Der abgewandte Christus

 

Eine seltsame Darstellung:

Jesus am Kreuz

abgewandt von uns Menschen.

Er zeigt uns die kalte Schulter.

Hat er genug von uns?

Ist er enttäuscht von dem, was wir aus ihm und mit ihm gemacht haben?

Haben sein Leben und Tod, seine Auferstehung nichts „gebracht“?

 

Ein Kind – mit erwachsenen Gesichtszügen

mit Segensgeste noch dazu:

Die Dornenkrone wurde ihm „angehängt“,

es muss sie tragen.

 

Jesus am Anfang – Jesus am Ende: alles umsonst?

Das Leiden Jesu geht also weiter – wie eh und je!

Kinder leiden wie eh und je, auch heute.

 

Und dahinter die Leere, der leere Rahmen.

Eine Chance?

Daneben ein Fahrrad, Zeichen des Fortschritts.

Eine Person läuft an der Wand davon.

   Läuft davon vor all dem Elend und der Not dieser Welt.

Und vor sich selbst?

 

Samuel Beckett, atto secondo,

auf Tafeln deutlich gemacht:

Es gibt einen Ausweg, den Friedhof, schrieb er 1950.

Nur der atto seconodo oder ein atto eterno?

Leiden der Menschheit –

Wann kommt der letzte Akt?

 


Installation  von Manfred Mureda, Brixen und Harald Schmalzl, Gröden,

 eröffnet am Karfreitag 2001 in der Rathausgalerie von Brixen.

Gedanken von Robert Hochgruber