umstritten war die Frage der eucharistischen interkonfessionellen Gastfreundschaft. Hatte sie doch der Vatikan im Vorfeld deutlich untersagt. Die deutschen Christinnen und Christen gaben die Antwort auf ihre Weise. In zwei vielbeachteten Gottesdiensten in der evangelischen Kirche Prenzlauer Berg Nord – organisiert von der evangelischen Gemeinde und der Bewegung um das Kirchenvolksbegehren - wurde zunächst eine Eucharistiefeier nach kath. Ritus gefeiert und zwei Tage darauf eine evangelische Abendmahlfeier. Beides mal wurden alle ausdrücklich zur Teilnahme am Mahl eingeladen. Es waren großartige Gottesdienste und mutige symbolträchtige Schritte, um eine versöhnte Einheit der Kirchen deutlich zu machen. In Gesprächen wurde mir deutlich, dass diese Praxis seit längerer Zeit in vielen Gemeinden üblich ist. Die kath. Kirchenleitung reagierte nach dem Kirchentag mit Machtdemonstration. Prof. Gotthold Hasenhüttel, der den kath. Gottesdienst geleitet hatte, wurde suspendiert, Pfarrer Bernhard Kroll, der bei der evangelischen Abendmahlfeier gepredigt hatte, wurde zeitweise beurlaubt. Trotzdem dürfte der Kirchentag einen Aufbruch deutlich gemacht haben, hinter den es wohl kein Zurück mehr geben wird.
Aus Südtirol hat auch eine Abordnung der evangelischen Gemeinde von Bozen mit Pfarrer Sebastian Zebe am Kirchentag teilgenommen. Ich habe in einer Veranstaltung mit internationaler Besetzung die Tätigkeit und Ausrichtung der Initiativgruppe für eine lebendigere Kirche vorgestellt und viel Interesse gefunden.
Erfreulich wäre, wenn es auch in Südtirol in absehbarer Zeit zu einem ökumenischen und sprachgruppenübergreifenden Kirchentag kommen würde. Ein solches Ereignis könnte darstellen, was Christ-Sein heute bedeutet, aktuelle Fragen in den verschiedensten Bereichen diskutieren, zu verstärkter Zusammenarbeit innerhalb der christlichen Kirchen und der Sprachgruppen führen, Zeichen der Versöhnung z.B. mit den Hutterern setzen und insgesamt zu einem Fest der Ermutigung und Bestärkung im Glauben werden.
Robert Hochgruber